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Kultur-Öffnung: Für Tiroler Interessensvertreter „fast zu schnell"

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Innsbruck – Interessensvertreter der Tiroler Kulturinitiativen (TKI) haben hinsichtlich des weitgehenden Fallenlassens der Corona-Schutzmaßnahmen und der damit einhergehenden Kultur-Öffnung gemischte Gefühle. „Bei aller Freude darüber geht es aktuell fast zu schnell", sagten TKI-Obmannstellvertreterin Hannah Crepaz und TKI-Geschäftsführerin Helene Schnitzer, im APA-Gespräch unisono.

Denn obwohl in schwierigen Lockdown-Zeiten und danach das „Bekenntnis von Land und Bund zur Kultur und auch finanzielle Unterstützung da gewesen ist", blieben bei den Kulturschaffenden aktuell auch „viele Fragezeichen übrig", sagte Crepaz, die auch künstlerische Leiterin des Osterfestivals Tirol ist. „Was passiert beispielsweise, wenn die Hälfte des Festival-Teams ausfällt", gab sie unter anderem zu bedenken.

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Weitere finanzielle und rechtliche Fragen

Dazu käme natürlich eine grundsätzliche „Müdigkeit" nach so langen Pandemie-Zeiten, die sich mit Unsicherheit verbinde, so Crepaz. „Was nach den jetzigen Öffnungen beispielsweise im Herbst passiert, weiß ja niemand", strich sie heraus. Unklare Verordnungen – so sei die ursprüngliche Verordnung für die Corona-Schutzmaßnahmen mehr als „siebzigmal umgeschrieben worden" – erhöhten diese Unsicherheiten noch weiter, hielt die TKI-Vertreterin fest.

Außerdem seien die Themen Finanzen und Publikumszuspruch große Unsicherheitsfaktoren, betonte Schnitzer. „Es gibt eine Studie aus England die zeigt, dass rund ein Drittel des Publikums erst wiederkommen will, wenn es wirklich sicher ist", führte sie aus. Das teilweise Ausbleiben des Publikums führe schließlich auch zur Frage, ob sich alle Veranstaltungen „finanziell tragen", so Schnitzer.

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Zudem gelte es noch einige „rechtliche Fragen zu klären", sagte die Geschäftsführerin. „Wie ist es zum Beispiel, wenn ein Konzert eines großen Ensembles abgesagt werden muss, weil es in diesem Corona-Fälle gibt", nannte sie ein Beispiel. Man bewege sich künftig nämlich „abseits der Corona-Maßnahmen" und müsse in diesem Fall unter Umständen die Kosten nach der Absage selbst tragen.

Kommunikation verbessert

Doch auch Positives haben Crepaz und Schnitzer zu berichten. „Der direkte Austausch zwischen Kulturschaffenden und den kulturpolitischen Entscheidungsträgern ist zunehmend deutlich besser geworden", sagte Crepaz. Es habe einige „Online-Treffen gegeben, in denen unsere Wünsche und Interessen auch gehört wurden".

Darüber hinaus hätten sich auch „Gesprächsintensität und Kontakt zwischen den Kulturschaffenden, Kultur-Organisationen und Interessensvertretungen erhöht", so Schnitzer. Auch ins Leben gerufene und vergebene „Arbeitsstipendien von Stadt, Land und Bund" seien positiv zu bewerten, weil man damit „verstärkt auch künstlerische Prozesse gefördert hat und künftig fördern wird". Auch geschaffene Fördertöpfe für Digitalisierung seien gute und wohl auch bleibende politische Schritte gewesen, so Schnitzer.

Die TKI-Tiroler Kulturinitiativen ist eine Interessensvertretung der freien Kulturinitiativen in Tirol. Über 150 Kulturinitiativen aus dem gesamten Bundesland sind Mitglieder. Die TKI will laut ihrer Selbstbeschreibung auch kulturpolitisch mitgestalten und sich vor allem für Verbesserungen der Rahmenbedingungen für autonome Kulturarbeit einsetzen. (APA)


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