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Marvel-Serie „Moon Knight“: Ich bin viele – und das ist erst der Anfang

Oscar Isaac spielt in der Marvel-Serie „Moon Knight“ einen Helden mit mehreren Persönlichkeiten – und einem altägyptischen Einflüsterer.

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Marvels multipler Held: Die erste Folge von „Moon Knight“ ist seit Mittwoch bei Disney+ abrufbar.
© Marvel/Disney

Von Joachim Leitner

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Innsbruck – Der Moon Knight dürfte selbst Comic-Kennern bislang wenig gesagt haben. Moon Knight ist ein Marvel-Held aus der zweiten oder eher dritten Reihe. Mitte der 1970er-Jahre tauchte er erstmals auf. Ab 1980 hat er eine eigene Reihe. Er gilt als Versuch Marvels, die Popularität von Batman, der für Konkurrenzverlag DC die Welt rettet, auszunutzen. Wie der Dark Knight ist auch der Moon Knight ein Nachtflatterer. Doch die Sache ist etwas komplizierter als beim traumatisierten Millionärsbürschchen Bruce Wayne und seinen Fledermäusen. Im Moon-Knight-Kostüm steckt nämlich einer, der viele ist, eine mehrfach gespaltene Persönlichkeit: ein Typ, der abends als britischer Loser ins Bett geht – und sich am nächsten Morgen im Gebirge wiederfindet, wo er als amerikanischer Söldner ein Massaker mitverantwortet hat. Und auf die eine oder andere Art sind beide, der Loser und der Söldner, die Reinkarnation des altägyptischen Mondgottes Khonshu.

Wie gesagt: Moon Knight ist kompliziert. Und die gleichnamige Serie, die diese Woche beim Streamingdienst Disney+ gestartet ist, ist es auch. Bis man mitkriegt, was da eigentlich Sache ist, ist die erste Folge beinahe vorbei. Das wäre ernüchternd, wenn der multiple Held nicht von Oscar Isaac gespielt würde. Auch für ihn sei „Moon Knight“ etwas ganz Neues gewesen, sagt der „Star-Wars“- und „Dune“-Star. Aber genau das habe ihn gereizt – ein Charakter zu werden, der ein, zwei, drei Charaktere sei. Die Einladung zum lustvollen In-die-Vollen-Gehen nimmt Isaac jedenfalls an. Ethan Hawke, der einen eigentümlichen Sektenführer und damit den großen Schurken spielt, hält sich hingegen ganz fein zurück: „Es gibt eine lange Tradition geistig abnormer Bösewichte. In Moon Knight ist der Held durchgeknallt. Das war die Herausforderung. Es dreht den Prozess um. Ich kann den Bösen nicht irre spielen, weil schon unser Held irre ist“, so Hawke.

📽️ Video | „Moon Knight“:

Auch durch solche Verschiebungen ist die Serie auf anregende Art unübersichtlich. Zunächst jedenfalls. Denn – die TT durfte vier von sechs „Moon Knight“-Folgen vorab sehen – es wird übersichtlicher. Wobei Übersichtlichkeit bisweilen auf Kosten des Spaßes geht. In Episode eins gelingt „Moon Knight“-Regisseur Mohamed Diab ein Kunststück: Er inszeniert eine Actionszene, in der man die Action gar nicht sieht – weil der Held bisweilen das Bewusstsein verliert – und danach trotzdem durchschnaufen muss.

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Es mag auch an solchen Ideen liegen, dass Marvel „Moon Knight“ nicht als Film ins Zentrum des konzerneigenen Cinematic Universe gestellt hat, sondern als sechsteilige Serie an dessen Rand positioniert hat. Für einen Blockbuster-Schnellstart wäre „Moon Knight“ zu abseitig, zu experimentell und zu dunkel. „Wir wollten keine Horrorgeschichte erzählen, aber gruselig sollte es schon werden“, sagen die beiden Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead. Sie haben die Folgen drei und vier der Serie inszeniert. Moorhead und Benson wurden mit wagemutigen Low-Budget-Schockern wie „The Endless“ (2017) bekannt. Wie für Mohamed Diab – der Ägypter zählte mit seinem Drama „Clash“ 2016 zu den Festivallieblingen in Cannes – ist „Moon Knight“ auf für Moorhead und Benson die erste großbudgetierte Arbeit. Alle drei loben die kreative Freiheit, die ihnen Marvel beim, so Diab, „Versuch, echten Horror, Komödie, Action und sehr seriöses Drama zu vermischen“, gelassen habe. Natürlich muss man solchem Lob von Angestellten für ihre beinahe allmächtigen Arbeitgeber misstrauen. Aber „Moon Knight“ ist gewagt und schräg genug, dass es tatsächlich die Wahrheit sein könnte.

📺 Moon Knight läuft seit dieser Woche bei Disney+.


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