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Bis 2050: OMV kündigt langfristigen Öl- und Gasausstieg an

Bis 2030 sollen die Förderungen von Öl und Gas um ein Fünftel sinken, bis 2050 ein Totalausstieg erfolgen. Der Schwerpunkt der OMV liegt künftig auf Kunststoffen, Recycling und E-Mobilität.

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Die OMV möchte in Zukunft vor allem im Chemiebereich wachsen.
© APA/HANS PUNZ

Wien – Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern OMV will die Öl- und Gasförderung langfristig ganz einstellen und künftig vor allem im Chemiebereich wachsen. Als konkretes Zwischenziel soll die Öl- und Gasproduktion bis 2030 um ein Fünftel reduziert werden - trotzdem soll der Gewinn stabil bleiben, und den Aktionären wird eine wachsende Dividende in Aussicht gestellt. Das sind wesentliche Eckpunkte der OMV-Strategie 2030, die heute präsentiert wurde.

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Gewinne sollen Ausstieg finanzieren

Finanziert werden soll der mittel- und langfristige Rückzug aus Öl und Gas mit den Gewinnen, die das Öl- und Gasgeschäft abwirft. "E&P werden als robuster Cash-Generator geführt werden", sagte OMV-Chef Alfred Stern am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Unternehmensstrategie. Die Rohölproduktion soll bis 2030 schrittweise um etwa 30 Prozent reduziert werden, die Erdgasproduktion um etwa 15 Prozent. 2025 soll die Jahresproduktion rund 450.000 Fass Öleinheiten betragen, bis 2030 soll sie auf unter 400.000 Barrel pro Tag sinken. "Chemicals & Materials wird nicht nur unser Wachstumstreiber sein, sondern auch Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite in Einklang bringen und somit unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktdynamiken stärken", erklärte Stern.

Investitionen in die Öl- und Gasproduktion werden bis 2026 fortgesetzt, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Gasprojekten liegt, danach sollen sie deutlich zurückgehen. Der Anteil von Gas soll auf mehr als 60 Prozent steigen. Die Produktion von Öl und Gas zur energetischen Nutzung wird bis 2050 vollständig eingestellt, so der Plan. Ab dem 1. April 2022 wird das Gasverkaufs-und Logistikgeschäft (ohne OMV Petrom) im Bereich E&P (Exploration und Produktion) konsolidiert.

Die Erschließung des Neptun-Gasfelds im rumänischen Schwarzen Meer soll ein Kernprojekt werden. "Abhängig vom neuen Offshore-Gesetz in Rumänien erwarten wir die finale Investitionsentscheidung für 2023", sagte Stern. Ab 2027 soll dort das erste Gas gefördert werden. In das Projekt "Neptun Deep" sollen bis zu 2 Mrd. Euro investiert werden. "Wir rechnen mit einer Plateau-Produktion von bis zu 70.000 Barrels Öleinheiten pro Tag für die OMV für einen geschätzten Zeitraum von zehn Jahren."

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Russland den Rücken kehren

Als Teil ihrer neuen Strategie will die OMV auch der bisherigen Kernregion Russland den Rücken kehren. "Das bedeutet automatisch, dass wir dort keine weiteren Investitionen verfolgen. Deswegen haben wir auch alle weiteren Verhandlungen für Achimov (russisches Erdgasfeld, Anm.) abgebrochen. Es bedeutet aber auch, dass wir uns alle Optionen ansehen, wie wir mit unserer 24,99-Prozent-Beteiligung am Juschno-Russkoje-Gasfeld weiter umgehen können. 'Alle Optionen' bedeutet vom Verkauf bis zu Exit, allerdings gibt es eine komplexe rechtliche Situation dort, die wir jetzt untersuchen."

Auf die Frage, wie sich der politisch motivierte angekündigte Rückzug aus Russland mit der Absicht verträgt, mehr Gas von anderen Diktaturen wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zu beziehen (die VAE sind neben der Republik Österreich ein Kernaktionär der OMV, Anm.), erklärte OMV-Chef Stern, die Entscheidung für den Rückzug aus Russland sei von den jüngsten Ereignissen getrieben. Man wolle geographisch expandieren und das OMV-Portfolio diversifizieren, um das Risiko in den verschiedenen Regionen zu verringern. Laut Upstream-Vorstand Johann Pleininger ist etwa auch Libyen ein stabiler Produzent, heuer rechne man dort mit einer Produktion von mehr als 30.000 Fass pro Tag.

