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Sportdrama „King Richard“ mit Will Smith: Auch Träumen ist harte Arbeit

In Reinaldo Marcus Greens für sechs Oscars nominiertem Sportdrama „King Richard“ spielt Will Smith den Vater der beiden Tennis-Ikonen Venus und Serena Williams.

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Richard Williams (Will Smith) hat sich fest vorgenommen, mit seinen Töchter Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) die Tenniswelt zu erobern.
© Constantin

Von Joachim Leitner

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Innsbruck – Es hätte alles auch anders kommen können. In der eindrücklichsten Szene von „King Richard“ greift der von Will Smith gespielte Richard Williams zur Pistole. Ein jugendliches Großmaul hat ihn vor seinen Töchtern gedemütigt. Jetzt will er sich rächen. Er lauert dem angehenden Gangster in einer dunklen Gasse auf. Doch die Drecksarbeit nimmt ihm ein anderer ab. Bevor sich Williams bereitmachen kann, fallen Schüsse. Sirenen heulen auf, Richard Williams sucht das Weite. Compton ist ein hartes Pflaster. Und genau davor will er seine Töchter schützen, vor Halbstarken mit halbautomatischen Waffen, vor Drogenkriminalität und Polizeigewalt. Tags darauf steht Williams wieder auf dem Tennisplatz. Dort – das hat er sich schon vorgenommen, bevor seine Töchter geboren wurden – hat er Großes vor. Er will Venus und Serena Williams zur Weltklasse formen: Seine Töchter sollen die besten Tennisspielerinnen aller Zeiten werden. Dass Richard Williams’ Plan aufgeht, darf als bekannt vorausgesetzt werden: Venus und Serena Williams dominierten das Damentennis mehr als ein Jahrzehnt lang. Und: Sie waren die ersten afroamerikanischen Superstars des – buchstäblich – „weißen Sports“.

📽️ Trailer | „King Richard“

Für die Mädchen, die zu Ausnahmeathletinnen werden, interessiert sich „King Richard“ aber kaum. Obwohl – oder wohl eher weil – Venus und Serena Williams den Film auch mitproduziert haben. Vielmehr stellt der Film den titelgebenden „König“ ins Zentrum. Will Smith spielt ihn als Beispiel uramerikanischen Eigensinns: selbstbewusst und zugleich irritierend selbstgefällig, so erfüllt von der eigenen Idee, dass man sich mitunter für ihn schämen möchte und zugleich von der zur Schau gestellten Konsequenz nur beeindruckt sein kann. Wenn man sich bemüht und Leistung bringt, dann fügt sich die Welt irgendwann dem eigenen Traum. Dass es der Geschichte, die Drehbuchautor Zach Baylin und Regisseur Reinaldo Marcus Green erzählen, auch darum geht, dem gelebten Rassismus (in den USA und im Tennis) den Spiegel vorzuhalten, machen jene Szenen überdeutlich, in denen König Richard weißen Wichtigtuern, die mit Schecks und Schulterklopfern locken, mit verhaltensauffälligen Verhandlungsmethoden den Schneid abkauft. Auch in solchen Momenten weiß man, dass es auch anders hätte kommen können.

Andere Momente haben sich hingegen im echten Leben anders abgespielt. Und manches, was das Bild von Richard Williams als schrullige Verkörperung des „American Dream“ verkompliziert hätte, wird ausgespart. Doch es wäre einigermaßen kindisch, das dem Film zum Vorwurf zu machen. Schwerer wiegt hingegen, dass sich „King Richard“ bisweilen dramaturgisch verzettelt – und die verschiedenen Variationen der immergleichen Konstellation (Richard stößt die durchwegs weißen Profis, um deren Aufmerksamkeit er sich davor furchtbar bemüht hat, vor den Kopf) in der immergleichen Pointe gipfelt: Am Ende behält Richard Recht, selbst dann, wenn er Unrecht hat.

Einen Golden Globe hat Will Smith für die Darstellung von Richard Williams bereits gewonnen. Ende März könnte der Oscar folgen. Insgesamt ist „King Richard“ für sechs Academy Awards nominiert – und harmlos genug, um die auch zu gewinnen, ist der Film sowieso.

King Richard. Ab 10 Jahren. Ab heute in den Kinos.


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