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Tragikomödie „Red Rocket" im Kino: Ein Pornostar in der Midlife-Crisis

Ein verzweifelter Pornostar, der zu seinen texanischen Wurzeln zurückkehrt. Die Figur des Mikey Saber wird vortrefflich gespielt von dem früheren MTV-Moderator und ehemaligen Pornodarsteller Simon Rex.

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Während er seine Noch-Ehefrau Lexi benutzt und lieblosen Sex mit ihr hat, beginnt Mikey Saber eine Affäre mit einer siebzehnjährigen, rothaarigen Lolita, die sich ausgerechnet Strawberry (Suzanna Son) nennt.
© Universal Pictures

Von Marietta Steinhart/APA

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Wien – Als Indie-Filmemacher hat Sean Baker ein potentes Werk rund um Geschichten vom Rand der amerikanischen Gesellschaft aufgebaut. Seine neue Tragikomödie "Red Rocket" dreht sich um einen Pornostar in der Midlife-Crisis, der zu seinen texanischen Wurzeln zurückkehrt. Er wird vortrefflich gespielt von dem früheren MTV-Moderator und ehemaligen Pornodarsteller Simon Rex. Ab Donnerstag in ausgewählten Kinos.

Sean Baker, der in New Jersey geborene Filmemacher hinter "The Florida Project" und "Tangerine", hat sich zum Verfechter des heruntergekommenen Verité entwickelt. Er ist ein scharfer Chronist der ausgestoßenen Amerikaner. Dass er sie immer wieder mit so viel Zuneigung und Respekt betrachtet, zeichnet seine Filme aus, die auch etwas Tiefgründiges und Politisches zu sagen haben. Dasselbe gilt auch für "Red Rocket", dessen Titel im Amerikanischen umgangssprachlich für die Erektion eines Hundes steht.

📽 Filmtrailer | "Red Rocket"

Nachdem er Jahre lang als Pornodarsteller in Los Angeles verbracht hat, stolpert Mikey Saber (Simon Rex) pleite zurück zu seiner Nochehefrau Lexi (Bree Elrod) und deren Mutter (Brenda Deiss), die am Stadtrand von Texas City im Schatten dampfender Ölraffinerien leben. Er erbettelt sich im Wesentlichen den Weg zurück in ihr Haus. Er unternimmt einen halbherzigen Versuch, gescheite Arbeit zu finden, endet aber bald damit, Gras für benachbarte kleine Stricher zu verkaufen.

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Während er Lexi benutzt und lieblosen Sex mit ihr hat, beginnt er gleichzeitig eine Affäre mit einer siebzehnjährigen, rothaarigen Lolita, die sich ausgerechnet Strawberry (Suzanna Son) nennt. Sofort verliebt, beginnt er, seine ganze Zeit mit dem Mädchen zu verbringen, wobei jeder dem anderen vorgaukelt, das Mittel zur Flucht aus diesem Loch zu sein. Mikeys Wahn nimmt jedoch eine finsterere Gestalt an, als er versucht, aus Strawberry einen Pornostar zu machen.

Man weiß nicht so recht, ob man ihn lieben oder hassen soll. Und den Menschen, die er im Film trifft, scheint es ähnlich zu gehen. Er prahlt damit, dass er Videopreise gewonnen hat – für Oralsexszenen, in denen er der "Empfänger" war. Er zettelt eine Affäre mit einer Minderjährigen an, der er das Blaue vom Himmel verspricht. Er belügt seine Ehefrau. Er dealt mit Drogen.

Großartige Schauspielleistung von Simon Rex

Dass Mikey Saber trotzdem liebenswert ist, ist eigentlich nur der großartigen Schauspielleistung von Simon Rex zu verdanken, und die Kamera kann einfach nicht wegsehen. Rex, ein ehemaliger MTV-Moderator, Rapper, Model, und Schauspieler ("Scary Movie"), der seine Karriere mit Pornofilmen begann, ist hier eine geniale Wahl. Er ist genau der Richtige, um den verzweifelten Mikey zu spielen, einen Mann ohne Geld, der Menschen Honig ums Maul schmiert.

Vor dem Hintergrund von Mikeys Gaunertum spielt sich der Sieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2016 im Fernsehen ab. Es wird nie kommentiert, aber es ist allgegenwärtig. Es ist eine andere Geschichte über einen Mann, der Geschichten über sich selbst gesponnen, Frauen missbraucht, und die Menschen zum Narren gehalten hat. Wenn wir auf so einen schleimigen Betrüger hereinfallen, dann sind wir eigentlich selber Schuld. (APA)


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