Die vergleichsweise teure Öl- und Gasförderung in Österreich (Gänserndorf) wird nicht eingestellt, stellte Pleininger klar. Dabei geht es um 19.000 Fass pro Tag. Man sei bis 2030 weiterhin in der Lage, in Österreich wirtschaftlich zu produzieren. Es gehe aber nicht nur um die produzierten Mengen, sondern Österreich sei auch ein Innovations- und Technologiezentrum für den E&P-Bereich der OMV, erklärte Pleininger.

Am geplanten Verkauf der Düngemittel-Sparte der Chemietochter Borealis hält die OMV nach wie vor fest, obwohl der bereits fertig paktierte Deal mit dem russisch-schweizerischen Konzern EuroChem gestoppt wurde.

Null-Emissions-Ziel bis 2050

Die OMV setze mit der heute präsentierten Strategie ein klares Zeichen hin zur Kreislaufwirtschaft mit einem stringenten Fahrplan für das Null-Emissions-Ziel bis 2050, sagte die Chefin der Staatsholding ÖBAG, Edith Hlawati. "Die Transformation der OMV wird ein wichtiger Baustein sein, um die Klimaziele, die sich Österreich gesetzt hat, zu erreichen", so Hlawati in einer Stellungnahme.

Weitere Eckpunkte der "Strategie 2030": Der Geschäftsbereich Refining & Marketing soll ein führender europäischer Anbieter von nachhaltigen Kraftstoffen, Rohstoffen und Mobilitätslösungen werden. So sollen etwa mit Investitionen von insgesamt mehr als 400 Mio. Euro bis 2030 mehr als 2000 E-Ladestationen an Tankstellen und an Autobahnen und Transitstrecken sowie rund 17.000 Wallbox-Ladestationen für Firmenstandorte errichtet werden.

Die Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen und nachhaltigen chemischen Rohstoffen soll bis 2030 auf 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr gesteigert werden, wobei fast die Hälfte der Mengen auf nachhaltige Flugzeugtreibstoffe entfällt - der Absatz von nachhaltigem Flugtreibstoff soll auf mehr als 700.000 Tonnen steigen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Österreich fast 3,5 Mio. Tonnen Benzin und Diesel verbraucht.

Zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen will die OMV zugleich rund 5 Mrd. Euro in die Entwicklung von CO2-armen Geschäftsfeldern investieren, d. h. in die Geothermie und die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Es wird erwartet, dass bis 2030 aus Erdwärme bis zu 9 TWh Energie pro Jahr gewonnen werden. In Österreich habe man dafür bereits ein konkretes Projekt in der Pipeline, sagte Upstream-Vorstand Pleininger, allerdings sei es für eine Ankündigung noch zu früh.

Wasserstoff, Solar-und Windenergie

Weil man Öl- und Gas künftig nicht mehr zur Energiegewinnung verbrennen will, setzt die OMV künftig auch auf Wasserstoff, Solar-und Windenergie und will ihr Solar- und Windkraftgeschäft für den Eigenbedarf auf mindestens 1 TWh ausbauen und Möglichkeiten im Bereich Gas- und Wasserstoffspeicherung prüfen.

Es wird erwartet, dass das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten (bereinigt um Lagerhaltungseffekte) bis 2030 mindestens 6 Mrd. Euro erreicht. Die Hälfte der Einnahmen werde dann aus dem Bereich Chemicals & Materials kommen, sagte Stern. Exploration & Produktion sollen rund 30 Prozent beitragen, Raffinerien und Tankstellen etwa 20 Prozent. Der operative Cashflow (exklusive Net-Working-Capital-Effekte) soll bis 2030 über 7 Mrd. Euro erreichen. Es gebe das klare Ziel, die Dividende jedes Jahr zu erhöhen, sagte der CEO.

Nach klaren Prioritäten bei der Kapitalallokation - Investitionen an erster Stelle, gefolgt von Dividenden, anorganischem Wachstum und Entschuldung - seien Investitionen in Höhe von 3,5 Mrd. pro Jahr für organisches Wachstum geplant. Mindestens 40 Prozent davon sind für CO2-arme Projekte vorgesehen.

Wirklich überzeugen kann die OMV mit ihrer neuen Strategie weder Umweltschützer noch Anleger. Global 2000 sieht in einer ersten Reaktion zwar positive Entwicklungen in die richtige Richtung, der geplante Ausstieg aus Öl und Gas erfolgt nach Ansicht der Umweltorganisation aber viel zu langsam. Die Aktie der OMV hat an der Wiener Börse in einem insgesamt festeren Börsenumfeld in der Spitze bis zu 7,5 Prozent an Wert verloren. (APA)


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