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„Cyrano de Bergerac“: Liebes-Spiel und Wort-Gefechte

Erfreulich vielschichtig: Lily Sykes sorgt für eine fulminante Umsetzung von Martin Crimps Neufassung des „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand.

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Legendäre Nase und tragische Liebe: Cyrano (Franz Pätzold) und Roxane (Lilith Häßle) berühren am Burgtheater.
© Nikolaus Ostermann

Von Bernadette Lietzow

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Wien – Um etwaigen Befürchtungen, dass Neufassungen meist mit der Demolierung klassischer Bühnenwerke einhergehen, den Wind aus den Segeln zu nehmen: Der Dramatiker Martin Crimp verneigt sich in seiner Bearbeitung des 1897 uraufgeführten Versdramas „Cyrano von Bergerac“ ehrfurchts- wie liebevoll vor dessen Autor Edmond Rostand. Zugleich zieht er eine Art lyrischer Linie in die Gegenwart mit der Würdigung der seit den 1990er-Jahren wunderbar sprachmächtigen britischen Spoken-Word-PoetInnen wie beispielsweise Kae (bis 2020 Kate) Tempest. Entstanden ist so ein im besten Sinn aufgefrischtes romantisches wie komödiantisches Stück, das die ebenfalls aus England stammende Theaterregisseurin Lily Sykes ungeheuer (wort-)gewitzt, unerschrocken und zugleich berührend im Burgtheater umsetzt.

Márton Ághs Bühne, eine etwas schlampige Künstlergarderobe mit mehreren Schminktischen, kann sich, bespannt mit Leinen, an denen die mit einem roten Kreuz versehene Wäsche von Gefallenen flattert, in ein Feldlager verwandeln oder auch verträumter Ort von Cyranos feinsinniger Liebes-Einflüsterung sein. Die Einfühlung in die jeweiligen Schauplätze verdankt sich dem erstklassigen siebenköpfigen Ensemble, das neben den Hauptfiguren auch alle weiteren Rollen übernimmt.

Franz Pätzold ist als Cyra-no kraftvoll und glaubhaft der tragische Held wie Kämpfer für die Unabhängigkeit des Geistes, ausgestattet mit jenem missgebildeten Geruchsorgan, das den Raufbold und Poeten vor sich selbst und den anderen zum Außenseiter stempelt. Wenn dieser Cyrano den simplen Beau Christian, den Tim Werths nicht nur in einer köstlichen Slapstickszene fabelhaft gestaltet, dabei unterstützt, jene Roxane zu gewinnen, die er selbst verehrt, wird deutlich, wie sehr neben Wehmut der unbedingte Wille zum akkurat passenden Wort regiert.

Wie überhaupt, äußerst leichtfüßig, angereichert mit Kalauern ebenso wie mit großer Poesie, in dieser Interpretation ein Fest der Sprache(n) gefeiert wird. Ob Lilith Häßle, die die schöne Roxane als selbstbewusste junge Frau vorstellt, Alexandra Henkel in der großartig schrägen Rolle der Buch-Café-Besitzerin Leila Ragueneau oder Bless Amada (Lignière) und Gunther Eckes (Le Bret), sie alle tragen mit bemerkenswertem Sprech-Elan zum Vorhaben bei, „Cyrano“ in ein Heute zu übersetzen. Eine Glanzleistung als intrigant-wehleidiger Kommandant beim Morgen-Briefing seiner Truppe im Heerlager vollbringt auch Markus Scheumann als De Guiche, von Lignière beschrieben als „Lakai – gehört zu Kardinal Richelieus Gedankenpolizei“. Wouter Rentemas und Jan Schoewers Kompositionen mit Anleihen bei Elvis, Sting und historischer Militärmusik runden, interpretiert von den auch sängerisch und an Instrumenten begabten DarstellerInnen, die gelungene Produktion kongenial ab. Sehenswert!

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