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Richard Kaplenig: Verworrene Wege durch die Welt der Dinge

Nach Jahren der Abstraktion ist Richard Kaplenig im Alltag angekommen. Das artdepot widmet dem Kärntner die erste Einzelausstellung in Tirol.

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Mehr als ein bildwürdiges Ding: Kaplenigs Reibe löst in ein geometrisches Raster auf.
© artdepot

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Bei Richard Kaplenig dient potenziell jeder Haushaltsgegenstand als künstlerisches Motiv. Ob die handelsübliche Käsereibe, eine Glühbirne, das Messer eines Fleischwolfs, das Milchkännchen oder ein Schraubstück. Auf ein ganzes Arsenal an metallenen oder gläsernen Dingen trifft man also auch in seiner aktuellen Ausstellung im Innsbrucker artdepot. Die erste, die der Kärntner hier vor Kurzem eröffnet hat.

Geschaffen hat er dafür – so auch der Titel der Schau – „artefakte“. Eben vom Menschen hergestellte Objekte. Und im Falle von Kaplenig auch ein vom Künstler weiterverarbeitetes groß in Szene gesetzt.

Was noch in den vermeintlich kühl-nüchternen Motiven steckt, sieht man erst bei näherem Hinsehen. Plötzlich schimmern im schimmernden Metallstück Koordinaten durch, ganze Landkarten. Kaplenig kaschiert sie auf die weiße Leinwand und setzt sie als so gar nicht nüchternen Malgrund fest. Die Landkarten zeichnen im Gegensatz zu den überall verfügbaren Dingen eine ganz persönliche Reise nach, durchaus verworrene Wege durch seine Heimat Kärnten bis in die Wahlheimat Wien und weiter durch ganz Mitteleuropa. Teilweise werden Wege aufgebrochen und neue Grenzen gezogen, ganz wie es dem Künstler beliebt.

Nach Jahren der Abstraktion steht Kaplenig, der in Venedig an der Accademia delle Belle Arti studiert hat, die Malerei auch in seiner jüngsten, konkreten Serie einmal mehr im Vordergrund. Beachtenswert ist hier die klare Technik, die je nach Format von der Vorbereitung zur Finalisierung mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann.

Die Palette ist in allen Arbeiten eine absolut reduzierte. Von Dunkel-Hell-Kontrasten lassen sich weitere Farbschattierungen in Indigo ausmachen. Wirklich spannend wird die Malerei, wenn sich zu den zwei technischen Ebenen noch weitere dazurechnen lassen: etwa dort, wo die Käsereibe in der Draufsicht und seiner gleichmäßigen Struktur in ein geometrisches Raster auflöst – oder dort, wo das Messer eines Fleischwolfs mit der Gravur „Made in Germany“ quasi zur faschistischen Architektur wird.

Kurzum: An einigen Punkten geht Kaplenig den entscheidenden Schritt weiter. Bei vielen anderen Motiven reicht ihm die Technik, die Aufmerksamkeit erregt. Der nüchterne Ansatz ist hier Verkaufsargument. Es wird jene, die an der Technik interessiert sind, auch ansprechen.


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