Entgeltliche Einschaltung

Überdosis Liebe: Bilderbuch legen neues Album vor

Wenn schon Isolation, dann zu zweit: Mit „Gelb ist das Feld“ legen Bilderbuch ihr inzwischen siebtes Album vor. Ein Sound, der angenehm berauscht.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Mit „Gelb ist das Feld“ gehen Philipp Scheibl, Peter Horazdovsky, Maurice Ernst und Michael Krammer (v. l.) ab April auf Tour – ohne Stopp in Tirol.
© Hendrik Schneider

Von Barbara Unterthurner

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck – Es gab Begehren. Es gab Dus, die „candy“ sind. Oder ein „Wir“, das „nie game over“ ist. Für alles andere reichte „Baby“. Das L-Wort – so gerade heraus, ohne dabei ins Englische zu flüchten – hatte man bei Bilderbuch bisher noch nie gehört. Und jetzt? Zeitenwende im neuen Album „Gelb ist das Feld“, das übermorgen erscheint: Das wohl bekannteste Quartett der jüngeren österreichischen Musikgeschichte stellt Herzensangelegenheiten ins Zentrum seiner neuen Musik.

Liebe auf den ersten Blick ist der neue Sound von Bilderbuch für HörerInnen übrigens nicht. Die 14 Tracks brauchen Zeit. Die geben ihnen Bilderbuch auch: Seit gut einem Jahr wird Single um Single veröffentlicht. So gelb das Feld, so lang schien der Weg hin zur siebten LP: Zwei Tage vor Release ist die Hälfte des Albums bereits bekannt.

Wohin die Reise dieses Mal geht, war aber bereits mit dem schön harmonischen „Nahuel Huapi“/„Daydrinking“ klar: Bilderbuch 2022 ist weniger Pop, mehr Gitarre. Clean. Klar. Auf den Punkt. So wie die Band schon lange nicht mehr geklungen hat. Oder vielleicht noch gar nie.

Seit 2008 gibt es die Band in der aktuellen Besetzung, Frontmann Maurice Ernst, Gitarrist Michael Krammer, Peter Horazdovsky (Bass) und Philipp Scheibl (Drums) waren damals Indie-Rocker. Der große Erfolg kam mit dem Stilwechsel: „Maschin“ bahnte sich großspurig den Weg an die Chartspitze – und hinterließ Spuren. Bilderbuch mauserte sich zum erfolgreichsten Pop-Act der Stunde. Und zu Austrias heißestem Pop-Export.

Jetzt einen von drei Weber Grill gewinnen

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

📽 Video | Bilderbuch - Baby, dass du es weißt

So richtig abgeebbt ist diese Erfolgswelle bis heute nicht. Die obligatorischen Grenzüberschreitungen machen die Fans gern mit. Auch die jüngste Rückbesinnung zur Gitarrenmusik. In „Gelb ist das Feld“ trifft Rock auf Shoegaze und Pop. Die Einflüsse reichen von Fleetwood Mac bis zu Lush. Ein Sound, der mit Maurice Ernsts Denglisch und endlosen Oh-Oh-Oh-Chören (in „Baby, dass du es weißt“) eben richtig gute Laune macht – auch weil er in diese düstere Zeit so gar nicht passen will.

Glattgebügelt ist Bilderbuch deshalb nicht. An den richtigen Stellen meldet sich die Gegenwart zu Wort. Im richtigen Kontext: „Isolation“ kommt zu zweit daher (in „Daydrinking“). Auch „anxiety is calling“ (in „I’m not gonna lie“), dennoch scheint „die Sonne die ganze Nacht“. Ja, die ganze Welt ist „in change“. Also darf endlich ganz unironisch geliebt werden: „Niemals hab ich geliebt zuvor/wie ich dich liebe, wenn du mich berührst“ heißt es in „Blütenstaub“ nebst Bienenbrummen und Vögelgezwitscher. Es ist Frühling. Kein Wölkchen an diesem Musikhimmel. Oder wie Ernst in „Schwarzes Karma“ unkitschig abkitscht: „Wenn ich sterbe, dann an Liebe overdose“. Keine Angst, eine Überdosis Liebe droht bei dieser LP nicht. Man ist einmal mehr angenehm berauscht.

Alternative, Pop Bilderbuch: Gelb ist das Feld. Maschin Records.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung