Entgeltliche Einschaltung

Abseits der zehn Gratis-Tests keine Kosten-Obergrenze pro Test

Symptomatische Personen hätten laut Gesundheitsministerium immer Zugang zu Gratis-Tests über die Hotline 1450. Die fünf gratis Antigentests sind als "Wohnzimmertests" vorgesehen.

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Gesundheitsminister Johannes Rauch bei der Presekonferenz zur Corona-Teststrategie.
© APA/TOBIAS STEINMAURER

Wien – Die neue Teststrategie des Bundes mit künftig nur mehr je fünf kostenlosen PCR- und fünf kostenlosen Antigentests pro Person und Monat nimmt langsam Form an. Geplant ist laut Gesundheitsministerium, dass symptomatische Personen jederzeit Zugang zu Tests haben - "unabhängig vom Verbrauch der Gratis-Tests". Dabei soll die bekannte Hotline 1450 "erste Anlaufstelle" sein. Für freiwillige Tests, die über das Gratis-Kontingent hinausgehen, soll es keine Kosten-Obergrenze geben.

Entgeltliche Einschaltung

Will man öfter als fünf Mal im Monat einen PCR-Test durchführen oder mehr als fünf Antigen-Tests für die Selbstabnahme erwerben, dann wird man laut den Vorstellungen des Bundes künftig selbst bezahlen müssen. "Die Preise für Tests können von der jeweiligen Teststelle selbst festgelegt werden, eine Vorgabe des Bundes bzw. eine Obergrenze für Testkosten ist hierzu nicht geplant", hieß es dazu am Mittwoch aus dem Gesundheitsministerium. Hat man Symptome, gilt das aber nicht: Dann ist die Hotline 1450 anzurufen, über die dann der Test abgewickelt wird.

Freitesten von ungeimpften Kontaktpersonen bleibt kostenlos

Jederzeit kostenlos möglich sein soll (ebenfalls unabhängig vom monatlichen Verbrauch von Gratis-Tests) auch das "Freitesten" von Kontaktpersonen. Allerdings: Gratis soll der Test nur für jene Personen sein, die offiziell als "Kontaktpersonen" eingestuft sind. Vollständig Immunisierte (etwa dreifach geimpfte Erwachsene), die mit einer positiven Person Kontakt hatten, gelten in der Regel aber nicht als Kontaktpersonen. Sollten diese dennoch einen (über die Gratis-Tests hinausgehenden) Test machen wollen, müssten sie laut den Plänen dafür selbst bezahlen (das gilt etwa auch für im gleichen Haushalt lebende Personen).

Für die Verteilung der PCR-Tests bzw. die Organisation sollen wie bisher schon die Bundesländer zuständig sein: "Die PCR-Tests werden über länderspezifische Programme verteilt. Es ist davon auszugehen, dass der Handel dabei eine wesentliche Rolle spielen wird", hieß es dazu aus dem Ministerium.

PCR-Hamstern nicht möglich

Ein "Hamstern" von PCR-Testkits oder das Übertragen von Testkits wird laut Ministerium keinen Sinn machen: Denn es sollen pro Monat und Person künftig nur fünf Testergebnisse gratis eingereicht werden können.

Etwas anders soll laut den aktuellen Plänen bei den Antigentests vorgegangen werden. Grundsätzlich ist vorgesehen, dass diese als Testkits zur Selbstabnahme ("Wohnzimmertests") abgegeben werden - und zwar fünf Stück pro Monat. Entgegen der PCR-Tests können diese gesammelt und je nach Bedarf dann in Eigenanwendung verwendet werden. Diese "Wohnzimmertests" sollen bundesweit in den Apotheken ausgegeben werden.

Gefragt nach den erwarteten Kosten-Einsparungen durch die Test-Reduzierung hieß es aus dem Ministerium, Ziel der Anpassungen in der Teststrategie sei nicht primär die Einsparung von Budgetmitteln, "sondern deren sinnvolle Verwendung". Dies sei durch die neue Teststrategie gewährleistet. "Da die tatsächlichen Kosten stark von der Inanspruchnahme der Tests und dem weiteren Testverhalten der Bevölkerung in den kommenden Monaten abhängig sind, kann eine genaue Bezifferung etwaiger Einsparungen erst nach einer detaillierten Abrechnung erfolgen." Eine maßgebliche Reduktion der Kosten hätte selbstverständlich eine komplette Abschaffung der Gratis-Tests gebracht. Dem Gesundheitsminister sei es jedoch ein Anliegen gewesen, "diesen wichtigen Pfeiler der Pandemiebekämpfung auch in den kommenden Monaten aufrecht zu erhalten".

