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Experten: Exzellente neue Therapien für Typ-2-Diabetes

Die erhöhten Blutzuckerwerte und Begleiterkrankungen werden von Anfang an behandelt. Dadurch eröffnet sich womöglich die Möglichkeit, bei manchen Typ-2-Diabetikern sogar ein Verschwinden der Erkrankung zu erzielen.

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Mittlerweile dürften schon rund zehn Prozent der Bevölkerung von Diabetes betroffen sein.
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Baden-Baden – Die Therapie des Typ-2-Diabetes (ehemals "Altersdiabetes") durchläuft derzeit einen grundlegenden Wandel. Statt allein den sprichwörtlichen "Zucker" im Blut zu senken, gelingt es mit neuen Arzneimitteln erstmals, von Anfang an auch die Begleiterkrankungen zu behandeln, hieß es jetzt beim 65. Deutschen Kongress für Endokrinologie (Online). Mittlerweile dürften schon rund zehn Prozent der Bevölkerung von Diabetes betroffen sein.

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"Typ-2-Diabetes ist eine Volkskrankheit. Mittlerweile sind in Deutschland schon mehr als zehn Millionen Menschen betroffen. Wir haben aber in letzter Zeit auch exzellente Behandlungsmöglichkeiten bekommen. Dadurch wird ein Paradigmenwechsel ermöglicht. Wir behandeln nicht mehr Surrogatparameter, wie den HbA1c-Wert (mittelfristiger Laborwert für Qualität der Blutzuckereinstellung; Anm.) oder die Blutzuckerwerte, sondern gleichzeitig auch die Fettstoffwechselstörung, erhöhtes Körpergewicht und erhöhten Blutdruck", sagte Jochen Seufert, Kongresspräsident und Diabetes-Spezialist an der Universität Freiburg.

800.000 Zuckerkranke in Österreich

Die Stoffwechselerkrankung - in Österreich gehen Fachleute der Diabetes Gesellschaft von derzeit rund 800.000 Zuckerkranken plus rund 350.000 Prädiabetikern aus - tritt oft im Rahmen eines sogenannten metabolischen Syndroms auf. Dann leiden die Patientinnen und Patienten auch an Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Gerinnungsstörung und niederschwelliger Entzündung.

"Das ist eine toxische Kombination, denn sie bildet die Grundlage für schwerwiegende Folgeerkrankungen", sagte Seufert. Dazu gehören etwa kardiovaskuläre und mikrovaskuläre Komplikationen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, aber auch Niereninsuffizienz, Erblindung, Nervenschädigungen und das diabetische Fußsyndrom. Aufgrund dieser Komplikationen erhöht sich auch die Sterblichkeit der Betroffenen deutlich. "Das therapeutische Ziel in der Behandlung muss deshalb auf die Verhinderung von Langzeitschäden dieses Syndroms ausgerichtet sein. Und das bedeutet Therapie ein ganzes Leben lang", betonte der Diabetologe.

Während sich die Medizin ehemals vor allem auf die Senkung erhöhter Blutzuckerwerte konzentrierte, hat sich diese Situation mit der Zeit deutlich gewandelt. Für Langzeitprognose von Betroffenen erwiesen sich eine Senkung des Cholesterinspiegels sowie eine gute Einstellung des Blutdrucks als faktisch mindestens ebenso wichtig.

Schutz vor Langzeitschäden

Zum Teil neue Therapiekonzepte bei Typ-2-Diabetes haben Kombinationseffekte. Die Substanzklasse der SGLT2-Inhibitoren - mit den Vertretern Dapagliflozin, Empagliflozin, Canagliflozin, Sotagliflozin und Ertugliflozin - sind Antidiabetika zur oralen Einnahme. Über die Hemmung eines Natrium/Glukose-Cotransporters in der Niere führen sie zu einer vermehrten Ausscheidung von Glukose, jedoch ohne die Gefahr einer Unterzuckerung. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel schonend gesenkt, die Adipositas geht zurück und der Blutdruck fällt. "Die Studienergebnisse haben darüber hinaus auch einen echten Schutz vor Langzeitschäden an Herz und Niere im Sinne eines Langzeit-Organschutzes gezeigt", sagte Seufert.

Auch für die Medikamentengruppe der sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten mit den Vertretern Exenatid, Lixisenatid, Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid, Albiglutid und Efpeglenatid seien in den vergangenen Jahren überzeugende Studiendaten zur Reduktion von Langzeitschäden bei Diabetes mellitus Typ 2 und des metabolischen Syndroms vorgelegt worden. Diese Medikamente imitieren die Wirkung des körpereigenen Inkretin und Darmhormons Glukagon-like Peptide 1 (GLP-1). Sie führen zu einem ausgeprägten Rückgang von Übergewicht und Adipositas, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Blutzucker und Blutdruck. Der deutsche Diabetologe: "Der Blutzucker-senkende Effekt ist dabei durchaus mit Insulin zu vergleichen. Entsprechend empfehlen die nationalen und internationalen Leitlinien, GLP-1-Rezeptoragonisten vor dem Einsatz von Insulin zu erwägen."

Sowohl die SGLT2-Inhibitoren als auch die GLP-1-Rezeptoragonisten erhöhen im Vergleich zu älteren oralen Antidiabetika und vor allem zu einer Insulintherapie die Sicherheit. Seufert: "Sie haben eine eingebaute Hypoglyklämie-Bremse." Das bedeutet, dass die durch die Einnahme der Tabletten erfolgende Blutzuckersenkung gleichzeitig auch zu einer geringeren Wirkung der Arzneimittel führt. Dadurch treten keine potenziell gefährlichen Unterzuckerungs-Episoden auf.

Reduktion des Körpergewichts

Bei den GLP-1-Rezeptoragonisten kommt für die zu einem hohen Prozentsatz auch an Übergewicht bzw. Adipositas leidenden Typ-2-Patienten auch noch der deutlich gewichtsreduzierende Effekt hinzu. Sie hemmen nämlich auch die Magenentleerung und vermitteln ein Sättigungsgefühl. Neben den GLP-1-Rezeptoragonisten sind sogenannte "Doppel-" und "Dreifachagonisten" aus GLP-1-Analoga, Gastric Inhibitory Polypeptide (GIP) und Glucagon in klinischer Entwicklung für die Diabetes- und Adipositastherapie. Sie sollen einen noch stärkeren Effekt haben.

Dadurch eröffnet sich womöglich die Möglichkeit, bei manchen Typ-2-Diabetikern sogar ein Verschwinden der Erkrankung durch entsprechende Gewichtsreduktion zu erzielen. Seufert: "Eine Reduktion des Körpergewichts um 15 Prozent gibt die Chance, eine Remission zu erzielen." (APA)


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