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Neutralität: Der militärische Unterschied zu Schweden und Schweiz

Die Armeen der Schweiz und Schweden sind nicht nur deutlich besser ausgerüstet als das österreichische Bundesheer, sie investieren auch mehr in die Verteidigung am Land und in der Luft.

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Die Schweiz 130 Kampfpanzer, 500 Schützenpanzer und 30 Boeing Kampfjets F/A-18 Hornet.
© APA/Flueeler

Wien – In der Debatte um Österreichs Neutralität und bei Vergleichen zu neutralen beziehungsweise bündnisfreien Ländern wie Schweiz und Schweden muss auch ein genauer Blick auf die Landesverteidigung geworfen werden. Die Armeen der Schweiz und Schweden sind nicht nur deutlich besser ausgerüstet als das österreichische Bundesheer, sie investieren auch mehr in die Verteidigung am Land und in der Luft.

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So hat die Schweiz 130 Kampfpanzer, 500 Schützenpanzer und 30 Boeing Kampfjets F/A-18 Hornet. Die Eidgenossen stehen aktuell davor, 34 hochmoderne Lockheed-Martin F-35 zu kaufen. Die Schweiz verfügt auch über effektive Flugabwehr, darunter 96 Fliegerabwehrlenkwaffen Stinger, wie sie derzeit auch von der Ukraine gegen Russland eingesetzt werden und 27 Feuereinheiten Mittlere Fliegerabwehr. Die Schweden haben 120 Kampfpanzer, 509 Schützenpanzer sowie knapp 100 Saab-Gripen Kampfjets, dazu noch einiges an Marine. Ab Ende 2022 oder Anfang 2023 kommen 60 neu gebaute JAS-39E "Super Gripen".

Österreich verfügt dagegen lediglich über 50 Kampfpanzer, 112 Schützenpanzer und 15 Eurofighter, denen die Nachtsichtfähigkeit und der Selbstschutz fehlen. Seit dem Ausscheiden der Saab-105 müssen die Eurofighter mit zu wenigen Piloten alle Last der Luftraumüberwachung allein tragen. Die Fliegerabwehr hat nur eine Einheit an 35-mm-Kanonen und leichte Fliegerabwehrraketen des Auslaufmodells Mistral.

Diese riesigen Unterschiede sind leicht mit den Militärausgaben erklärbar: Das österreichische Bundesheer ist seit Jahrzehnten unterfinanziert. Das Budget liegt aktuell bei 2,7 Mrd. Euro, was 0,62 Prozent des BIP (2022) entspricht. Die Militärausgaben der Schweiz sind in den vergangenen Jahren gesunken, aber von einem viel höheren Niveau aus und werden jetzt wieder steigen. Es wird derzeit eine Anhebung von fünf auf 7 Mrd. Franken (4,97 bis 6,96 Mrd. Euro) diskutiert, die F-35 sollen aus dem aufgestockten Armeehaushalt bedeckt werden können. Die Schweden haben ihre Militärausgaben in den letzten Jahren dagegen kräftig erhöht, weil sie Russland aufgrund der geografischen Nähe schon länger als reale Bedrohung empfinden. Die Ausgaben lagen 2020 bei 6,5 Mrd. Euro und sind heuer auf 8 Mrd. Euro angestiegen, das entspricht 1,45 Prozent des BIP.

Gemessen an der Bevölkerungsgröße sind Österreich (8,9 Mio.), Schweden (10,3) und die Schweiz (8,7) relativ ähnlich. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt in Österreich 42.000 Euro, in Schweden sind es 40.700 und in der Schweiz mit 51.600 Euro spürbar mehr. Flächenmäßig gibt es auch deutliche Unterschiede: Österreich hat eine Fläche von 83.879 Quadratkilometer, die Schweiz (41.285) ist nur halb so groß und Schweden (450.000) fünf Mal so groß.

Alle drei Armeen sind Wehrpflichtarmeen, wobei in der Schweiz die Milizkomponente eine zentrale Rolle spielt. Die Schweizer Armee rekrutiert sich fast ausschließlich aus der Bevölkerung. Männliche Staatsbürger werden nach ihrer Grundausbildung bis zum 35. Lebensjahr immer wieder zum Heer einberufen und müssen auch regelmäßig Schießübungen machen. Die Eidgenossen haben aktuell einen Effektivbestand von 147.000 Soldaten. Das österreichische Bundesheer verfügt dagegen über 21.000 Bedienstete, 8.000 davon Zivilisten sowie 16.000 Grundwehrdiener im Jahr und rund 25.000 Milizsoldaten.

Schweden hat 2010 die Wehrpflicht für Männer abgeschafft und sie 2017 für Männer und Frauen wieder eingeführt. Das skandinavische Land hat 14.000 Berufssoldaten und eine Heimwehr mit rund 40.000 Mann. Das sind Freiwillige, die vier bis acht Tage im Jahr einberufen werden. Diese Heimwehr ist eine Mischung aus Militär und Zivildienst. Sie wird nur im Inland eingesetzt, etwa bei Katastrophen, aber auch beim Roten Kreuz. Die Streitkräfte sollen bis 2030 von derzeit 55.000 auf 90.000 Stellen wachsen. (APA)


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