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Moskau: Pro-russische Rebellen nahmen Wolnowacha ein

Das russische Militär weitete seine Luftangriffe in der Ukraine aus und nahm auch den westlichen Teil des Landes unter Beschuss. Die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk kündigte neue Fluchtrouten zur Evakuierung von Zivilisten aus umkämpften Gebieten an.

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Der ukrainische Rettungsdienst meldete Angriffe auf zivile Ziele in der zentralen Stadt Dnipro mit mindestens einem Toten.
© APA/AFP/State Emergency Service of Ukraine

Wolnowacha – Pro-russische Separatisten haben am Freitag im Osten der Ukraine nach Militärangaben aus Moskau die Stadt Wolnowacha unter ihre Kontrolle gebracht. Das russische Militär weitete seine Luftangriffe in der Ukraine aus und nahm auch den westlichen Teil des Landes unter Beschuss. Der russische Krieg gegen die Ukraine soll nach Angaben aus Kiew bereits Schäden von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro verursacht haben.

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Eine Bestätigung für die Einnahme von Wolnowacha seitens der Ukraine gab es zunächst nicht. Wolnowacha war nach russischen Angaben seit dem 28. Februar eingekesselt. Die Truppen der "Volksrepublik Donezk" hätten die Stadt und vier weitere Ortschaften eingenommen und seien insgesamt sechs Kilometer weit in ukrainisches Gebiet vorgedrungen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau. Die russische Armee habe ihre Angriffe ebenfalls fortgesetzt - und sei um weitere 17 Kilometer vorgedrungen.

Zudem seien die Luftwaffenstützpunkte in der westukrainischen Gebietshauptstadt Iwano-Frankiwsk und in Luzk im Nordwesten des Landes mit Hochpräzisionswaffen außer Gefecht gesetzt worden, sagte der Sprecher. Insgesamt seien bis dato mehr als 3000 Objekte der militärischen Infrastruktur in der Ukraine vernichtet worden, hieß es.

Der ukrainische Rettungsdienst meldete Angriffe auf zivile Ziele in der zentralen Stadt Dnipro mit mindestens einem Toten. Die Angriffe dort hätten sich in der Nähe eines Kindergartens und eines Wohngebäudes ereignet.

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Charkiw binnen eines Tages 89 Mal bombardiert

In Charkiw im Osten wurde ein psychiatrisches Krankenhaus beschossen. Dabei kamen laut Rettungskräften keine Menschen zu Schaden. Die Patienten seien zuvor im Keller des Gebäudes in Sicherheit gebracht worden. Laut Bürgermeister Ihor Terechow liegt Charkiw derzeit unter ständigem Beschuss. 48 Schulen der Stadt seien zerstört worden, sagt er in einem TV-Interview. Laut dem Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synegubow, wurde Charkiw binnen eines Tages 89 Mal bombardiert. Von einem in der Nacht mittlerweile zum zweiten Mal im Krieg getroffenen Institut mit einem Atomlabor gehe keine Gefahr aus, sagte Synegubow.

Generalmajor Konanschenkow sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge auch, dass der Ring um die belagerte Hafenstadt Mariupol von den Donezker Truppen weiter zugezogen werde. Bereits am Donnerstag hatte Konaschenkow gesagt, dass mehrere Stadtteile von Mariupol eingenommen worden seien.

Neue Fluchtrouten zur Evakuierung von Zivilisten

Die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk kündigte neue Fluchtrouten zur Evakuierung von Zivilisten aus umkämpften Gebieten an. Zur seit Tagen belagerten Hafenstadt Mariupol im Gebiet Donezk sagte sie am Freitag: "Wir warten und hoffen, dass heute diese Route funktioniert." Lastkraftwagen mit Hilfsgütern und leeren Bussen seien aus Saporischschja Richtung Mariupol unterwegs.

Im Donezker Gebiet soll ebenfalls ein Versuch unternommen werden, Menschen aus Wolnowacha nach Pokrowsk zu bringen. Im Gebiet Charkiw werde es erneut einen Korridor zwischen der umkämpften Kleinstadt Isjum und Losowa geben. Im Gebiet Saporischschja soll es zwei Routen aus Polohy und Enerhodar in die Gebietshauptstadt geben. Nördlich von Kiew sei geplant, Menschen aus vier Orten Richtung Kiew zu bringen. Aus drei Ortschaften im nordwestlichen Kiewer Gebiet sollen Busse Flüchtlinge nach Westen in die Großstadt Schytomyr bringen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den international verurteilten Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar begonnen. Nach Darstellung von Putin handelt es sich um eine "militärische Spezial-Operation", um die russischsprachige Bevölkerung zu schützen und Gefahren für die eigene Sicherheit abzuwenden. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte am Freitag mit, mit dem gestrigen Donnerstag (10. März) gebe es in der Ukraine mehr Kriegsopfer unter Zivilisten als unter Soldaten und sonstigen Militärangehörigen.

Selenskyj: Rund 100.000 Menschen in Sicherheit gebracht

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge sind in der Ukraine binnen zwei Tagen etwa 100.000 Menschen aus umkämpften Städten in Sicherheit gebracht worden. Allein am Donnerstag sei fast 40.000 Menschen die Flucht aus insgesamt fünf Städten des Landes gelungen. Mehr als 954.000 Menschen in der Ukraine sind wegen der russischen Invasion gegenwärtig ohne Stromversorgung. Das teilt der staatliche Energieversorger ENERGOATOM mit. Fast 228.000 Verbraucher seien von der Gasversorgung abgeschnitten.

Seit Kriegsbeginn sind nach Angaben der UNO mehr als 2,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Damit seien seit dem letzten Bericht vom Donnerstag rund 200.000 weitere Flüchtlinge hinzugekommen, teilt die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Die meisten Menschen, 1,5 Millionen, sind nach Polen geflohen. Innerhalb der Ukraine seien zudem mindestens 1,85 Millionen Menschen auf der Flucht, teilt das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit.

Kiew: Kriegsschäden übersteigen bereits 100 Milliarden Euro

Der Krieg soll nach Angaben aus Kiew bereits Schäden von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro verursacht haben. "Heute ist diese Ziffer konkretisiert worden - es sind 119 Milliarden US-Dollar (107,36 Mrd. Euro)", sagte Vize-Wirtschaftsminister Denys Kudin am Freitag laut der staatlichen Nachrichtenagentur UKRINFORM. Das Ministerium berücksichtige in seine Berechnungen sowohl direkte Schäden als auch indirekte Verluste durch den Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Laut der ukrainischen Ombudsfrau für Menschenrechte, Ljudmyla Denissowa, wurden bisher im Krieg mindestens 78 Kinder getötet. Wie viele Menschen in den belagerten Städten Mariupol, Wolnowacha und Irpin bei Kiew verletzt oder getötet wurden, könnten die Behörden wegen der dortigen Kämpfe derzeit nicht feststellen, erklärte sie. (APA/Reuters/AFP/dpa)


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