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41 Mrd. Euro an Corona-Hilfen: Ab April Aus für „koste es, was es wolle“

Im April werden nicht nur die kostenlosen Testmöglichkeiten zurückgefahren, sondern auch die allermeisten Wirtschaftshilfen eingestellt. Einige Branchen fordern weiterhin Unterstützung.

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Symbolfoto.
© ROLAND SCHLAGER

Wien – Die Corona-Pandemie dauert zwar an, doch die Zeit des "koste es, was es wolle" endet, wenn der April beginnt. Das gilt nicht nur für laufende Gratis-Coronatests sondern vor allem für die allermeisten der Wirtschaftshilfen, die eigens geschaffen wurden, um eine Pleitewelle zu verhindern. Schließlich sind die meisten Corona-Einschränkungen seit Anfang März Geschichte. Einige Branchen wie Stadthotellerie oder Nachtgastronomie fordern aber weitere Hilfe.

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Insgesamt hat die Republik laut letztem Stand (Ende Februar) 40,9 Mrd. Euro in die Hand genommen – für Verlustersatz, Garantien, Ausfallsbonus, Corona-Kurzarbeit und Co. Die Corona-Kurzarbeit – sie wird über ein angepasstes Modell verlängert –, kostete als Einzelposten mit 9,4 Mrd. Euro am meisten.

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"Das ist natürlich eine Insolvenzwelle"

Die Insolvenzen sind indes seit vorigen Herbst stark angestiegen – und bewegen sich dadurch in Richtung Normalniveau, wie Gerhard Weinhofer von der Creditreform am Mittwoch im Gespräch mit der APA sagte. Mit dem Auslaufen der meisten Hilfen werde dieser Trend noch beschleunigt. In den ersten drei Monaten 2022 gingen laut KSV1870 1.011 Unternehmen pleite. Damit haben sich die Insolvenzen gegenüber dem ersten Quartal 2021 mehr als verdoppelt. "Das ist natürlich eine Insolvenzwelle", sagte Weinhofer. Es sei aber "absolut richtig, die Hilfen nicht weiter zu verlängern".

Heuer rechnet er mit etwa 5000 Firmenpleiten im Gesamtjahr, das wäre in etwa so viel wie in den Jahren 2018 und 2019, als ein recht niedriges Insolvenzniveau herrschte. "Das würde bedeuten, dass die Insolvenzquote bei 1,25 Prozent liegt", sagte Weinhofer. Was eine weitere Eskalation der Ukraine-Krise für die Zahl der Firmeninsolvenzen bedeuten würde, wollte der Experte aufgrund der Komplexität der Vorgänge nicht prognostizieren.

📽️ Video | Ende der Corona-Hilfen für die Gastro

(Stadt-)Hotellerie und Nachtgastronomie fordern Fortsetzung

Zurück zu den Corona-Hilfen: Hier rufen vor allem (Stadt-)Hotellerie und Nachtgastronomie nach einer Fortsetzung der Unterstützung. Der Sprecher der Nachtgastronomie, Stefan Ratzenberger, sprach zuletzt von einer "unfassbaren Herausforderung". Seine Sparte habe auch nicht von der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie auf 5 Prozent profitieren können, da man geschlossen halten musste.

"Auf jeden Fall verlängert gehört die Sonderregelung der Kurzarbeit für die besonders betroffenen Betriebe, aber vor allem auch der Ausfallsbonus und der Verlustersatz", forderte Susanne Kraus-Winkler, Chefin der Hotellerie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), gegenüber dem ORF-Radio Ö1. Zumindest bis zum Jahresende sei das nötig. "Bei beiden ist es so, dass nicht jeder sie bekommt, sondern nur, wenn der Betrieb wesentliche Umsatzeinbrüche weiterhin hat."

In den Städten, allen voran in Wien, fehlten seit zwei Jahren die meisten ausländischen Gäste und das werde sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern, so Kraus-Winkler. Vor allem die asiatischen Gäste, etwa aus China, und auch Touristen aus den USA würden noch länger fehlen.

Abwicklerin für die allermeisten Hilfen für Unternehmen war und ist die COFAG, die vom Bund eigens dafür gegründet wurde.

Das seit März 2020 laufende Corona-Kurzarbeitsmodell wurde Mitte 2021 reformiert, seither waren zwei verschiedene Modelle beantragbar. Einerseits gibt es eine unveränderte Variante für besonders betroffene Unternehmen bis Ende März 2022 und andererseits ein Übergangsmodell mit reduzierter Förderhöhe für Betriebe bis Ende Juni 2022. Die Nettoersatzrate für Beschäftigte in Corona-Kurzarbeit ist seit März 2020 unverändert und liegt je nach Einkommenshöhe bei 90 Prozent, 85 Prozent oder 80 Prozent. Am meisten Beschäftigte waren im April 2020 in Kurzarbeit, damals erhielten 1,04 Millionen Personen Kurzarbeitsbeihilfe. Zur Kurzarbeit waren am Anfang der Woche noch rund 164.000 Personen vorangemeldet. (APA)


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