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Chinas Zwickmühle mit Russland: Nur der gemeinsame Gegner verbindet

Der deutsche China-Experte Hanns W. Maull über das Verhältnis Chinas zu Russland und Pekings Problem mit dem Krieg.

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Russlands Staatschef Wladimir Putin Anfang Februar diesen Jahres bei einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.
© Alexei Druzhinin via www.imago-images.de

Die NATO fordert China auf, sich angesichts des Krieges in der Ukraine klar gegen Russlan­d zu positionieren. Wird China dem nachkommen?

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Hanns W. Maull: China wird wohl weiter lavieren. Peking ist hin- und hergerissen und mit dem Krieg alles andere als glücklich. Der Krieg stellt China vor große Probleme. Einerseits will China wie auch Russland eine von den USA ökonomisch und militärisch geführte Weltordnung nicht akzeptieren, die USA sind die große strategische Herausforderung. In einer gemeinsamen Erklärung vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking betonten Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin, ihre Zusammenarbeit „kenne keine Grenzen“. Doch jenseits des Schulterschlusses gegen den gemeinsamen Gegner sind die Gemeinsamkeiten begrenzt.

Hanns W. Maull ist Senior Policy Fellow am Mercator Institute for China Studies in Berlin. Er unterrichtete Außenpolitik an der Uni Trier und lehrt am Bologna Center der Johns Hopkins School of Advanced International Studies.
© merics

Welche Rolle will China in einer neuen Weltordnung spielen? Ist überhaupt eine neue Weltordnung in Sicht?

Maull: Die etablierte liberale westliche Weltordnung unter Führung der USA ist umkämpft und umstritten. Eine neue ist im Entstehen. China fordert die etablierte Ordnung heraus, das ist eine strukturelle Entwicklung. Russlands Verhalten hat eine ganz andere Qualität. China will eine langfristig stabile Ordnung, Russland betreibt mit seinem Krieg gegen die Ukraine eine kurzsichtige geopolitische Machtpolitik. Und: Putin hat mit seinem Angriffskrieg demonstriert, dass er ein unberechenbarer Akteur ist. Und das ist ganz und gar nicht im Sinne Pekings.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und USA sind sehr eng. Könnte es sich Peking überhaupt leisten, sich auf die Seite Russlands zu schlagen?

Maull: Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den beiden sind tiefgreifend, auch wenn sowohl China als auch die USA seit einigen Jahren versuchen, die gegenseitigen Abhängigkeiten abzubauen. Chinesische Unternehmen geraten durch die westlichen Sanktionen gegen Russland in eine Zwickmühle. Sie werden kaum bereit sein, ihre Verbindungen in den Westen und ihre weltweiten Wirtschaftsinteressen aufs Spiel zu setzen.

Russlands Invasion in die Ukraine lässt auch die Taiwan-Frage wieder akut werden. Peking betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik und spricht vom Ziel einer „Wiedervereinigung“. Droht ein neuer Krieg?

Maull: Peking beobachtet die Situation in der Ukraine ganz genau. Es sieht die Schwierigkeiten des russischen Militärs und den gewaltigen internationalen Widerstand gegen Russlands Krieg mit all den Sanktionen. Kurzfristig ist sicher nicht damit zu rechnen, dass Peking den Konflikt um Taiwan eskaliert. Staats- und Parteichef Xi will auch nicht die im Oktober auf dem Parteikongress anstehende Verlängerung seiner Amtszeit aufs Spiel setzen.

Das Gespräch führte Christian Jentsch


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