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Schutzschirm-Spekulation über RBI, Aktie im Sturzflug

Die stark in Russland agierende Raiffeisen Bank International treffen die Sanktionen hart, fürchtet der Wifo-Chef. Die RBI spricht von einer stabilen Lage.

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Die Sanktionen gegen Russland könnten auch die russische Tochter der Raiffeisen Bank International kräftig ins Strudeln bringen.
© RBI

Wien – Für die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) könnten sich die Russland-Sanktionen zu einem veritablen Problem auswachsen, meinte Gabriel Felbermayr auf Ö1. „Da haben wir echt ein Thema.“ Die Bilanzsumme der RBI in Russland beläuft sich auf rund 18 Mrd. Euro, das sind zwar „nur“ 9 % der gesamten RBI-Bilanzsumme von 192 Mrd. Euro. Das Kreditvolumen der RBI lag im Vorjahr in Russland bei 11,6 Milliarden Euro. Allerdings spülte die Russland-Tochter im Vorjahr 474 Mio. Euro Nettogewinn in die Konzernkasse. Damit machte Russland ein Drittel des gesamten RBI-Konzerngewinns aus.

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Wifo-Chef Felbermayr brachte angesichts der scharfen Russland-Sanktionen einen möglichen Rettungsschirm für die RBI auf den Tisch. „Da wird man jetzt einen Schutzschirm spannen müssen, damit das nicht zu echten Problemen bei der RBI führt“, sagte Felbermayr gestern. Wenige Stunden später ruderte er zurück: „Ob die RBI einen Rettungsschirm braucht, das muss man sehen“, so Felbermayr. Es gebe aber „keine unmittelbare und akute Notwendigkeit“ dafür, meinte er.

Als Reaktion auf die Aussagen des Wifo-Chefs ritt Bankchef Johann Strobl gestern aus, um die stabile Lage der russischen Banktochter zu betonen. „Unsere russische Tochterbank verfügt über eine sehr starke Liquiditätsausstattung und verzeichnet Zuflüsse. Die Kapitalposition ist ebenfalls stark“, erklärte Strobl in einer Stellungnahme. Eine abschließende Einschätzung zu der Lage in den Ländern könne derzeit nicht gegeben werden, da die Sanktionen „fast täglich“ ausgeweitet würden, so die Bank. „Sie sind hart und in ihren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft weitreichend. Die Auswirkungen auf die RBI-Gruppe werden analysiert.“ Die russischen Kunden hätten Vertrauen in die Bank, die Mitarbeiter würden die wichtigsten Bankdienstleistungen aufrechterhalten, so Strobl weiter: „Dienstleistungen werden unter der Voraussetzung angeboten, dass keine Gefahr für die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden besteht.“

Auch das Finanzministerium sieht in der RBI eine „sehr gut aufgestellte Bank mit einem exzellenten Management, die gut vorbereitet auf alle Eventualitäten ist“, hieß es aus dem Ministerium zur Nachrichtenagentur Reuters. „Die RBI und andere österreichische Banken machen seit Jahrzehnten Geschäfte in dieser Region und können mit dem Risiko gut umgehen.“ Generell seien die heimischen Institute gut aufgestellt und die Lehren aus der Finanzkrise gezogen worden.

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Die Folgen der Sanktionen und Turbulenzen in Russland für die RBI ließen sich gestern auch am Aktienkurs ablesen. Die RBI-Aktie stürzte um weitere knapp 17 Prozent ab. In den letzten zwei Wochen ist der Aktienkurs somit insgesamt um mehr als 40 Prozent eingebrochen.

Der österreichische Bankensektor gehört zudem zu den drei EU-Bankensektoren mit den ausgeprägtesten finanziellen Verflechtungen mit Russland. Entsprechend verloren am Wiener Aktienmarkt gestern auch die Erste Group (rund zehn Prozent) und die Bawag (rund viereinhalb Prozent). Auch außerhalb Österreichs litten Banken unter dem beschlossenen Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift und den Sanktionen gegen die russische Zentralbank. Die Aktien der Deutschen Bank gaben um gut 6,5 Prozent nach, jene der ING Group verloren rund 9 Prozent und jene der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit büßten rund 11 Prozent ein. Die UniCredit zählt zu den europäischen Banken mit den größten Engagements in Russland. Die Bank erzielt dort allerdings nur rund drei Prozent ihrer Erträge. (mas, APA)


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