Teststrategie seit Monaten debattiert

Eine Anpassung der Teststrategie sei bereits seit mehreren Monaten zur Debatte gestanden. Gründe hierfür seien die geänderten Rahmenbedingungen durch die Omikron-Variante sowie der Impffortschritt in Österreich, "welche das uneingeschränkte Testen infrage stellen". Das Gesundheitsministerium habe sich hier "für einen praxistauglichen Mittelweg zwischen diesen Polen eingesetzt". Für die Abrechnung der Kosten der Gratis-Tests mit den beauftragten Laboren sind die jeweiligen Bundesländer zuständig, hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) übte am Mittwoch an der geplanten Reduktion der Gratis-Tests scharfe Kritik, ebenso an der Lockerung der Quarantäneregeln für nicht vollständig geschützte Kontaktpersonen (ab 21. März). Damit seien "sehr hohe Neuinfektionszahlen in Österreich weiter garantiert", sagte ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer in einer Aussendung. "Wenn man ganz offensichtlich eine mögliche Herdenimmunität erreichen und das Virus durchrauschen lassen will, dann sollte man das auch genauso kommunizieren." Und: "So werden die Zahlen kaum nach unten gehen, was unsere Gesundheitsversorgung an den Rand des Kollaps bringen wird."

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres forderte darüber hinaus, dass dafür gesorgt wird, "dass Ärztinnen und Ärzte automatisch sofort darüber informiert werden, wenn einer ihrer Risikopatienten an Corona erkrankt". Nur so könnten die Ärzte ihren Patienten die verfügbaren Corona-Medikamente rasch und unkompliziert zukommen lassen, um schwere Verläufe mit Hospitalisierung zu verhindern.

Österreich bei Hospitalisierungen unter Top 5

Mayer verwies auch auf internationale Daten: Schon jetzt liege Österreich laut aktuellen Zahlen des Statistikportals "Our World in Data" mit über 300 hospitalisierten COVID-19-Erkrankten (pro Million Einwohner; Stichtag: 14. März 2022) europaweit betrachtet unter den Top 5. "Mit der Rücknahme fast aller Sicherheitsmaßnahmen gehen wir ein sehr hohes Risiko, das sich im Herbst noch als Bumerang erweisen könnte."

Scharfe Kritik kam am Mittwoch auch seitens der Stadt Wien: "Ich bin im Augenblick sprachlos und auch ein bisschen fassungslos wie hier ein Experiment an über acht Millionen Österreichern durchgeführt wird", sagte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

Im Büro von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), der am Wochenende wegen der "gewaltigen" Kosten für die Tests noch für eine massive Reduktion des Gratis-Angebots eingetreten war, zeigte man sich am Mittwoch "sehr zufrieden" über die am Dienstag verkündete Lösung. Bezüglich der weiteren Vorgangsweise bei den Schultests - immerhin rund eine Mio. Tests pro Woche und damit ein bedeutender Kostenpunkt - wurde sowohl im Gesundheits- wie auch im Finanzressort auf Bildungsministerium verwiesen.

Schultests bringen für Klimek derzeit wenig

Dort hieß es dazu am Mittwoch, man sei derzeit noch in Abstimmungen, die Tests laufen vorerst weiter - bis wann, ist derzeit noch unklar. Seitens des Wiener Bildungsstadtrats Christoph Wiederkehr (NEOS) hieß es, die Entscheidung über das Testen in der Schule falle grundsätzlich auf Bundesebene. "Angesichts der noch sehr hohen Inzidenzen erscheint uns ein Weiterführen der Schultests zumindest bis Ostern als sinnvoll. Wenn sich die epidemiologische Lage bis dahin bessert, muss natürlich auch das Testregime in den Schulen dann neu bewertet werden."

Für den Komplexitätsforscher Peter Klimek bringen die Schultests in der derzeitigen Lage und mit den derzeitigen Maßnahmen nur wenig. "Um hier wirkliche Sicherheit herzustellen, müsste man viel mehr Maßnahmen übereinanderstapeln als es jetzt getan wird", so Klimek im Ö1-"Mittagsjournal". Unter anderem nannte er die konsequente Absonderung von Verdachtsfällen. Testen alleine reiche da nicht. Die Entwicklung an den Schulen sei von jener in der Gesamtbevölkerung abhängig. "Wenn hier die Lage nicht unter Kontrolle ist, werden wir sie auch trotz der Schultestungen in der Schule nicht unter Kontrolle bekommen." (APA)


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