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„Then and There“ in Schwaz: Schirme, die für mehr als vor Regen schützen

„Then and There“ von Kathrin Wojtowicz in der Galerie der Stadt Schwaz.

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Installation aus fünf bunt bemalten Regenschirmen von Kathrin Wojtowicz.
© Verena Nagl

Von Edith Schlocker

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Schwaz – Obwohl draußen die Sonne scheint, ist das galeristische Foyer mit wie zum Trocknen aufgespannten Schirmen verstellt. Dass diese in diesem Kontext allerdings mehr als Werkzeuge sind, um vor dem Nasswerden zu bewahren, ist offensichtlich. Die am Flohmarkt gefundenen Schirme hier vielmehr zum Vehikel für den Transport von Botschaften werden. Um unwillkürlich an die gern mit Schirmen „bewaffneten“ für das Frauenwahlrecht kämpfenden Suffragetten von einst zu denken oder die für Demokratie stehende Regenschirm-Bewegung im Hongkong von heute.

Die in Wien lebende deutsche Künstlerin Kathrin Wojtowicz macht den Regenschirm dagegen zur faltbaren „Leinwand“, die sie bunt bemalt, nicht zuletzt, um hier platzierte Werbebotschaften auszulöschen. Ein letztlich politisch aufgeladener Ansatz, der programmatisch für das Programm von Nadja Ayoub werden soll, die Anfang des Jahres die Leitung des Schwazer Kunstorts übernommen hat. Mit dem Versprechen, hier zukünftig verstärkt die relevanten Fragen unserer Zeit mit den Mitteln der Kunst zu verhandeln.

Derzeit aus der queeren Perspektive von Kathrin Wojtowicz in ihrer Schau „Then and There“. Referierend auf die Kritik am Hier und Jetzt von José Muñoz in seinem Buch „Cruising Utopia“. Dessen theoretischen Ansatz die Künstlerin spielerisch auflöst, was diverse Assoziationen aufmacht, letztlich aber ziemlich konstruiert daherkommt. Wenn etwa Polyesterseile, die eigentlich das Innere von Rundschlingen zum Transport schwerer Lasten sind, zu von der Decke abgehängten Soft Sculptures werden. Wahrscheinlich um uns zu sagen, dass das Queere selbst im Banalsten schlummert. Auch in den 35 an eine Galeriewand projizierten Bildfragmenten, die Blicke in den Himmel genauso wie leere Gläser oder eine rote Mütze konservieren.

Höchst differenziert ist dagegen Wojtowiczs Spiel mit Spiegeln. Indem sie den im galeristischen WC fast zur Gänze schwarz zumalt. Um den/die, der/die sein/ihr Konterfei sucht, auf den Spiegel im Gang zu verweisen. Der alles andere als zufällig dreieckig wie der „Rosa Winkel“ ist, den schwule Männer in den NS-Konzentrationslagern tragen mussten.


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