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Innsbruck zieht Bilanz: Eltern stoßen bei Erziehung an Grenzen

Die Zahl der Gefährdungsmeldungen von Kindern bleibt in Innsbruck weiter hoch. Aufruf zum Handeln.

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VBM Johannes Anzengruber und Amtsvorstand der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Innsbruck, Raphael Hölbling, rufen auf, prekäre Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen zu melden. Auf insbruck.gv.at gibt es dazu ein Online-Formular.
© Hrdina

Innsbruck – Pandemie und Krieg, steigende Lebenshaltungskosten und Arbeitsplatzunsicherheit, emotionaler Stress. Die Veränderungen in Berufsleben und Gesellschaft erhöhen den Druck auf Familien. Dass diese immer öfter an ihre Grenzen stoßen, zeigt die Bilanz des Amts für Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Innsbruck. Die Zahl der Gefährdungsmeldungen bei Kindern und Jugendlichen nahm seit Beginn der Pandemie in Europa um 35 Prozentpunkte zu. 2019 wurden 880 Verdachtsfälle gemeldet, 2020 waren es bereits 1203. Vergangenes Jahr zeichnete sich mit 1188 Meldungen keine Entspannung ab.

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Familien waren für einen längeren Zeitraum auf engstem Raum zusammen. Kinder konnten nicht in Betreuungseinrichtungen, Eltern arbeiteten zuhause, „es kann vermehrt zu innerfamiliären Konfliktsituationen kommen“, fasst Amtsvorstand Raphael Hölbling zusammen. Bei fast einem Drittel der Meldungen (368) konnten die Sozialarbeiter des Amtes nach Überprüfung keine Gefährdung feststellen. In 306 Fällen bestand zwar keine erhebliche Gefährdung, wohl ortete man aber Unterstützungsbedarf. Das Amt vermittelt hier zu Sozial- und diversen Hilfseinrichtungen. 222-mal waren Kinder und Jugendliche „in anderer Weise erheblich gefährdet“ – etwa bei Überforderung bzw. psychischen und/oder Suchtmittelproblemen der Eltern. Vermehrt wurde eine Vernachlässigung oder Verwahrlosung von Kindern (72 Fälle, 2020: 51) bzw. Gewaltausübung (130; 100) festgestellt. Schlugen 2020 zwei Fälle von sexuellem Missbrauch beim Amt auf, waren es nun sieben. Bei 31 Minderjährigen war Gefahr in Verzug. Sie mussten (vorübergehend) in Hilfseinrichtungen oder bei Pflegefamilien untergebracht werden – die Ultima Ratio, betont Hölbling. Im Jahr zuvor waren es mit 20 Kindern deutlich weniger.

Zeichnet sich Überforderung ab, sollten Eltern frühzeitig um Rat fragen, verweist Hölbling auf ein breites Angebot an Anlaufstellen (Kinder- und Jugendhilfe, Mo–Fr je 8–12 Uhr, Tel. 0512 5360 9228, E-Mail post.kinderhilfe@innsbruck.gv.at; Rund um die Uhr: Sorgentelefon 142). Auf www.innsbruck.gv.at können Gefährdungsmeldungen online abgegeben werden, auf Wunsch auch anonym. Durch Lockdown und Distance Learning hätten zuletzt beispielsweise Pädagogen etwaige prekäre Lebensverhältnisse von Schützlingen weniger wahrnehmen können. „Jeder, der feststellt, dass es einem Kind oder Jugendlichen nicht gut geht“, sollte handeln, appelliert VBM Anzengruber. (jazz)


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