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„Märzengrund“ von Adrian Goiginger: Rückzug nach oben

Regisseur Adrian Goiginger präsentiert „Märzengrund“ diese Woche in Graz und Bozen.

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Nach seinen Festivalpremieren kommt „Märzengrund“ im August regulär in die Kinos.
© Metafilm/Filmladen

Von Marian Wilhelm

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Graz – Ein Perspektivenwechsel kann das Leben verändern, manchmal auch radikal. Das muss Elias, die Hauptfigur des Films „Märzengrund“, gleich mehrfach erfahren. „Märzengrund“ ist die lange erwartete, zweite Regie-Arbeit von Adrian Goiginger, der 2017 mit „Die beste aller Welten“ einen der eindrucksvollsten und publikumsstärksten österreichischen Filme seit Langem vorgelegt hatte. Sein neuer Film kommt diese Woche bei der Diagonale in Graz und beim Filmfestival Bozen zur Premiere. Vorlage ist Felix Mitterers gleichnamiges, 2016 beim „stummen schrei“ im Zillertal uraufgeführtes, an einem authentischen Fall orientiertes Volksstück.

Der Bauernsohn Elias soll den Hof übernehmen, doch die vorgezeichnete Zukunft und die allzu unfreie Tal-Gesellschaft überfordern ihn. Und so geht er, nach einem einschneidenden Vorfall, als Einsiedler hinauf auf den titelgebenden Märzengrund.

Was an eine Geierwally-Variation erinnert, inklusive Vogel-Motiv im Film, ist hier mitten im anderswo wilden Jahr 1967/68 angesiedelt. Es gibt Autos (NSU Prinz) und Party-Musik aus der Dose (Roy Black) in dieser mit Themen und Problemen des 19. Jahrhunderts aufgeladenen Geschichte.

📽️ Trailer | „Märzengrund“

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Adrian Goiginger sucht einen möglichst universellen Zugang zu dieser anachronistischen Vorlage. Er findet sie in intensiven Naturbildern. Diese erhaben-sonnigen Bergpanoramen geben dem Film jene Ruhe, in der sich Elias sucht und findet. Nach einem großen Zeitsprung taucht er nach 40 Jahren mit weißem Bart wieder aus einem Bergsee auf und der Film erzählt ein zweites Schlusskapitel, mit einem halben Leben dazwischen. Hier brilliert Johannes Krisch, während Jakob Mader, der in „Märzengrund“ als junger Elias debütiert, unter anderem von Verena Altenberger aus der Lebensbahn geworfen wird. Gerti Drassl und ein großartiger Harald Windisch geben den holzschnittartigen Figuren der Eltern Nachvollziehbarkeit.

Regisseur Goiginger hat alle Hände voll damit zu tun, die Kitsch-Gefahr zu bannen, die in Mitterers simpler Tirolensie steckt. Die Dynamik und Leichtigkeit seines autobiografischen Debütfilms blitzt in „Märzengrund“ leider nur selten auf.

Bei der diesjährigen Diagonale ist „Märzengrund“ der auffälligste, aber nicht der einzige Tiroler Beitrag. Caspar Pfaundler widmet sich in „Just be There“ dem Tanz. Ale Bachlechner, Valerie Pelet und Matteo Sanders sind mit Kurzfilmen vertreten.


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