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Plastikdinos in der einstigen Sehnsuchtslandschaft

Das Fotoforum widmet dem Südtiroler Fotografen Fabian Haspinger und den Aufnahmen seiner Heimat eine aktuelle Schau.

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Die sagenumwobene Fanes ist bei Haspinger ein Plastik-Vergnügungspark geworden.
© Haspinger

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck –Es sind mitunter skurrile Motive, die Fabian Haspinger auf seinen Touren durch die Fanes-Gruppe in den Dolomiten mit der Kamera festhält. Da ein Plastiksaurier, der aus einem Schneehaufen herauswächst, dort ein Picknick auf Kunstrasen in den Geröllhalden unter den Dolomitenspitzen. Mal saust eine Frau in der Sommerrodelbahn an grasenden Kühen vorbei, mal steht ein einziges eingezäuntes Auto auf der grasgrünen Bergwiese.

Autokolonnen, bunte Plastikfiguren und knallgelbe Schneekanonenorchester sind generell die Hauptfiguren in Haspingers „Im Reich der Fanes 2.0“. Das Bergpanorama als Sehnsuchtslandschaft rückt da mitunter weit in den Hintergrund. Das Innsbrucker Fotoforum hat den Südtiroler Fotografen mit seinen Arbeiten nun nach Innsbruck geladen. Eröffnet wurde die Ausstellung am Donnerstag. Bis 19. März kann man sie noch durchstöbern.

Es ist Haspingers Heimat, die er als Fotograf dokumentarisch, mit vielleicht nicht immer ganz neutralem Blick hier ablichtet. Das Fanes-Reich, das fester Teil ladinischer Sagen ist, ist in diesen Fotos allerdings einer hochtechnologisierten Bespaßungmaschinerie gewichen. Haspingers Dolomiten-Untersuchungen zeigen: Der moderne Tourismus des 21. Jahrhunderts braucht mehr als unberührte Natur. Eine Ausstellung von Haspingers Arbeiten 2021 im Naturparkhaus Fanes-Sennes-Prags überschrieb der Südtiroler nicht umsonst mit dem Titel „Die Welt ist nicht genug“.

In Innsbruck stellt Fotoforum-Leiter Rupert Larl Haspingers Serie, die zwischen 2017 und 2019 entstand, in zwei Räumen aus. Die feine Kritik des Fotografen wird auch erst beim Durchschreiten der gesamten Schau klar. Ästhetische Komponente hat die auf Effizienz und Unterhaltung getrimmte Bergwelt bei Haspinger übrigens keine mehr. Ganz anders als bei Walter Niedermayrs nüchtern-diffusen alpinen Schauplätze.

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Haspingers Dokumentaraufnahmen werden dem Betrachter vielleicht deswegen auch niemals unheimlich. Man betrachtet sie, reagiert da und dort mit Verwunderung und verbannt die Motive dann aber wieder in unbestimmte Berghöhen, fernab vom Alltag im Tal. Wirkliche Brisanz sucht man hier vergebens.


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