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100 Tage im Amt: Führt Bürgermeister Adams New York zu altem Glanz?

Die US-amerikanische Vorzeigemetropole New York ist schwer von der Corona-Pandemie gezeichnet. Nun geht es darum, zu altem Glanz zu finden. Der neue Bürgermeister hatte im Wahlkampf viel versprochen. Noch konnte er davon wenig umsetzen.

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Bürgermeister Eric Adams (am Pult) hatte Großes vor. Noch muss er liefern.
© IMAGO/Lev Radin

Von Christina Horsten, dpa

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New York – Der Terminplan von Eric Adams ist fast immer voll. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend tourt der 61-jährige Politiker der Demokratischen Partei, der am Sonntag (10. April) seit 100 Tagen Bürgermeister von New York ist, durch die Millionenmetropole an der US-Ostküste – vom Rathaus zur Wall Street, von Manhattan in die Bronx, vom Mittagessen mit Wirtschaftsvertretern zur Theaterpremiere am Broadway.

Am liebsten wäre Adams, die New Yorker würden es ihm gleich tun. "Ihr könnt nicht in euren Pyjamas zu Hause bleiben", sagte der Bürgermeister, der sich gerne als Chef-Cheerleader und Motivator der rund 8,5 Millionen Bewohner New Yorks zeigt, jüngst bei einer Rede. "So sind wir hier als Stadt einfach nicht. Ihr müsst raus, Ideen sammeln, mit Menschen interagieren. Das ist entscheidend. Wir sind soziale Wesen, und wir müssen mit anderen Menschen zusammen sein, um die Energie zu bekommen, die wir als Stadt brauchen."

Mehr als 40.000 Corona-Tote in New York

Viele Bars, Restaurants, Geschäfte und Theater sind auch schon wieder gefüllt – aber so richtig wollen noch längst nicht alle New Yorker mit Adams mitziehen. Zu sehr sitzen die vergangenen Jahre, in denen die Metropole zum Zentrum der Corona-Pandemie in den USA wurde, den Menschen noch in den Knochen. Mehr als 40.000 Menschen starben nach einer Infektion mit dem Virus, viele Restaurants und Geschäfte mussten schließen, und die Kriminalitätsrate stieg. "Es ist Zeit, unsere Stadt neu zu eröffnen", hatte Adams im März verkündet und fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben.

Aber die Krisen sind noch lange nicht ausgestanden: Die Corona-Neuinfektionszahlen sind zwar deutlich niedriger als noch zu Beginn des Jahres, aber sie fluktuieren. Immer wieder gibt es auch prominente Fälle – wie jüngst die Schauspieler Daniel Craig und Matthew Broderick, die beide in Broadway-Stücken zu sehen sind und Auftritte absagen mussten. Auch in Sachen Kriminalität gab es seit Adams' Amtsantritt zahlreiche schlagzeilenträchtige Vorfälle. Beispielsweise verletzte ein Mann an der Kassa des Museum of Modern Art (MoMA) zwei Mitarbeiter mit einem Messer.

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Zweiter schwarzer Bürgermeister in der Geschichte der Stadt

Gerade die Bekämpfung der Kriminalität war eines der Hauptthemen des ehemaligen Polizisten Adams im Wahlkampf. Am Ende setzte er sich im November deutlich gegen den Republikaner Curtis Sliwa durch. Sein eher unbeliebter Vorgänger Bill de Blasio durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Adams, der als moderat gilt, war zuvor Bürgermeister des Stadtteils Brooklyn, nun ist er der zweite schwarze Bürgermeister in der Geschichte der Metropole.

Der neue Rathauschef – der 110. in der Geschichte der Stadt – wuchs als eines von sechs Kindern in einer armen Familie in Brooklyn und Queens auf. In jungen Jahren erlebte er nach eigenen Angaben Polizeigewalt. Er wurde selbst Polizist, dann Senator des Bundesstaats New York. Seit einer Diabetesdiagnose lebt Adams vegan. Zu Beginn der Pandemie sorgte Adams, der nicht verheiratet ist und ein Kind hat, für Schlagzeilen, weil er angesichts der vielen Arbeit gleich ganz in sein Büro in Brooklyn gezogen war.

Eine der größten Herausforderungen für den Ex-Cop liegt nun im richtigen Umgang mit der Polizei. Versprochen hatte er eine Balance zwischen seiner eher freundlichen Position gegenüber den oft kritisierten Einsatzkräften und der Gerechtigkeit vor allem für Schwarze – angesichts des strukturellen Rassismus.

Versprechen des Wahlkampfs verblassen

Das Budget der Polizei wolle er nicht kürzen, versprach er. Auch Maßnahmen gegen überteuertes Wohnen, Investitionen in Schulen sowie 480 Kilometer neue Fahrradspuren in einer Stadt, die als Gradmesser für progressive Politik gilt, hatte Adams im Wahlkampf versprochen. Von all dem war in den ersten 100 Tagen nicht mehr allzu viel zu hören.

Höchste Priorität hat für den obersten Cheerleader der Stadt die Wirtschaft. Noch immer kommen beispielsweise deutlich weniger Touristen nach New York als vor der Pandemie. Konkrete Pläne, um Wirtschaft und Tourismus wieder anzukurbeln, hat Adams bisher noch nicht vorgestellt – aber einem Touristen aus Kanada, den der Bürgermeister vor kurzem bei einer Veranstaltung auf dem Times Square traf, gab er schon einmal einen Rat mit auf den Weg: "Gib Geld aus!"


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