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Corona-Pandemie sorgte auch für Rückfall in klassische Geschlechterrollen

Die Arbeitslosenzahlen sinken, die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus laufen aus. Dennoch bedeutet das noch keine Rückkehr zur Normalität. Beispielsweise für Frauen, die mit einem Rückfall in klassische Rollenbilder kämpfen und schwerer in den Arbeitsmarkt zurückfinden.

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Haushalt und Kinder sind während der Corona-Krise noch mehr auf die Frauen zurückgefallen, die auch häufiger im Homeoffice arbeiten.
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Wien – Obwohl die Arbeitslosenzahlen im Sinken begriffen sind und die Corona-Maßnahmen erst vor Kurzem weiter gelockert worden sind, hat die Pandemie weiterhin Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – besonders für Frauen. Sie haben Probleme, wieder in die Arbeitswelt einzusteigen, sagte Arbeiterkammer-Wien-Expertin Silvia Hofbauer. Sie beobachtet einen Rückfall in klassische Geschlechterrollen.

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Auf 376.861 Arbeitslose und Personen in Schulungen kommt das AMS im Februar. 161.405 von ihnen sind Frauen, 215.456 Männer. Genau ein Jahr zuvor – im Februar 2021 – waren noch 508.923 Menschen arbeitslos oder in Schulungen; die Kurve zeigt also nach unten. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei aber nach wie vor hoch, erklärte Hofbauer.

Im Februar 2022 waren 46.766 Frauen und 58.883 Männer langzeitarbeitslos oder – beschäftigungslos, also bereits seht mehr als einem Jahr ohne Job. Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit berücksichtigt auch Schulungen und lässt kurze Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit zu. Der Anteil an Langzeitarbeitslosen oder – beschäftigungslosen unter den arbeitslosen Frauen beträgt laut AMS im Februar 2022 38,2 Prozent und ist damit höher als bei den Männern mit 32,7 Prozent. Die Mehrheit der langzeitarbeitslosen Frauen (53,5 Prozent) haben seit über einem Jahr bis zu zwei Jahren keinen Job – ein Zeitraum, der von der Pandemie abgedeckt wird –, bei den Männern ist die Mehrheit (56,8 Prozent) bereits länger als zwei Jahre arbeitslos.

Haushalt und Kinder landeten oft vermehrt bei Frauen

Hofbauer spricht von einem "Rückschritt in alte Verhaltensmuster". So seien Frauen bereits vor der Pandemie diejenigen gewesen, die ihre Arbeitszeit für die Kinderbetreuung reduzierten und in Karenz gingen. Haushalt und Kinder seien während der Corona-Krise noch mehr auf die Frauen zurückgefallen, die auch häufiger im Homeoffice arbeiteten. War die Kinderbetreuung nicht klar geregelt, weil Schulen und Kindergärten unvorhergesehen schlossen, konnten Frauen ihre Beschäftigungen nicht wieder aufnehmen oder sich eine Beschäftigung suchen. "Auch von außen wird das zur Aufgabe der Frauen gemacht", berichtete Hofbauer. Kindergarten und Schulen hätten sich an Mütter anstatt an Vater gewandt.

Bei Branchen wie Gastronomie und Tourismus – in denen überwiegend Frauen arbeiten – gebe es derzeit große regionale Unterschiede, so die AK-Expertin. Während viele Hotels nach Arbeitskräften suchen würden, habe die Stadthotellerie in Wien weiterhin große Probleme. Diese Diese Situation werde sich durch den Krieg in der Ukraine weiter verschlechtern.

Kinderbetreuung vor allem am Land nicht optimal

Die Pandemie würde Themen, die für Frauen immer schon schwierig waren, noch problematischer machen, drückte es Hofbauer aus. Frauen mit Kindern würden unter der vor allem in ländlichen Gegenden nicht optimalen Kinderbetreuungssituation leiden. Sie seien weniger flexibel und könnten beispielsweise nicht einfach ein halbes Jahr lang in einem von ihrem Wohnort weit entfernten Hotel arbeiten. Auch hätte nicht jede Familie zwei Autos, somit wird im ländlichen Raum auch die Mobilität beim Wiedereinstieg zum Problem.

Der Rückfall in alte Geschlechterrollen sei bis heute spürbar, erklärte Hofbauer, es würde noch "einiges an Unterstützungsarbeit für die Frauen brauchen." Die Gesellschaft müsse erkennen, dass es schwierig sei, in der Arbeitswelt Anschluss zu finden, wenn man lange zuhause geblieben ist oder in geringer Teilzeit gearbeitet hat. Hofbauer spricht hier von einem "Weg in die Altersarmut". Sie plädierte für einen Ausbau der Kinderbetreuung, Ausbildungsgeld und Motivation für Mädchen, weniger gängige und besser bezahlte Berufe zu ergreifen.

Mit Ausbildungsprogrammen und der Corona-Joboffensive habe man bereits während der Krise versucht, den negativen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuarbeiten. "Damit darf man aber auch jetzt nicht aufhören, diese Perspektiven muss es weiterhin geben", sagte Hofbauer. Die Angebote müssten so gestaltet werden, dass sie auch für Frauen zugänglich sind. (APA)


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