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Gewessler: Gas-Zahlungen weiter in Euro, Vorbereitung auf „alle Fälle“

Weil eine Bank dazwischen geschaltet wird, kann Österreich sein Gas aus Russland weiterhin in Euro bezahlen, erklärt die Energieministerin in der „ZiB 2“. Ministerium und E-Control bereiteten sich aber „auf alle Fälle“ vor, versichert Gewessler.

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Energieministerin Leonore Gewessler am Freitagabend im ORF.
© Screenshot/ORF

Wien – Westliche Staaten wie Deutschland und Österreich müssen nach russischer Darstellung ab 1. April Konten bei der Gazprombank eröffnen, um weiter Gas zu erhalten. "Nach derzeitigen Wissenstand ist es so, dass die Zahlungen weiter in Euro abgewickelt werden können, weil eine Bank dazwischen geschaltet wird", sagte Umwelt- und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Freitagabend in der "ZIB2".

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Nach der Ankündigung von Gazprom, künftig nur noch gegen Bezahlung in Rubel zu liefern, haben der heimische Öl- und Gaskonzern OMV und der russische Konzern Kontakt aufgenommen, wie ein Firmensprecher am Freitag mitteilte: "Mittlerweile haben wir eine schriftliche Information von Gazprom erhalten, die wir nun analysieren." Die Verträge der OMV mit Gazprom lauten auf Euro.

Vorbereitungen für den "Worst Case"

Gewessler betonte erneut, dass man sich "auf alle Fälle" vorbereite, auch auf eine Einstellung der Gaslieferungen aus Russland. Die Regulierungsbehörde E-Control sei im Austausch mit Gas-Großverbrauchern, um im Falle einer Energielenkung schnell entscheiden zu können.

Die Kritik der Industriellenvereinigung am Krisenmanagement des Energieministeriums wies Gewessler zurück. Man habe unter anderem in Rekordzeit die strategische Gasreserve im Nationalrat beschlossen und die Gas-Frühwarnstufe ausgerufen. Durch die hohe Abhängigkeit von russischem Gas sei die heimische Industrie verwundbar, so die Ministerin. Die Betriebe hätten jahrelang von billigem Gas profitiert. In den letzten 10 bis 15 Jahren sei von den Regierungen nichts unternommen worden, um die Abhängigkeit Österreichs von Russland zu reduzieren, sagte Gewessler. Österreich bezieht sein Gas zu 80 Prozent aus Russland, Deutschland zu 50 Prozent. Die Umweltministerin appellierte an die heimischen Betriebe und Verbraucher "sorgsam" mit Öl und Gas umzugehen.

Österreich hat am 30. März die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür sei die Ankündigung Russlands, dass Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen, hieß es damals aus dem Energieministerium.

📽️ Video | Energieministerin Gewessler in der "ZiB 2"

Aufgrund der Frühwarnstufe informiert der unabhängige Systemmanager Austrian Gas Grid Management (AGGM) nun täglich über die aktuelle Lage: "Die Gasflüsse in Richtung aller österreichischen Marktgebiete, auch die Importe über die Ukraine, laufen aktuell unterbrechungsfrei", heißt es im Lagebericht vom 1. April. Die Preissituation an den Märkten sei aber "weiter angespannt und volatil". "Die heimische Versorgung von Endkunden wurde in den letzten Tagen vollständig aus Importen gedeckt, die Speicherfüllstände steigen", so die AGGM. "Trotz der im historischen und saisonalen Vergleich niedrigen Speicherfüllstände in Österreich sowie des Konflikts in der Ukraine ist aus aktueller Sicht keine Störung der Versorgung österreichischer Endkunden zu beobachten."

Die Gasspeicher in Österreich waren laut Daten des europäischen Branchenverbandes GIE (Gas Infrastructure Europe) am 31. März zu 13,1 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr zu diesem Zeitpunkt belief sich der Füllstand auf 24,6 Prozent, vor zwei Jahren auf 73,4 Prozent und vor drei Jahren auf 48,1 Prozent. Ähnlich niedrig wie derzeit war der Gas-Füllstand im Jahr 2017 und 2018 mit 14,6 bzw. 14,5 Prozent. (APA)


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