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Tirol investiert 2,4 Mio. Euro in Aufbau von psychosozialen Zentren

Die vier Zentren sollen ab April in Innsbruck, Imst, Lienz und im Unterland als Drehscheibe und erste Anlaufstelle dienen. Multiprofessionelle Teams sollen zeitnahe, kostenlose und kompetente Hilfe bieten.

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Tirol erweitert das Angebot für Menschen, denen es nicht gut geht.
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Innsbruck – In Tirol entstehen ab April vier psychosoziale Zentren (PSZ), die als Drehscheibe und erste Anlaufstelle für all jene dienen, denen es psychisch nicht gut geht. Multiprofessionelle Teams bieten dort zeitnahe, kostenlose und kompetente Hilfe. 2,4 Millionen Euro sollen bis Sommer in den Ausbau fließen, drei Tiroler psychosoziale Trägerorganisationen arbeiten zusammen. Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) sprach im Rahmen einer Pressekonferenz von einem "Meilenstein".

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Krisen können alle treffen

Krisen könnten alle treffen, unterstrich Fischer vor den Vertreterinnen und Vertretern der Medien am Mittwoch. Dann sei es wie am Berg: "Wenn am Horizont der Sturm aufzieht, dann sucht man Schutz", zog die Soziallandesrätin einen Vergleich. Vielfach sei aber die Hürde, Hilfe in Anspruch zu nehmen, noch hoch. "Wir müssen darüber reden", betonte Fischer, es sei ein "Zeichen der Stärke", sich Hilfe zu holen. In den vier psychosozialen Zentren ortete sie ein "ausdifferenziertes Angebot, das eine Lücke schließen wird".

Nach Ostern eröffnet das erste Zentrum in der Innsbrucker Maximilianstraße, ab dann kann unter der Nummer 050 500 ein Termin vereinbart werden, informierte die Soziallandesrätin. Die um Hilfe suchende Person bekomme zeitnah, während der Dienstzeiten zwischen 9.00 und 14.00 Uhr einen Termin zum persönlichen oder telefonischen Gespräch, in dessen Rahmen die Situation abgeklärt und der Hilfebedarf durch ein multidisziplinäres Team erörtert wird. Bei Bedarf erfolgt eine zeitnahe fachärztliche Abklärung.

V.r.: LRin Gabriele Fischer mit Michael Wolf, Geschäftsführung Psychosoziale Zentren Tirol (vorne), Markus Walpoth, Geschäftsführung pro mente tirol, Leo Alber, Geschäftsführung Psychosozialer Pflegedienst Tirol und Robert Fiedler, Geschäftsführung start pro mente (hinten).
© Pölzl

Ab Mai steht Betroffenen ein PSZ in Imst zur Verfügung, im Juni eröffnet ein solches in der Osttiroler Bezirkshauptstadt Lienz und im Juli folgt schließlich das vierte Zentrum im Unterland. Dort wird aktuell noch nach einem geeigneten Standort gesucht. Zu den zentralen Standorten soll es in einem weiteren Schritt auch tageweise besetzte Außenstellen geben.

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Durch die Errichtung jener Zentren würde auf die wesentlichen Problemlagen eingegangen, versicherte Markus Walpoth von pro mente tirol. Die Trägerorganisationen pro mente tirol gemGmbH, der Verein Psychosozialer Pflegedienst und die start pro mente gemGmbH haben sich vor dem Hintergrund der Empfehlung des Beirates für psychosoziale Versorgung zusammengeschlossen. Die Schaffung der PSZ ist Teil des Maßnahmenplans "psychische Gesundheit" der Landeszielsteuerungskommission Tirol vom November 2019.

Betroffene zeitnah erreichen

Durch die PSZ erreiche man die Betroffenen zeitnah und biete Überblick und Information über die vorhandenen Angebote, führte Walpoth aus. Oft handle es sich um "komplexe Problemlagen, die eine Institution nicht alleine abklären kann". Neben der "Vernetzungsleistung" böten die Zentren im Rahmen von "Helfer:innenkonferenzen" die Möglichkeit, auch das soziale Umfeld der Betroffenen in die psychosoziale Begleitung zu integrieren. Die Zentren stellten zudem eine Art "feinen Seismographen für aktuelle Entwicklungen" dar, auf die man proaktiv reagieren könne. Außerdem könnten Betroffene auch mobil aufgesucht werden, strich Walpoth eine Besonderheit der PSZ hervor. Dadurch sollten erste Hürden überwunden werden.

Der psychosozial-fachliche Geschäftsführer der Psychosozialen Zentren Tirol, Michael Wolf, sah die PSZ als eine "wichtige Ergänzung" zu der "recht gut aufgestellten" Versorgungslandschaft in Tirol. Sie würden das Angebot überblicken und Vorschläge zu dessen Weiterentwicklung einbringen. Für den Fall von Wartezeiten seien Überbrückungsleistungen möglich, die den Abbruch der Versorgung verhindern sollen. Wolf lobte die Zusammenarbeit zwischen den Trägerorganisationen und die Unterstützung der Landesregierung.

Leo Alber vom Psychosozialen Pflegedienst Tirol führte neben den "Helfer:innenkonferenzen" zwei weitere Schwerpunkte der PSZ ins Treffen: regionale Vernetzungstreffen und regelmäßige Fort- und Weiterbildungen. "Peer-Berater", also Menschen die ähnliche Krisen erfolgreich überwunden und deshalb aus eigener Erfahrung Halt und Hoffnung bieten können, sollen zum Einsatz kommen. Wichtig sei die Regionalität, hob Alber hervor. Im ländlichen Bereich sei die Hürde, sich Hilfe zu holen, oft noch größer als im Großraum Innsbruck. (APA)


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