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Aus Grauen generierte Poesie im Fotoforum: In Tschernobyl unterwegs

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Der Mensch verblasst in Kazuma Obaras Bildern zu Schemen.
© Kazuma Obara

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Aktueller könnte die neue Ausstellung im Fotoforum nicht sein, spielen die Arbeiten des Japaners Kazuma Obara doch in der Ukraine. Allerdings sieben Jahre vor dem Krieg von heute in Tschernobyl, einem „Kriegsschauplatz“ der anderen, wenn auch nicht minder toxischen Art. Dass die unheilvolle Wirkung atomarer Unfälle Obara umtreibt, ist alles andere als zufällig, ist der 37-Jährige doch ganz in der Nähe von Fukushima geboren.

Nach dem Super-GAU von Tschernobyl verlassene – inzwischen zu zweifelhaften touristischen Destinationen gewordene – Orte waren das Ziel von Obaras 2015 unternommener Reise. Um mit seit mehr als 20 Jahren abgelaufenen Farbfilmen zu fotografieren. Mit Ergebnissen, die für den Fotografen voller Überraschungen waren. Und wunderbar die Atmosphäre dieser Orte reflektieren, die fluchtartig von ihren Bewohnern verlassen werden mussten. Das Kleid, das an einer Tür auf einem Bügel hängt, konnte nicht mehr angezogen werden, die Pflanzen sind vertrocknet, die Tapeten blättern ab. Das Riesenrad, das die Attraktion eines ehemals viel besuchten Freizeitparks war, steht seit Langem still.

Es ist eine poetisch in feinsten, bisweilen fast dreidimensional daherkommenden Grau-Nuancen verdämmernde Welt, die Obara porträtiert, verführerisch ästhetisch trotz der grausamen Wahrheit, die sie generiert hat. Und in der der Mensch zum Schemen verblasst, ganz im Gegensatz zu Obaras Zyklus „Everlasting“. Er ist während einer Zugreise von Tschernobyl nach Slawutytsch entstanden, einer kurz nach der Katastrophe aus dem Boden gestampften Stadt, in der Arbeiter leben, die die stillgelegten Reaktoren überwachen bzw. warten.

Um bei diesen kurzen Zugfahrten Karten zu spielen, ein Nickerchen zu machen, zarte amouröse Bande zu flechten oder aus dem Fenster zu schauen. Was auch der Fotograf tut, der hier von Alltäglichem in einer Umgebung erzählt, die alles andere als alltäglich ist. Reizvoll ergänzt durch Archivbilder von einem sehr fernen Davor. Wieder in die Ukraine reisen möchte Obara so bald wie möglich.

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Fotoforum. Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 26. April, Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr


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