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St. Johanner Festival artacts: Frische Sounds in der Alten Gerberei

„Blind Dates“ mit kontrastreichen Klängen abseits des Mainstreams: Das St. Johanner Festival artacts startete am Freitag in seine 22. Auflage.

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Drei Virtuosen der Übergänge: Christian Lillinger, Petter Eldh und Kaja Draksle (v. l.) bilden die Band Punkt.vrt.Plastik.
© Dawid Laskowski

Von Christoph Haunschmid

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St. Johann –Das feine Festival artacts in St. Johann eröffnet jedes Jahr den Reigen der österreichischen Events für avancierte Klänge abseits des Mainstreams. Der farbige US-amerikanische Dichter James Baldwin gab dieses Jahr das Motto vor: „In dieser Zeit, wie in jeder Zeit, ist das Unmögliche das Mindeste, das man verlangen kann.“

Am Freitag starteten die artacts mit einem „Blind Date“, wie der Tenorsaxofonist Jakob Gnigler den Auftritt des Quartetts GNYXE nannte. In dieser Formation hatten die Geigerin Irene Kepl, der Tubist Carl Ludwig Hübsch, die Schlagzeugerin Katharina Ernst und Gnigler noch nie musiziert und so legten sie es auch an. Ziemlich viel Klangsuche, nah am Geräusch. Das muss nicht laut sein. Nach einem zögerlichen Beginn mit viel Gekratze und Geknirsche fand das Quartett recht gut zusammen. Vor allem, wenn das Schlagzeug mitmischt, gewinnt das Ganze an Fahrt und pulsierender Dynamik.

Einen schönen Kontrapunkt dazu setzt Punkt.vrt.Plastik um den Drummer Christian Lil-linger. Gemeinsam mit Pianistin Kaja Draksler und dem Bassisten Petter Eldh haucht er dem ein wenig ausgeleierten Klaviertrioformat neues Leben ein. Komponiertes und Improvisiertes ist kaum mehr unterscheidbar. Suitenartig werden einzelne Stücke aneinandergereiht, mühelos gestalten die drei Virtuosen die Übergänge. Instrumentaltechnische Brillanz und blindes Verstehen sorgen für Energie und Ausdruckskraft. Alles fügt sich perfekt zusammen, fordert heraus, vermittelt Vertrautheit und den Willen zur Auseinandersetzung mit Tradition und Gegenwart. Ein furioses Konzert, das auch entsprechend akklamiert wurde.

Wiederum ein schöner Kontrast das Trio Zimt. Eigentlich war ja ein Quintett geplant. Zwei Bandmitglieder mussten aber Corona-bedingt absagen. Aber auch das Trio überzeugte durch außergewöhnliche Klänge am Rand der Stille. Die Elektronikerin Angelica Castello, Klarinettist Kai Fagaschinski und Burkhard Stangl an diversen Gitarren geben sich und ihrer Musik Zeit und Raum zum Atmen. Das ist minimalistisch und wirkt fast wie eine Zen-Meditation, unter der Oberfläche scheint es aber zu brodeln, ein Musterbeispiel an musikalischem Suspense.

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Saxofone, Geige, Akkordeon, Klavier und Turntables ist die Instrumentierung des Sestetto Internazionale um den finnischen Sopransaxofonisten Harri Sjöström. Ältere Herren bringen frische Sounds auf den Punkt, phantasiebegabtes Spontanes trifft auf übergreifende Gedankenflüsse, die reiche Tradition des gemeinsamen Tuns im Jazz konfrontiert sich mit ihrer kammermusikalischen Reflexion.

Heute Sonntag beschließen noch drei Konzerte in der Alten Gerberei das Festival: das üppig besetzte Septett Knarr um den norwegischen Bassisten Ingebrigt Haker Flaten, das Duo Czajka & Puchacz mit Kaja Draksler und dem polnischen Drummer Szymon Gasiorek und das kraftvolle portugiesisch-US-amerikanische Humanization Quartet.


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