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Symbol für den Wiederaufbau: Die neue Pummerin wird 70

70 Jahre National-Geläut: Seit April 1952 hängt die neue Pummerin im Wiener Stephansdom. Das Haus der Geschichte Österreich erinnert im Internet.

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Schaulustige säumten den Weg der Pummerin von Oberösterreich nach Wien, im Bild die Einfahrt in Amstetten.
© ÖNB/USIS

Wien, Linz – Die Idee kam vom damaligen Wiener Dompfarrer Karl Raphael Dorr: Er sorgte dafür, dass die Pummerin zum Jahreswechsel 1951/52 im Rundfunk zu hören war. Das Neujahrsgeläut gehört seither zu den rot-weiß-roten Traditionen in Radio und Fernsehen.

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Neujahrsgruß, Fluchtpunkt und Hoffnungssymbol: Dompfarrer Toni Faber und die Pummerin.
© APA/Neubauer

Am 1. Jänner 1952 war die große Glocke noch im Hof des Linzer Landesmuseums ausgestellt. Erst im April 1952 wurde sie nach Wien gebracht. Der Transport war als „Triumphzug“ in Szene gesetzt, schreiben die Historikerinnen Anna Stuhlpfarrer und Heidemarie Uhl in einer neuen Web-Ausstellung des „Hauses der Geschichte Österreich“ (www.hdgoe.at). Wo die zwei Lkw mit der Glocke am Tieflader durchkamen, traten Festredner, Blasmusik und Volkstanzgruppen auf.

Die alte Pummerin war beim Brand des Stephansdoms am 12. April 1945 zu Boden gekracht. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hatte Funkenflug von brennenden Nachbarhäusern das Dach der gotischen Kirche in Brand gesetzt. Es blieb eine Brandruine mit eingestürztem Gewölbe.

Der Wiederaufbau des Doms nach 1945 wurde zum nationalen Kraftakt stilisiert – und zum Symbol für den Wiederaufbau des ganzen Landes. Jedes Bundesland trug bei. Oberösterreich lieferte die neue Glocke, Tirol die Fenster des Doms, Wien steht für das Dach.

Links: In der Glockengießerei St. Florian arbeitete Ziseleurin Gertrude Stolz am Relief der Glocke. Rechts: Nach dem Brand in den letzten Kriegstagen war das Gewölbe des Stephansdoms eingestürzt.
© ÖNB/USIS

Die Web-Ausstellung erinnert an diese Geschichte – und viele Einzelgeschichten, die damit verknüpft sind. Die Ausstellungsmacherinnen widmen sich vor allem auch den Frauen, die in den Männerdomänen am Bau tätig waren – so wie Ziseleurin Gertrude Stolz in Oberösterreich und Baumeisterin Helene Kitschelt-Buchwieser.

Seit dem 26. April 1952 hängt wieder eine Pummerin im Stephansdom. Für den aktuellen Dompfarrer Toni Faber sind Kirche und Glocke Begleiter im Alltag – und in schweren Stunden „Fluchtpunkt und Hoffnungssymbol“. (sabl)


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