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Nikolaus Schletterer in Galerie Widauer: Eine Frage der Wahrnehmung

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Nikolaus Schletterer in der Innsbrucker Galerie Widauer.
© Schlocker

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Dass Bilder so unterschiedlicher Künstler wie Max Beckmann, Marc Rothko, Alex Katz, Turner, Rousseau oder Velasquez unmittelbar mit den Arbeiten, die Nikolaus Schletterer in die Galerie Widauer gehängt hat, zu tun haben, würde man – keines Besseren belehrt – kaum glauben. Reduziert der Fotokünstler doch etwa Beckmanns 1933 in expressiver Drastik gemaltes Gemälde „Raub der Europa“ zu puren Farbquadraten, die er per Algorithmus aus aus dem Internet gefischten Bildern dieses Bilds generiert hat.

Zelebriert als nur schwer nachvollziehbares Spiel mit Wahrnehmung, indem Schletterer das konkrete Bild zur reinen Vorstellung von diesem reduziert. Um in dichter „Petersburger Hängung“ die galeristische Stirnwand mit diesen höchst eigenwilligen Interpretationen seiner Lieblingsbilder zu bestücken. Auf deren Entschlüsselung sich einzulassen allerdings nur Frustrationstoleranten zu raten ist.

Zwischen diese abstrakten Farbfelder hat Schletterer zwei großformatige Fotoarbeiten gehängt, die auf einen ersten Blick wie fein gewobene Landschaften daherkommen. In Wirklichkeit allerdings per Computer gepuzzelte künstliche Landschaften sind, basierend auf Bildern, die per Selbstauslöser den Boden eines isländischen Walds abbilden. Um durch Schletterers Transformation die Anmutung feiner Zeichnungen einer waldigen Wirklichkeit zu suggerieren, die im umgekehrten Sinn wie bei den Pixelbildern allerdings nur eine vorgestellte ist.

Ebenfalls in Island ist eine Reihe von Fotografien entstanden, deren Fixpunkt jeweils derselbe Vulkan im Hintergrund ist. Dass die Lava, auf der Schletterer geht, eine durch ihre Wärme fast skulpturale archaische Masse ist, ist allerdings fast haptisch spürbar. Genauso wie das Phänomen der Zeit, die als Lichtspur seine Nachtbilder durchkurvt.

📍 Galerie Johann Widauer. Erlerstraße 13, Innsbruck; bis Ende Mai, Di–Do 14–18 Uhr, Fr 9–13 Uhr


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