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Minus 93 % Niederschlag: Österreich steuert auf den trockensten März zu

Seit geraumer Zeit dominiert in Tirol und in ganz Österreich trockenes Hochdruckwetter, dieses setzt sich noch bis Ende der Woche fort. Die Trockenheit hat mittlerweile ganz konkrete Auswirkungen zur Folge, so ist der Wasserstand des Neusiedler Sees derzeit so niedrig wie noch nie zu dieser Zeit im Jahr. Auch die Waldbrandgefahr steigt, eine nachhaltige Wetterumstellung gibt es erst kommende Woche.

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Die Feuerwehr hat – wie hier beim Waldbrand in Pinswang – durch die Trockenheit alle Hände voll zu tun.
© ZOOM.TIROL

Innsbruck ‒ Minus 93 Prozent: So lautet die erschreckende Niederschlagsbilanz für Österreich im diesjährigen März bis zum heutigen Tage. Dabei erleben weite Landesteile bis dato einen Totalausfall in punkto Niederschlag, in Innsbruck und Graz beispielsweise fiel in diesem März noch kein einziger Regentropfen vom Himmel. „Die nasseste Landeshauptstadt war bislang Salzburg mit rund 13 l/m², doch selbst das sind um 77 Prozent weniger als im langjährigen Mittel der Mozartstadt“, prognostiziert Konstantin Brandes, Meteorologe bei der österreichischen Unwetterzentrale.

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„Somit ist es wenig verwunderlich, dass wir derzeit auf den trockensten März der Messgeschichte Österreichs zusteuern.“ In den Annalen rangiert hier der März 1929 noch immer auf Platz 1, in jüngerer Vergangenheit fielen die Märze 2003 und 2012 mit einem Minus von rund 70 Prozent annähernd ähnlich trocken aus.

Auch der Jänner und Februar waren lokal schon deutlich zu trocken, sodass landesweit für die ersten 80 Tage im Jahr 2022 ein ebenfalls dickes Minus von rund 45 Prozent in der Niederschlagsbilanz steht. Besonders markant war die Trockenheit heuer bislang im Wald- und Weinviertel sowie generell in Osttirol, Kärnten und im Süden der Steiermark. In diesen Regionen fehlen schon jetzt 70 bis 80 Prozent Niederschlag auf das langjährige Mittel.

Pegel sinken – Waldbrandgefahr steigt

Die lang anhaltende Trockenheit hat mittlerweile ganz konkrete und für jeden sichtbare Folgen. „Am Neusiedler See wird seit 1965 systematisch der Wasserstand aufgezeichnet, noch nie seit Beginn dieser Messungen war der Pegel des Sees zu dieser Zeit im Jahr niedriger als jetzt“, so der Meteorologe. „In den vergangenen vier Wochen ist der Wasserstand des Sees um 3 bis 4 cm gesunken – und das in einer Zeit im Jahr, in welcher der See eigentlich durch Niederschlag und Schneeschmelze Wasser gewinnen sollte.“

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Ganze 36 Zentimeter liegt der Pegel derzeit unter dem langjährigen Mittelwert für März. Das klingt wenig, bei einer durchschnittlichen Seetiefe von nur zwei Metern sind das aber Welten. Auch in den heimischen Wäldern macht sich die Trockenheit bemerkbar, aktuell gilt verbreitet eine mittlere Waldbrandgefahr. Besonders markant ist die Waldbrandgefahr im Nordosten des Landes, hier herrscht lokal schon ein hohes Risiko für Wald- und Flurbrände.

