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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ex-Wirecard-Chef Braun

Laut einem Bericht vom Handelsblatt wird gegen Markus Braun Anklage erhoben. Bestätigung gab es vorerst noch keine.

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Gegen den Österreicher Markus Braun wird Anklage erhoben.
© APA/dpa/Peter Kneffel

Aschheim – Die Münchner Staatsanwaltschaft hat dem Handelsblatt zufolge Anklage gegen den langjährigen Wirecard-Chef, den Österreicher Markus Braun, erhoben. Auf 480 Seiten beschuldigten die Ermittler ihn des bandenmäßigen Betrugs, der Veruntreuung von Vermögen des einstigen DAX-Konzerns, der Bilanzfälschung sowie der Marktmanipulation, berichtete die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf informierte Kreise.

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Mit Braun auf der Anklagebank sitzen sollen demnach auch der ehemalige Statthalter des Konzerns in Dubai, Oliver Bellenhaus, sowie der frühere Chefbuchhalter und stellvertretende Finanzchef Stephan von Erffa.

Die Staatsanwaltschaft München wollte den Bericht zunächst nicht bestätigen. Die Anklage wurde bereits bis Mitte März erwartet. Brauns Sprecher sagte: "Wir werden uns heute dazu nicht äußern." Braun hatte die Vorwürfe gegen ihn bisher stets zurückgewiesen. Anwälte für Bellenhaus und von Erffa waren für Stellungnahmen zunächst nicht zu erreichen.

Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München war im Juni 2020 nach der Aufdeckung eines 1,9 Milliarden Euro schweren Bilanzlochs in die Pleite gerutscht. Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffe hält es für erwiesen, dass das Geld nie existierte und das angeblich hochprofitable Unternehmen tatsächlich seit Jahren Verluste schrieb. In der Kritik stehen deswegen auch die Wirtschaftsprüfer von EY, die die Wirecard-Bilanzen jahrelang testiert hatten, und die Finanzaufsicht BaFin.

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Braun und Bellenhaus sitzen seit Juli 2020 - also mehr als eineinhalb Jahre - in Untersuchungshaft, von Erffa war im Sommer 2021 gegen Auflagen auf freien Fuß gekommen. Der ebenfalls aus Österreich stammende Ex-Vorstand Jan Marsalek, den viele für den Drahtzieher halten, ist seit der Insolvenz auf der Flucht. Er war intern für das Asien-Geschäft verantwortlich, das im Zentrum der Affäre steht. Braun, der auch Großaktionär von Wirecard war, sieht sich nach früheren Angaben als Opfer der Schattenstrukturen, die Marsalek aufgebaut habe. Braun hält es zumindest für möglich, dass die fehlenden 1,9 Milliarden tatsächlich existierten, aber Marsalek mit dem Geld verschwunden ist. Marsaleks Fluchthelfer sollen der frühere FPÖ-Abgeordnete Thomas Schellenbacher und ein Ex-BVT-Mitarbeiter gewesen sein.

Bellenhaus hatte sich der Justiz kurz nach der Insolvenz als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Von Erffa hatte sich vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages für den Finanzskandal entschuldigt: "Es war für mich unvorstellbar, das sowas passieren konnte." Er wolle sich seiner Mitverantwortung nicht entziehen und sei vielleicht zu gutgläubig gewesen. (APA/Reuters)


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