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Fantasie und Leidenschaft bei den Erler Klaviertagen

Mit virtuosem Tastenzauber eröffnete die chinesischstämmige Mélodie Zhao am Freitagabend die Erler Klaviertage.

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Im Alter von zwei Jahren am Konservatorium in Peking, seit ihrem siebten Lebensjahr auf internationalen Bühnen: Mélodie Zhao.
© Hauser

Erl – Nomen est omen, heißt es, und dem ist offensichtlich wirklich so. Wenn jemand den Vornamen „Mélodie“ trägt, kann man nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass es sich um eine musikalische Person handelt. Im Falle von Mélodie Zhao wurde der in der Schweiz lebenden Pianistin mit dem Vornamen auch eine Berufung in die Wiege gelegt. Nicht nur subtilste melodische Wendungen im Ohr und fähig, raffinierteste komplexe kompositorische Konstruktionen zu entschlüsseln, ist Zhao auch allen technischen Herausforderungen gewachsen, wie sie im Rahmen des Eröffnungskonzertes am Freitagabend in Erl an Franz Liszts Malédiction S.121 für Klavier und Streichorchester, dessen Sonate h-Moll S.178 für Solo-Klavier und Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1 c-Moll, op. 35 vorführte. Da blieben fürwahr keine Wünsche offen.

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Liszts innovatives Klavierkonzert „Malédiction“ (Fluch, Verwünschung) ist radikal zukunftsweisend und wie die Sonate h-Moll ein visionärer Entwurf der romantischen Literatur. Dem irrwitzigen Manuellen, der mitunter enthemmt wirkenden Emotionalität pianistisch beizukommen, ist eine Herausforderung, der nicht alle Sternchen, die es derzeit fast wöchentlich vom Pianisten-Himmel schneit, gewachsen sind. Zhao weiß diese kolossalen Herausforderungen sowohl im Ausdruck als auch im Gestalterischen aufzulösen. Da scheint alles mit Fantasie und Leidenschaft gefüllt. Ungemein stimmig weiß sie verhangene Melancholie und sentimentale Anflüge auszuloten und in farbenprächtige Stimmungsbilder zu wandeln.

Ungebremste Virtuosität, extreme Stimmungswechsel gibt es auch in Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester. Köstlich wie Zhao all die Zwischentöne dieser herrlichen Zitatensammlung zum Klingen bringt.

Solotrompeter Aliaksandr Akhremka steht ihr an Brillanz in nichts nach, die Präzision des Zusammenspiels ist beeindruckend. Das Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter der musikalischen Leitung von Roland Böer darf nicht nur mitspielen, es weiß um die Kunst des klanglich Filigranen und Delikaten im Schnellen.

Die von Joseph Haydn als „sehr delicat“ bezeichnete Sinfonie Nr. 95 c-Moll war so etwas wie die Brücke zwischen zwei Musikwelten der Extreme. Durchwegs frische, doch nie überzogene Tempi, Böers Interpretation ist federnd, rhythmisch präzise und in jeder Beziehung einnehmend. Ein großer Abend!

Heute Sonntag um 11 Uhr steht im Festspielhaus Erl J. S. Bachs h-Moll Messe als Benefiz-Matinee für den Verein Concordia auf dem Programm. (hau)


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