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Kampfflugzeuge für die Ukraine: Ein äußerst heikles Unterfangen

Die Ukraine bittet um Unterstützung in Form von Kampfflugzeugen. Niemand will jedoch von Russland als Kriegspartei eingestuft werden.

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Ein MiG-29 der Bulgarian Air Force MiG-29 bei der Landung in Plovdiv.
© NIKOLAY DOYCHINOV

Von Daphne Benoit, AFP

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Kiew, Moskau, Paris – Die Ukraine bittet den Westen seit Beginn des Krieges um Kampfflugzeuge, um sich gegen russische Luftangriffe verteidigen zu können. "Wenn Sie uns nicht wenigstens Flugzeuge liefern, damit wir uns schützen können, dann wollen Sie auch, dass wir einen langsamen Tod sterben", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem seiner emotionalen Appelle an die westliche Welt.

Auch am Dienstag beklagte er sich bitter darüber, dass der Westen seine "Versprechen" nicht einhalte und keine Kampfflugzeuge liefere. Mehrere westliche Politiker haben zwar bereits Bereitschaft zur Lieferung von Kampfjets erkennen lassen. In der Praxis ist dies jedoch ein sehr heikles Unterfangen, weil kein Land das Risiko eingehen will, von Russland als Kriegspartei eingestuft zu werden.

Welche Flugzeuge hat die Ukraine?

Die ukrainische Luftwaffe verfügt nach Informationen des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) ausschließlich über alte sowjetische Jagdflugzeuge vom Typ MiG-29 et Suchoi-27 zur Luftverteidigung und zur Unterstützung eigener Kräfte am Boden sowie über Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi-25. Ukrainische Piloten sind lediglich für diese Typen von Flugzeugen ausgebildet. Wie viele der ukrainischen Flugzeuge bei den russischen Angriffen bereits zerstört wurden, ist unklar.

Welche Länder könnten liefern?

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Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte Ende Februar erwogen, dass EU-Staaten, die über entsprechende Flugzeuge verfügen, sie in die Ukraine liefern könnten. Nach IISS-Informationen besitzen nur wenige Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes sowjetische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 - die Slowakei (14), Bulgarien (11) und Polen (28). Polen hat die Maschinen zu Beginn der 2000er Jahre für die symbolische Summe von einem Euro von Deutschland bekommen.

Wie weit sind die Vorbereitungen?

US-Außenminister Antony Blinken hatte bei einem Besuch in Moldau vor wenigen Tagen bestätigt, dass die USA mit Polen über eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine verhandelten. Dabei prüfe Washington, wie es die Lücke füllen könne, "sollte Polen sich entschließen, diese Flugzeuge zu liefern". Einen Zeitplan nannte er nicht.

Mehrere US-Medien hatten zuvor unter Berufung auf Regierungsvertreter in Washington berichtet, dass die USA das Land mit F-16-Kampfjets aus US-Produktion beliefern könnten, wenn Polen wiederum Kampfflugzeuge an die Ukraine abgeben sollte.

Welche Risiken bestehen?

Bisher sind sich die Verbündeten einig, dass ukrainische Piloten die Kampfflugzeuge fliegen sollten. Ziel sei es, "den Krieg zu beenden, ohne selbst zur Konfliktpartei zu werden", betonte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian mahnt zu größtmöglicher Diskretion. "In dieser Situation ist es geboten, dass jedes Land sich sehr bedeckt hält, welches Material es an die Ukraine liefert", betonte er.

Die ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts zögern aus doppeltem Grund. Zum einen wollen sie ihre eigenen Streitkräfte nicht schwächen, während im Nachbarland Krieg herrscht. Zum anderen sorgen sie sich, von Russland als Kriegspartei eingestuft zu werden.

"Polen wird weder Kampfflugzeuge in die Ukraine schicken, noch die Nutzung seiner Flughäfen erlauben", schrieb der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki am Sonntag auf Twitter. Polen leiste an anderer Stelle seinen Beitrag.

Welche logistischen Probleme gibt es?

Ein französischer Kampfpilot, der anonym bleiben möchte, weist auf ein weiteres Problem hin: "Um ein Flugzeug zu liefern, muss man es in das betreffende Land fliegen, und das könnte als Beteiligung am Konflikt interpretiert werden", sagte er. Ein Transport auf dem Landweg sei möglich, aber logistisch sehr aufwendig, zumal viele Brücken in der Ukraine zerstört seien.

Wichtig ist auch der Zustand der Militärflughäfen in der Ukraine und die ukrainische Fähigkeit, die Maschinen zu warten. Gegen mehrere Flughäfen gab es bereits russische Angriffe. Am Sonntag hatten russische Raketen den Flughafen der Stadt Winnyzja rund 200 Kilometer südwestlich von Kiew komplett zerstört.

Das russische Verteidigungsministerium richtete bereits eine scharfe Warnung an die westlichen Nachbarstaaten der Ukraine, ukrainische Kampfflugzeuge zu beherbergen. "Die Nutzung des Flugplatznetzes dieser Länder als Basis für ukrainische Militärflugzeuge und deren anschließender Einsatz gegen die russischen Streitkräfte könnte als Verwicklung dieser Länder in den bewaffneten Konflikt angesehen werden", warnte das russische Verteidigungsministerium auch mit Blick auf Rumänien. (APA/AFP)


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