Entgeltliche Einschaltung

Tiroler Caritas-Direktorin: „Es braucht vor allem Wohnraum für Kriegsflüchtlinge“

Schüler verkaufen Kuchen, Therapeuten und Dolmetscher bieten ihre Dienste an, viele spenden: Der Ukraine-Krieg löst in Tirol eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

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Diese Mutter flieht mit ihrem Kind aus einer zerstörten Stadt nahe Kiew. Frauen sind im Krieg besonders verletzlich.
© AFP

Von Benedikt Mair

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Innsbruck – Sonntagfrüh um acht Uhr greift Elisabeth Rathgeb zum Telefonhörer. Sie ruft eine Frau an, die angeboten hat, Flüchtlinge aus der Ukraine bei sich daheim aufzunehmen. „Wenig später sind dort eine Hochschwangere und ihr kleiner Sohn eingezogen“, erzählt die Direktorin der Tiroler Caritas. Diese spontan auf die Beine gestellte Aktion stehe exemplarisch für die riesige Welle der Hilfsbereitschaft, welche der Krieg hierzulande ausgelöst habe, sagt Rathgeb. Und hofft, dass diese noch lange anhält. „Es wird einen langen Atem brauchen, weil wir nicht wissen, wie sich die Situation vor Ort weiterentwickelt und was noch alles auf uns zukommt.“

Bisher haben laut Innenminister Gerhard Karner 45.000 Menschen aus der Ukraine die Grenze zu Österreich überschritten. „Davon geben 75 bis 80 Prozent an, weiterreisen zu wollen“, sagt er gestern bei einer Pressekonferenz in Wien. Diese Zahlen kennt auch Elisabeth Rathgeb, glaubt aber, „darauf vorbereitet sein zu müssen, dass sich das bald ändert. Irgendwann werden die Aufnahmekapazitäten in Ländern wie Polen erschöpft sein.“ Für diesen Moment trifft die Caritas derzeit Vorbereitungen.

„Es braucht vor allem Wohnraum“, meint Rathgeb. Zirka 50 Angebote von Privatpersonen, die „eine Garconniere, eine Unterkunft für eine Frau mit drei Kindern oder sogar einen ganzen Bauernhof zur Verfügung stellen können und wollen“, seien bereits eingegangen und an die zuständigen Stellen beim Land, welche die Zuteilung koordiniert, weitergeleitet worden. „Aber wir bitten weiter darum, dass sich all jene mit freien Wohnungen melden.“

Spenden und Hilfe für die Ukraine (Auswahl)

▶️ CARITAS

www.caritas.at/ukraine

IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560

BIC: GIBAATWWXXX

Kennwort: Ukraine Soforthilfe

▶️ „NACHBAR IN NOT“

Spendenzweck: NACHBAR IN NOT: Hilfe für die Ukraine

IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003

BIC: GIBAATWWXXX

Spenden können auch per SMS abgewickelt werden. Senden Sie dazu eine SMS mit Ihrem Spendenbetrag zwischen 1 und 50 Euro an +43 664 660 44 66.

Das Rote Kreuz hat auch eine Online-Spendenmaske eingerichtet.

▶️ „NETZWERK TIROL HILFT“

„Netzwerk Tirol hilft“ – Spenden für hilfsbedürftige UkrainerInnen in Tirol

Bankverbindung: Hypo Tirol

Bankkonto: Netzwerk Tirol hilft

IBAN: AT86 5700 0300 5320 1854

BIC: HYPTAT22

Kennwort: Ukraine

▶️ UNTERKÜNFTE

Bei der Flüchtlingsunterbringung wickelt der Bund die Akutversorgung ab. In weiterer Folge stimmen sich Bund und Bundesländer hinsichtlich Unterkunftsmöglichkeiten eng ab.

Personen, Institutionen oder Gemeinden in Tirol, die Unterkunftsmöglichkeiten für Kriegsflüchtlinge anbieten können und wollen, sollen sich an die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU) oder an das Land Tirol wenden.

