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Kammerkonzert: Die Wirkung von Musik, gespiegelt in Gesichtern

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Das „Busch Trio“ beim Kammerkonzert vorgestern Freitag im Haus der Musik. Von links: Mathieu van Bellen (Geige) sowie die Brüder Ori Epstein (Cello) und Omri Epstein (Klavier).
© Maria Scheunpflug

Innsbruck – Musik kann Herzen berühren, Emotionen auslösen, Gefühle verstärken. Alles erlebt, tausendfach. Und genau das sind beste gute Gründe, warum man sich, selbst am Ende einer langen Arbeitswoche, feierabendlich halbwegs in Schale wirft und, so wie vorgestern, das Haus der Musik ansteuert.

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Beim dortigen Kammerkonzert gastierte das Busch Trio. Unter diesem Sammelbegriff haben sich vor zehn Jahren drei Studienfreunde aus Londoner College-Tagen zusammengetan, um Kammermusik höchster Güte in die Welt hinauszutragen. Ihren Auftrittsnamen wählten die drei als Reverenz an Adolf Busch, einen Geiger von Renomée in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Wer sich eine weitere Dosis musikalischen Hochgefühls abholen wollte, lag beim empfindsamen, hoch sensiblen, aus tiefstem Inneren entspringenden Vortrag dieses Trios goldrichtig.

Selten jedoch erlebt man Könner dieses Kalibers, bei denen sich die Musik zusätzlich auch noch derart markant in den Gesichtern widerspiegelt. Speziell die Brüder Omri (Klavier) und Ori Epstein (Cello) visualisieren die von ihnen hervorgebrachten fantastischen Klänge geradewegs. Ihre Mienen sind wie ein Kaleidoskop menschlicher Empfindungen: Melancholie und Zerrissenheit, Leidenschaft, Hingabe, Bewunderung, Respekt.

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Pianist Omri Epstein bewegt sogar die Lippen, so als ob er der ergreifenden Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy (Trio in c-Moll op. 66) und Antonín Dvorˇák (Trio in f-Moll, op. 65) mit Worten zusätzlich Ausdruck verleihen wollte. Etwas weniger extrovertiert, fachlich jedoch auf derselben Wellenlänge, Mathieu van Bellen an der Violine.

Einen herausfordernden Einstieg in das Konzert liefert das Busch Trio mit Wolfgang Rihms so betitelter „Fremder Szene III“, einer modernen Versuchsanordnung für Geige, Cello und Klavier: vermeintliches Chaos, schrille Töne, musikalisches Gerät ausgereizt bis ganz an die Grenzen. Und doch fügt sich das Ganze am Ende, lässt sich beruhigen, zusammenführen.

Das gibt Hoffnung in lauten, kriegerischen Tagen wie diesen. (mark)


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