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Patriarch Kyrill verspielt rund um Krieg in Ukraine letzte Glaubwürdigkeit

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Polizei vor dem Roten Platz in Moskau.
© KIRILL KUDRYAVTSEV

Salzburg, Kiew, Moskau – Der Salzburger Ostkirchenexperte Dietmar Winkler sieht den Moskauer Patriarchen Kyrill im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor dem Verlust des "letzten Funken Glaubwürdigkeit". Weltweit hätten andere orthodoxe Kirchen zum Frieden aufgerufen und den Angriff Russlands verurteilt, betonte Winkler laut Kathpress im Salzburg "Rupertusblatt". Auf Präsident Wladimir Putin hätte eine Verurteilung des Krieges durch Kyrill wohl keine Wirkung, auf die Bevölkerung aber schon.

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"Zwischen den Menschen hätte ein Statement Auswirkungen", sagte Winkler mit Blick auf die Rolle der Kirche als moralische Instanz. Deutliche Worte des Patriarchen würden sehr wohl die russische Öffentlichkeit erreichen. Gegen die Haltung Kyrills hatten auch einzelne Bischöfe des Moskauer Patriarchat protestiert. Sie sprachen bei Gottesdiensten keine Fürbitten mehr für ihn, was innerorthodox eine besonders schwere Sanktion ist.

Staat und Kirche in Russland stark verbunden

Kyrill hat sich bisher nicht direkt zum Krieg geäußert, sondern nur mit kryptischen Aussagen über einen "metaphysischen Kampf", sich "auf der Seite des Lichts zu positionieren", die als Rechtfertigung der militärischen Aggression gelesen werden können. Warum sich Kyrill so verhält, ist laut Winkler schwer zu beurteilen. "Vielleicht ist er angehalten, sich in der Öffentlichkeit nicht zu äußern. Grundsätzlich stimmt er wohl mit Putin überein, dass die Ukraine zu Russland gehört", sagte der Experte. Er verwies diesbezüglich auch auf die engen Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Russland. Die russische Orthodoxie nenne es eine "Symphonie von Staat und Kirche".

Seit Kyrill 2008 Patriarch wurde, gebe es eine enge Beziehung zur politischen Führung. "Der Staat instrumentalisiert die Kirche. Sie lässt das zu", so Winkler. Ein Vorteil für Kirchen und Klöster war und ist, "dass sie durch finanzielle Zuwendungen einen Aufschwung erfuhren".

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Ukrainer wollen Abspaltung der Kirche

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs sprechen sich unterdessen laut einer Umfrage 63 Prozent der Ukrainer für eine Trennung der Ukrainisch-orthodoxen Kirche vom Moskauer Patriarchat aus. Wie das Meinungsforschungsinstitut Rating am Donnerstag in Kiew mitteilte, befürworten auch 52 Prozent der Gläubigen dieser Kirche, die dem Moskauer Patriarchen Kyrill untersteht, einen solchen Bruch; 13 Prozent von ihnen seien dagegen. Das Institut befragte nach eigenen Angaben am 8. und 9. März 1.200 Erwachsene in allen ukrainischen Bezirken mit Ausnahme des Donbasses und der Krim. (APA)


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