📧 nachbarschaftsquartier@bbu.gv.at

📧 unterkunft.ukraine@tirol.gv.at

Alle Einmeldungen werden dort geprüft und beantwortet.

Hinweis: Quartiere bis 150 Betten sind an das Land Tirol, Quartiere über 150 Betten an die BBU zu melden!

Auch Spenden werden dringend benötigt. „Vor allem Geld, damit gezielt das eingekauft und bereitgestellt werden kann, was gebraucht wird.“ Die Caritas-Direktorin weiß von einer Schulkindern, die in der Pause selbstgebackenen Kuchen verkauft und die Einnahmen zur Verfügung gestellt haben. Dabei sei „eine beachtliche Summe zusammengekommen“. Die Caritas selbst hat beschlossen, 100.000 Euro aus der diesjährigen Haussammlung, die ansonsten ausschließlich Notleidenden im Land zugutekommt, für die Folgen des Ukraine-Krieges bereitzustellen.

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„Es haben sich bei uns Leute gemeldet, die ihre Dolmetscherdienste angeboten haben, und Psychotherapeuten, die bereit sind, Traumatisierte zu behandeln.“ Rathgeb ist von diesem humanitären Geist „gerührt. Die Hilfsbereitschaft in Tirol ist überwältigen. Und, wie ich glaube, ein Ventil für die eigene Ohnmacht“, die durch Bilder von Zerstörung und Leid ausgelöst werde.

Besonders verwundbar seien in den Wirren des Krieges Frauen und Kinder, wie mehrere Hilfsorganisationen anlässlich des heutigen internationalen Frauentages aufmerksam machen. Über 23 Millionen Ukrainerinnen sind aktuell betroffen. Und selbst wenn sie die riskante Flucht geschafft haben, warten Gefahren – etwa Opfer von „sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu werden“, sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. Maria Loheide, Vorständin der Diakonie Deutschland, mahnt, dass alle Frauen und Kinder, die in Europa Schutz suchen, „schnelle und unkomplizierte Hilfe“ brauchen. Dazu gehörten neben Wohnraum auch medizinische Versorgung und Informationen über ihre Rechte.

Hunderte Plätze in Tirol angeboten

Das Land Tirol bereitet sich in den nächsten Tagen auf die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen aus der Ukraine vor. Dazu hat es gestern Abstimmungsgespräche sowohl mit den Vertretern der in Tirol ansässigen Klostergemeinschaften und Bischof Hermann Glettler gegeben als auch mit den Sozialpartnern. Dabei hat Landeshauptmann Günther Platter gebeten, dass Klöster und Pfarren das Land unterstützen und alle vorhandenen Plätze zur Verfügung stellen. Das Land wird ebenfalls alle Möglichkeiten für Unterkünfte ausschöpfen.

Aus der Bevölkerung wurden der Landesregierung mittlerweile Hunderte Unterkünfte angeboten, heute will Platter gemeinsam mit Bischof Glettler die weitere Vorgangsweise präsentieren. Man sei überwältigt von der Solidarität der Zivilgesellschaft.

Die Diözese hat der Flüchtlingsgesellschaft Tiroler Soziale Dienste ebenfalls bereits fünf Domizile angeboten, vorrangig geht es dabei um größere Quartiere, wo Menschen gut versorgt und Kinder längerfristig betreut werden können.

Bei den kirchlichen Quartieren handelt es sich um das Kapuzinerkloster in Imst, das ehemalige Franziskanerkloster in Reutte sowie das Franziskanerkloster in Innsbruck. Die Häuser stehen vorläufig leer und können genützt werden. Ebenso sind die Barmherzigen Schwestern in Innsbruck bereit, das mittlerweile aufgelassene Bildungshaus „Haus Marillac“ als Quartier anzubieten.

Auch das ehemalige Benediktiner-Stift Fiecht, das sich seit drei Jahren im Eigentum von Christoph Swarovski befindet, wird als Unterbringung für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. (pn)


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