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Oscarverleihung am Sonntag: Triumph der Streamingdienste?

Obwohl die Oscar-Gewinner noch streng geheim sind, lassen sich erste Sieger bereits ausmachen. Die Verleihung am Sonntag könnte zum Triumph der Streamingdienste werden.

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Oscar-Kandidatinnen, v. l.: Penélope Cruz („Parallele Mütter“), Jessica Chastain („The Eyes of Tammy Faye“), Nicole Kidman („Being the Ricardos“), Kristen Stewart („Spencer“) und Olivia Colman („Frau im Dunkeln“).
© imago

Los Angeles – Die Oscar-Wahl ist inzwischen gelaufen. Noch wird ausgezählt. Am Sonntag werden die bekanntesten Filmpreise vergeben. Wobei wenigstens räumlich wieder an Hollywoods gute alte Zeit erinnert werden soll: Die 94. Verleihung der Academy Awards wird wieder im Dolby Theatre am Hollywood Boulevard stattfinden. Im Vorjahr musste das Who’s who der US-amerikanischen Traumfabrik noch pandemiebedingt in die historische Union Station von Los Angeles ausweichen.

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Außerdem wird es erneut ein eingespieltes Moderatorenteam geben. Womit allerdings doch wieder Neuland beschritten wird, denn erstmals in der Oscar-Geschichte werden mit den Komikerinnen Amy Schumer, Regina Hall und Wanda Sykes drei Frauen durch die Gala führen. In den vergangenen Wochen hat das Trio seinen Auftritt kräftig beworben – und „die größte Eröffnungsshow aller Zeiten“ angekündigt. Die Zuschauerzahlen der Oscar-Nacht sind zuletzt massiv eingebrochen. Im Vorjahr sanken sie auf einen historischen Tiefpunkt, weniger als zehn Millionen Menschen schalteten ein. 2020 waren es noch mehr als 23 Millionen gewesen. Der übertragende Sender ABC ist unter Druck. Er finanziert die Gala – sinkende Marktanteile bedeuten weniger Werbeeinahmen. Auch deshalb wird die Show heuer gestrafft: Acht der 23 Preise werden vor Beginn der Liveübertragung vergeben – und dann mittels Zuspielung bekannt gegeben. Betroffen sind vornehmlich technische Kategorien – zum Missfallen der einzelnen Fachverbände.

Obwohl die Oscar-Gewinner noch streng geheim sind, lassen sich erste Sieger bereits ausmachen: Die großen Streaming-Anbieter heimsten mehr Nominierungen ein als jemals zuvor. Netflix etwa ist mit „The Power of the Dog“ in gleich zwölf Kategorien im Preisrennen. Auch „Don’t Look Up“ und das dreifach nominierte Drama „Frau im Dunkeln“ sind Netflix-Produktionen. Apple+ hat dank „Coda“ Chancen auf den Oscar als bester Film und ist mit „MacBeth“ in drei weiteren Kategorien nominiert. „Being the Ricardos“ mit den Oscar-Kandidaten Nicole Kidman und Javier Bardem wird international über den Videodienst von Amazon vertrieben. (jole)


Bester Film: Die Kandidaten

The Power of the Dog geht mit zwölf Nominierungen als großer Favorit in die Oscar-Nacht. Jane Campions Spätwestern gewann bereits den Golden Globe. Campion ist als erste Frau der Filmgeschichte zum zweiten Mal für die beste Regie nominiert. 1994 ging sie für „Das Piano“ leer aus. „The Power of the Dog“ ist bei Netflix abrufbar.

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12-fach nominiert: „The Power of the Dog“.
© imago

Dune heimste 10 Nominierungen ein – und dürfte vor allem in den technischen Kategorien reüssieren. Denis Villeneuves Science-Fiction-Epos setzt auf maximalistische Inszenierung. Der deutsche Komponist Hans Zimmer hat Chancen auf seinen zweiten Oscar nach „Der König der Löwen“ (1995).

Belfast spielt vor dem historischen Hintergrund des Nordirlandkonflikts, erzählt aber eine vermeintlich kleine Familiengeschichte. Der bislang persönlichste, größtenteils in edlem Schwarz-Weiß gedrehte Film von Kenneth Branagh ist in sieben Kategorien nominiert.

„Belfast“ ist für sieben Oscars nominiert.
© imago

West Side Story ist das erste Musical von Steven Spielberg – und kann inzwischen bei Disney+ gestreamt werden: spektakuläre Sets, akrobatische Kamerafahrten und Choreografien – und das Remake eines Klassikers, der 1962 zehn Oscars gewann. Ariana DeBose gilt 2022 als Favoritin auf den Preis als beste Nebendarstellerin.

King Richard erzählt von Richard Williams und dem unwahrscheinlichen Aufstieg seiner Töchter Venus und Serena zu Tennis-Superstars. Will Smith führen Buchmacher als Favorit auf den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Will Smith in „King Richar­d“.
© imago

Nightmare Alley ist ein opulent ausgestatteter Film-Noir und für vier Oscars nominiert – darunter für die Kameraarbeit und das Szenenbild. Mittlerweile ist der jüngste Film von Guillermo del Toro bei Disney+ im Abo-Angebot.

Drive My Car. Seit „Parasite“ (2020) sollte man nie nie sagen. Ryusuke Hamaguchis Murakami-Adaption ist einer der Kritikerlieblinge des Jahres. Der Auslands- oscar dürfte dem Drama kaum zu nehmen sein.

„Drive My Car“ ist Favorit auf den Auslandsoscar.
© imago

Don’t Look Up erzählt vom Ende der Welt als verstörend komische Satire – und ist bei Netflix abrufbar. Die Oscar-Chancen scheinen überschaubar.

Licorice Pizza ist dreimal nominiert. Vor allem für Regisseur und Autor Paul Thomas Anderson – einen der renommiertesten Filmemacher seiner Generation – scheint eine Auszeichnung wahrscheinlich. Er war bislang siebenmal glücklos nominiert.

„Licorice Pizza“ von Paul Thomas Anderson.
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Coda gewann das bekannte Sundance-Festival. Das Gehörlosendrama mauserte sich zuletzt zum nicht mehr wirklich geheimen Geheimtipp auf den Oscar als bester Film. Am Wochenende wurde es mit dem Preis der US-Produzenten ausgezeichnet. „Coda“ kam hierzulande nicht in die Kinos und ist bei Apple+ abrufbar.


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