Nächste Woche (endlich) Wetterumstellung

Etwas Linderung in Form von Regen und Schneefall ist in der kommenden Woche in Sicht – wenngleich aus heutiger Sicht freilich noch nicht klar ist, wo und wie viel Niederschlag fallen wird. Nach derzeitigem Stand erreicht uns am Montag eine Kaltfront aus Norden, sie bringt ein paar Regenschauer und beendet den lang anhaltenden Hochdruckeinfluss. In der Nacht auf Dienstag legt sich die Front an die Alpen und sorgt dort für nennenswerte Regenmengen, abseits der Berge dürfte es sich bei den Schauern mit Kaltfrontdurchgang um den viel zitierten „Tropfen auf den heißen Stein“ handeln. Auch am Dienstag und Mittwoch bleibt es wohl unter Tiefdruckeinfluss eher wechselhaft und deutlich kälter als zuletzt.

Um die Trockenheit nachhaltig zu lindern bzw. zu beenden bräuchte es flächendeckenden Landregen, dieser ist aber weit und breit nicht in Sicht.

Der trockene März quält die Flora

Die letzten in weiten Teilen Österreichs wirklich zu feuchten Monate datieren vom vergangenen Sommer. Der Juli brachte weitgehend überdurchschnittlich viel Regen, nur im äußersten Osten und im Süden gab es teils weniger Niederschlag als im Durchschnitt. Der August war im Norden und Westen tendenziell zu nass, teils unterdurchschnittlichen Niederschlag fand man in Teilen Kärntens und der Steiermark vor. Der September und der Oktober waren dann praktisch überall viel zu trocken. Der November war im Norden und Osten zu trocken, der Dezember brachte kein einheitliches Bild, aber auch kaum extreme Ausreißer.

Die Flora sitzt derzeit in den Startlöchern, aber es fehlt Entscheidendes: Wasser. „Dabei benötigen Pflanzen, die jetzt ausgesetzt werden, viel Feuchtigkeit“, erläuterte ZAMG-Klimatologe Klaus Haslinger.

Inwiefern sich der fehlende Niederschlag derzeit auf die Landwirtschaft auswirkt, lässt sich Haslinger zufolge nicht über einen Kamm scheren. „Das hängt von der jeweiligen Pflanze ab. Die Wintergerste beispielsweise, die seit dem Herbst im Boden ist, braucht jetzt sicher viel Feuchtigkeit", erläuterte der Experte. Zwei Wochen müssen die Pflanzen noch aushalten, dann soll es den Langfristprognosen zufolge feuchter werden – wobei Prognosen über zwei Wochen schon von deutlichen Unsicherheiten gekennzeichnet sind.

Vor zwei Tagen brannte in Ramsau in Niederösterreich eine Waldfläche von sechs Hektar.
© APA/BFKDO LILIENFELD

Haslinger machte darauf aufmerksam, dass ausgedehnte Trockenperioden nicht nur den Bauern im Flachland zu schaffen machen. Auch die Grünlandwirtschaft in alpinen Regionen ist betroffen. „Weil der Ertrag geringer ist. Eventuell fällt eine Mahd aus, und sicher ist das Volumen deutlich geringer.“ Diese Probleme gibt es aber weniger im Frühjahr, wo alpine Wiesen noch von der Schneeschmelze zehren, als später im Jahr. Letztlich bedeutet es einen geringeren Futterertrag für die Viehzucht.

Auf den Grundwasserhaushalt hat die gegenwärtige Witterung aber nur bedingt Einfluss. Das hängt mit der klimatischen Wasserbilanz zusammen, welche die Differenz zwischen Niederschlag und der potenziellen Verdunstungsbilanz darstellt. Haslinger zufolge erfolgt die Grundwasserneubildung hauptsächlich im Winter, weil wegen der kalten Witterung wenig Wasser verdunsten kann. Trockene Winter sind daher schlecht für die Grundwasserneubildung.

Allerdings hängt dies von mehreren Faktoren ab. Grundsätzlich reagiert Grundwasser nur sehr langsam auf witterungsbedingte Änderungen. Ein sehr trockenes Frühjahr allein hat normalerweise keine großen Auswirkungen. Anders sei das, „wenn so ein Signal über mehrere Jahre stattfindet“, so der Experte. (TT.com)


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