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Stabile Jobs immer seltener: Ein Viertel der offenen Stellen sind Leiharbeit

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In Österreich waren im Februar 2022 laut AK von etwa 119.000 beim AMS gemeldeten offenen Stellen rund 30.500 Leiharbeiter-Jobs.
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Linz – Die Wirtschaftskammer wirbt derzeit mit dem Slogan „Arbeit macht mehr aus Dir“. Das stößt dem Präsidenten der Arbeiterkammer Oberösterreich Andreas Stangl sauer auf. Kampagnen wie diese würden suggerieren, dass es vor allem am Willen der Betroffenen selbst liege, einen passenden Job zu finden, so Stangl. Dabei werde auch verschwiegen, dass auf dem Arbeitsmarkt immer seltener stabile Beschäftigungsverhältnisse angeboten werden, kritisiert er. So seien in Österreich im Februar 2022 von etwa 119.000 beim AMS gemeldeten offenen Stellen rund 30.500 der Arbeitskräfteüberlassung zuzurechnen gewesen. In Oberösterreich seien sogar von etwa 30.000 offenen Stellen rund 10.000 von Leiharbeitsfirmen angeboten worden , was einem Anteil von rund 30 Prozent entspreche.

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Ein weiterer Aspekt sei, dass Leiharbeit instabiler geworden sei. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in der Arbeitskräfteüberlassung lag laut Stangl österreichweit im Beobachtungszeitraum Juli 2020 bis Juni 2021 bei 190 Tagen statt 232 Tagen. Das wäre um 42 Tage kürzer als im Vergleichszeitraum Juli 2019 bis Juni 2020. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeute dies ständige ökonomische Unsicherheit, Zukunftsängste, Verlust von betrieblicher Anbindung und längerfristig schlechtere Erwerbschancen. Diese instabilen Arbeitsverhältnisse würden auch andere soziale und ökonomische Probleme mit sich bringen, z. B. wenn ein Kredit benötigt wird oder bei der Wohnungssuche. Besonders junge Menschen würden Gefahr laufen, in einen Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit und kurzfristigen Beschäftigungen zu geraten, denn Leiharbeit bietet jungen Menschen, die oft auch aus sozial benachteiligten Familien kommen, häufig die einzige Möglichkeit, kurzfristig dringend benötigtes Geld zu verdienen.

Stangl kritisiert auch, dass Unternehmen ihre Personalsuche primär über Leiharbeitsfirmen machen würden. Leiharbeit sollte ursprünglich dazu dienen, Bedarfsspitzen abzudecken, aber nicht dazu, Regelarbeitsverhältnisse zu umgehen. (TT)


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