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UEFA, Formel 1 und FIS setzten mit Absagen Zeichen

Die UEFA verlegte das Finale der Fußball-Champions-League von St. Petersburg nach Paris, die Formel 1 strich den Grand Prix von Russland aus dem Kalender und die FIS sagte sämtliche Weltcups in diesem Winter in Russland ab. Weltweit gibt es Solidaritätsbekundungen.

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Heuer wird es keinen Grand Prix in Russland geben (Archivfoto vom 24. September 2021).
© ALEXANDER NEMENOV

Kiew, Moskau – Die Europäische Fußball-Union, die Formel 1 und der Ski-Weltverband haben mit Absagen von Sportevents in Russland nach dem Einmarsch militärischer Truppen in die Ukraine ein Zeichen gesetzt. Die UEFA verlegte das Finale der Fußball-Champions-League von St. Petersburg nach Paris/St. Denis, die Formel 1 strich den Grand Prix von Russland aus dem Kalender und die FIS sagte sämtliche Weltcups in diesem Winter in Russland ab. Weltweit gibt es Solidaritätsbekundungen.

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Das UEFA-Exekutivkomitee fand in Windeseile einen Ersatzort für das Champions-League-Finale am 28. Mai und bedankte sich speziell beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron "für seine persönliche Unterstützung und sein Engagement". Zudem entschied das wichtigste UEFA-Gremium, dass russische und ukrainische Clubs ihre Europacup-Heimspiele auf neutralem Boden ausrichten müssen. Dies gelte auch für die Nationalmannschaften der beiden Länder in der Nations League ab diesem Sommer.

Zögerliches Vorgehen der FIS

Etwas zögerlich war das Vorgehen der FIS. Erst nachdem zahlreiche Nationen, darunter auch Österreich, bereits am Donnerstag ihre Teilnehmer vom Ski-Cross-Weltcup in Sunny Valley bei Tscheljabinsk abgezogen hatten und in der Qualifikation am heutigen Freitag für die Wochenendbewerbe nur noch Russinnen und Russen am Start gewesen waren, erfolgte die Absage dieser und weiterer Veranstaltungen. So der Weltcup der Aerials in Jaroslawl und Moskau, der Skispringerinnen in Nischnij Tagil und Tschaikowski und der Langläufer in Tjumen.

Heuer kein Grand Prix in Russland

Die Formel 1 wird nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in diesem Jahr nicht in Russland fahren. Der Grand Prix in Sotschi war für den 25. September angesetzt gewesen. Es sei "unter den derzeitigen Umständen" unmöglich, den Großen Preis von Russland auszutragen, hieß es in einer Mitteilung. Die Entscheidung wurde nach einem Treffen von Formel 1, Motorsport-Weltverband FIA und den Teams getroffen.

Fahrer wie Sebastian Vettel ("Ich finde es falsch, in diesem Land zu fahren") und Weltmeister Max Verstappen ("Wir sollten nicht in einem Land fahren, das Krieg führt") hatten sich schon zuvor positioniert gehabt. Der US-Rennstall Haas mit Nikita Masepin als einzigem russischen Piloten im Formel-1-Starterfeld setzte indes am letzten von drei Testtagen auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona ein Zeichen. An den Boliden des Teams fehlte nicht nur das Logo des russischen Hauptsponsors, sondern auch die gewohnte rot-blau-weiße Lackierung, die an die russische Flagge erinnert.

IOC fordert Absage von Sportevents

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verurteilte das Brechen der olympischen Waffenruhe durch die Regierungen von Russland und Belarus scharf und forderte alle internationalen Fachverbände dazu auf, Sportevents in diesen beiden Ländern abzusagen oder woanders neu anzusetzen. Die Europäische Handball-Föderation und der Internationale Sportkletter-Verband wollen diese Maßnahmen umsetzen ebenso wie die Basketball-Euroleague.

Darüber hinaus fordert das Exekutive Board des IOC nachdrücklich, dass bei internationalen Sportveranstaltungen, die nicht bereits unter die jeweiligen Sanktionen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für Russland fallen, keine Flaggen aus Russland oder Belarus gezeigt und auch keine Hymnen gespielt werden.

Immer größer wird auch die Bereitschaft, auf russische Sponsoren zu verzichten. Der Fußball-Zweiligaclub Young Violets wird als Reaktion auf den Ukraine-Krieg vorerst ohne das Gazprom-Logo auf dem Trikot einlaufen, wie die Wiener Austria bekanntgab. In Deutschland fordern laut einer Umfrage fast zwei Drittel, dass sich Zweitligist FC Schalke 04 von seinem Hauptsponsor Gazprom trennt. Schalke hatte bereits verkündet, dass der Verein nicht mehr mit dem entsprechenden Schriftzug auf den Trikots auflaufen wird. Der englische Premier-League-Club Manchester United entzog Aeroflot die Sponsorrechte.

Die internationale Fußball-Spielervereinigung Fifpro fordert eine Überprüfung bestehender Geschäftsverbindungen. Der Fußball müsse jetzt "dem Beispiel demokratischer Regierungen folgen und alle Verbindungen überprüfen und abbrechen, die die Grundprinzipien unserer Branche untergraben", hieß es in einer Stellungnahme. Der staatliche russische Energiekonzern Gazprom gehört zu den größten Sponsoren der UEFA, über die Zukunft dieser Partnerschaft gab es vom europäischen Dachverband noch keine Angaben.

Schweigeminute beim Basketball

Solidarität mit der Ukraine zeigten in der National Basket League (NBA) Spieler der Sacramento Kings und Denver Nuggets, die vor ihrer Partie eine Schweigeminute abhielten. In der Spielfeldmitte standen die Profis Seite an Seite und verschränkten ihre Arme. Bei den Kings ist mit Alex Len ein ukrainischer Spieler aktiv. Er hatte zusammen mit dem anderen ukrainischen Spieler in der NBA, Swjatoslaw Mychailjuk (Toronto Raptors), zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht: "Eine große Tragödie ist unserem geliebten Heimatland Ukraine widerfahren.... Die Ukraine ist ein friedliches und unabhängiges Land, das von Menschen bewohnt wird, die ihr Leben selbst bestimmen wollen", schrieben die beiden.

Eine Schweigeminute gab es auch vor und nach dem Basketball-WM-Qualifikationsspiel zwischen Spanien und der Ukraine. Starspieler Artem Pustowij hatte "Kein Krieg" auf seine Wangen gemalt. "Niemand konnte glauben, was mit unserem Land passiert. Es ist unmöglich, an ein Spiel zu denken, wenn man weiß, dass deine Familie Schmerzen erleidet und gleichzeitig dein Land bombardiert wird", sagte Pustowij, für dessen Team es nach der Niederlage Standing Ovations gab.

Keine Schwimmer aus Österreich nach Russland

Österreichs Schwimmverband kündigte an, keine Athletinnen und Athleten zu Bewerben nach Russland zu entsenden. Die österreichische Eiskunstläuferin und gebürtige Ukrainerin Olga Mikutina wiederum blickt mit Sorgen auf die Geschehnisse in ihrer Heimat. "Ich mache mir wahnsinnige Sorgen um meine Verwandten und meine Freunde in der Ukraine", sagt die 18-Jährige, die in der Industriestadt Charkiw (Charkow) aufgewachsen und 2016 nach Österreich gekommen ist, in den Vorarlberger Nachrichten.

Der russische Tennisprofi Andrej Rublew wiederum gab nach seinem Halbfinalsieg beim Turnier in Dubai eine Anti-Kriegs-Botschaft abgegeben. Nach dem 3:6,7:5,7:6 (5)-Erfolg über den Polen Hubert Hurkacz schrieb der 24-Jährige am Freitag "No War Please" ("Kein Krieg bitte") auf die Linse einer TV-Kamera. Der neue russische Weltranglisten-Erste Daniil Medwedew hatte sich zuvor betroffen über den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine geäußert. (APA/dpa/Reuters)


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