Entgeltliche Einschaltung

70 sprachliche Helfer für Flüchtlinge in Tirols Schulen

Behördengänge oder Wohnungssuche: Ausgebildete Dolmetscher, Studenten und die ukrainische Gemeinde bieten sprachliche Unterstützung für Kriegsflüchtlinge in Tirol.

  • Artikel
  • Diskussion
Dass besonders viele junge ukrainische Kriegsflüchtlinge auch Englisch und Deutsch können – das sie in ihrer Heimat als Fremdsprache in der Schule haben –, erleichtert oft die Verständigung.
© imago

Von Brigitte Warenski

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck –Das Volontariatszentrum „TirolHelpsUkraine“ ist äußerst gefragt, 100 Volontäre aus der Tiroler ukrainischen Gemeinde leisten derzeit vielseitige ehrenamtliche Hilfe. „Neben psychologischer Hilfe für die Kriegsflüchtlinge bieten wir u. a. auch sprachliche Unterstützung an“, erklärt einer der Leiter, Ihor Hinda, ein ukrainischer Theologiedoktorand, der seit Jahren in Tirol lebt. „Sprachlich stehen wir den geflüchteten Menschen vom Stellen von Anträgen über Hilfe bei der Arbeitssuche bis zur Unterstützung von Lehrkräften in den Schulen zur Verfügung.“

Wer mit Ukrainisch oder Russisch bei Übersetzungen unterstützen kann, wird auch auf der Universität Innsbruck fündig. Laut Pressesprecher Christian Flatz „gibt es 60 Ukrainer, die bei uns studieren, und 90 Studenten, die Russisch studieren. Wir wissen, dass es da über private Kanäle immer wieder zu Anfragen kommt, wer beim Dolmetschen behilflich sein kann.“

Zudem gibt es eine offizielle Liste mit 15 Dolmetschern, die in Ausbildung sind oder ihr Studium bereits abgeschlossen haben. „Wir haben 3000 behördliche Einrichtungen und soziale Vereine angeschrieben, dass sie bei Interesse diese Liste anfordern können“, erklärt Katharina Redl vom Institut für Translationswissenschaft. Auch bei Dolmetschern, die in Tirol arbeiten, melden sich immer wieder verschiedene Organisationen und Firmen. „Sie brauchen u. a. Hilfe bei der Formulierung für Einreiseformalitäten, für Kontoeröffnungen oder für Informationen zu öffentlichen Verkehrsmitteln“, erzählt die Ukrainerin Anastasiia Sylvestrova, Gerichtsdolmetscherin für Russisch in Tirol und Dolmetscherin für Ukrainisch. Dass in der Ukraine in den Schulen viel Wert auf Fremdsprachen gelegt wird, erleichtert die Situation für die Flüchtlinge. „An erster Stelle steht hier Englisch, aber auch durch die gemeinsame Geschichte können viele Deutsch und zudem ist Deutsch bei der jungen Generation sehr gefragt. Und natürlich kann quasi jeder Russisch, was nochmals die Dinge vereinfacht, weil es in Tirol mehr russische Dolmetscher als ukrainische gibt“, so Sylvestrova.

Russisch und Ukrainisch sind zwei verschiedene Sprachen

Sprachunterschiede: Sprachen, die das kyrillische Alphabet verwenden, wie Russisch und Ukrainisch, werden oft miteinander vermischt, sind aber eigenständige Sprachen mit gleichen Wurzeln (ostslawische Sprachgruppe). Ukrainisch und Russisch wurde auf dem Gebiet der Kiewer Rus (9. Jh. n. Chr.) gesprochen. Nach dem Niedergang der Rus und durch die folgenden jahrhundertelangen geopolitischen Unterschiede differenzierten sich das Russische und Ukrainische aus: So mischte sich Ukrainisch mit Polnisch, Ungarisch, Österreichisch und Rumänisch. Russisch und Ukrainisch weisen Gemeinsamkeiten auf, es gibt allerdings auch signifikante Unterschiede. Ukrainisch ist seit 1991 in der Ukraine die alleinige Amtssprache.

Das Volontariatszentrum „TirolHelpsUkraine“ wurde auf Initiative des ukrainischen Priesters Volodymyr Voloshyn gegründet, der seit 20 Jahren in der Diözese Innsbruck arbeitet. Das Zentrum wird von fünf Personen geleitet.

Beim Land Tirol setzt man laut Jakob Kathrein von der Pressestelle „derzeit allen voran auf das System des so genannten Community Interpreting. Das heißt: Bereits im Zuge der Registrierung und anschließend bei der Wohnsitzmeldung ankommender Geflüchteter – die häufig Englisch oder Deutsch zumindest zur Verständigung ausreichend beherrschen – wird abgeklärt, ob sie oder ihre ukrainischsprachigen Tiroler Bezugspersonen bereit sind, weiteren Flüchtlingen sprachlich behilflich zu sein.“ Dieses System hat sich laut Kathrein auch im Schulbereich bewährt. „Insgesamt stehen der Bildungsdirektion aktuell knapp 70 Personen auf freiwilliger Basis zur Verfügung, die in Schulen bei Übersetzungen unterstützen. Ergänzend werden im Einzelfall auch konkrete Anstellungen zur Betreuung bestimmter Einrichtungen vorgenommen.“

Jetzt einen von drei Weber Grill gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

Zudem verfügt das Land Tirol für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen derzeit über einen Pool von rund 30 Personen aus der ukrainischen Community und von Studierenden, „die für interne Zwecke und bei akutem Bedarf großteils freiwillig bereitstehen“, sagt Kathrein.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung