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Kreml-Kritiker Chodorkowski: Putin kann Krieg nicht lange fortführen

Wenn Putin in der Ukraine keine Atomwaffen einsetzen wolle – was nur schwer vorstellbar sei – werde er wohl Verhandlungen mit Selenskyj aufnehmen müssen, sagt Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski.

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Michail Chodorkowski lebt nach jahrelanger Haft nun im britischen Exil.
© imago

Wien, Kiew, Moskau – Der nach jahrelanger Inhaftierung im britischen Exil lebende, russische Regimekritiker Michail Chodorkowski glaubt nicht, das Präsident Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine lange wird fortsetzen können. "Ich glaube Putin wird in ein paar Wochen verstehen, dass seine Armee in einem Gebiet mit feindlicher Bevölkerung nicht versorgt werden kann." Putin werde auch nicht gegen ukrainische Städte vorgehen können, sagte Chodorkowski Montagabend in der "ZiB2" des ORF-Fernsehens.

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Daher werde der Machthaber mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Verhandlungen aufnehmen müssen – "aber aus einer schwachen Position heraus. Eine Alternative wäre, taktische Atomwaffen in der Ukraine einzusetzen, aber das wäre Selbstmord." Er könne sich ein Kernwaffenszenario daher "nur schwer vorstellen", so der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos. Putin sei "ein besessener Mensch und nicht ganz berechenbar, aber er ist kein Selbstmörder".

📽️ Video | Kreml-Kritiker Chodorkowski zu Putins Position

Putin als Opfer der eigenen Propaganda

Aus Sicht Chodorkowskis hat der Kreml-Chef in seiner Ukraine-Politik drei große Fehler gemacht: Putin habe den sehr ernsten, militärischen Widerstand der Ukraine unterschätzt. Er habe die eigene Armee überschätzt. Zudem werde die Propaganda von Russland als "Befreier vor einer Kiewer Junta", die sich Putin selbst ausgedacht habe und auch selbst glaube, bei den Russen zerbrechen, wenn Russen und Ukrainer gegeneinander kämpften.

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Zugleich seien die russischen Truppen in der Ukraine die gleichen, die in Russland Proteste niederschlagen: Je mehr Truppen Putin in die Ukraine schicke, desto schwieriger werde es, Proteste in Russland zu unterdrücken. Putin habe nicht genügend Soldaten für beides zur Verfügung. "Und die Proteste (in Russland) werden zunehmen, sobald die Menschen die Sanktionen in der eigenen Geldbörse spüren und sobald Putin den Tod von Soldaten nicht mehr vertuschen kann; und diese Möglichkeit verliert er bereits." Chodorkowski, der seinen Aufruf zu Anti-Regierungs-Protesten in Russland erneuerte, bezweifelte zugleich die Loyalität der russischen Streitkräfte gegenüber dem Präsidenten.

Nur drohender Machtverlust könne Putin aufhalten

Dass Druck und Distanzierung von Oligarchen, Putin von seinem Kriegskurs abbringen könnten, glaubt Chodorkowski nicht. Dies mache auf ihn "überhaupt keinen Eindruck". "Ich glaube wir haben es hier mit einem voll ausgebildeten, totalitären Regime zu tun (...) Niemand in Putins innerer Umgebung, hat so viel Einfluss, um ihn zu stoppen." Putin müsse gesagt werden, dass er seine Macht verliere, wenn der Krieg in der Ukraine "steckengeblieben" ist.

Der Kreml-Kritiker und einstige Oligarch Chodorkowski war lange Zeit Russlands bekanntester Häftling. Er saß von 2003 bis 2013 in Haft. Seine Anhänger sagten, der Prozess gegen Chodorkowski sei geführt worden, weil er politische Ambitionen hatte und Putin bei Präsidentenwahlen herausfordern wollte. Vor seiner Verhaftung hatte Chodorkowski als Chef des später zerschlagenen Ölkonzerns Yukos Putin aus nächster Nähe kennengelernt. (APA)


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