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Red Bull kämpft an der Technik-Front: „Das war ein herber Rückschlag"

Neben der bescheidenen Standfestigkeit sorgt die schnelle Reifenabnutzung für Kopfzerbrechen bei Red Bull Racing.

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Bei Red Bull Racing rauchen aktuell nicht nur die Köpfe.
© WILLIAM WEST

Melbourne - Nach dem Formel-1-Grand-Prix von Australien konnte Red-Bull-Berater Helmut Marko dem Siegerteam nur Beifall spenden. "Ferrari war hier - da kann man nur gratulieren - eine Klasse für sich", sagte der Steirer nach dem Erfolg von Charles Leclerc und dem technischen K.o. von Weltmeister Max Verstappen. Melbourne habe zwei Probleme aufgedeckt: die mangelnde Zuverlässigkeit und Probleme mit dem Reifenmanagement. "Aufgeben tun wir nicht, aber es war ein herber Rückschlag."

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Es warte viel Arbeit auf das Team, sagte Marko am Sonntag im ORF-Interview. "Zwei Ausfälle sind natürlich unglaublich", betonte Verstappen. In den vergangenen Jahren sei er mit der Zuverlässigkeit des Autos immer zufrieden gewesen, heuer beendete der Niederländer nur eines von drei Rennen, als er in Jeddah vor Leclerc gewann. "Es ist nicht, wie es sein muss. Wenn man um eine Meisterschaft kämpft, kannst du nicht schon zwei Ausfälle haben." Teamchef Christian Horner nannte das Ergebnis "extrem frustrierend".

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In Melbourne musste Verstappen seinen Dienstwagen aus Sicherheitsgründen 20 Runden vor Schluss abstellen, nachdem laut Marko eine große Menge an Benzin ausgetreten war. "Das war aus dem Blauen heraus", sagte der 78-jährige Ex-Rennfahrer. Die Ursache kenne man intern noch nicht, es müsse aber "etwas Gravierendes gewesen sein". Schon beim Auftakt in Bahrain hatte es Probleme mit dem Benzinsystem gegeben, beide Autos blieben vor Ende des Rennens stehen. An einen unmittelbaren Zusammenhang wollte Marko allerdings nicht glauben. "Damals ist kein Benzin zum Motor gekommen, jetzt ist Benzin nach außen gekommen."

Die bescheidene Standfestigkeit sei aber nur das eine von zwei Problemfeldern bei Red Bull Racing. Wie Marko ausführte, hatten Verstappen und der Melbourne-Zweite Sergio Perez im Rennen keine Chance gegen den Ferrari von Leclerc. Verstappen und Marko führten das auf die schnellere Reifenabnutzung zurück. "Wir hatten ein sehr starkes Graining, ich glaube eines der stärksten. Mercedes war phasenweise von der Rundenzeit besser als wir", erklärte Marko. Zwischen drei und vier Zehntel habe Ferrari Red Bull pro Runde abgeknöpft.

"Wir sind nicht in der Lage, so schnell und so leicht ins richtige Reifenfenster zu kommen wie Ferrari. Wir sind deutlich schwerer als Ferrari, ein Gewichts-Handicap von mindestens zehn Kilo. Auf Zeit umgerechnet sind das drei Zehntel", verwies Marko auf einen Rückstand, den er "alarmierend" nannte. Ferrari sei "ohne jegliche Graining-Probleme gefahren" und habe das Tempo an der Spitze locker kontrollieren können. Die Scuderia "war in ihrer eigenen Liga", befand Horner. "Wir müssen verstehen, was das Problem ist, und es beheben."

Die höheren Temperaturen am Sonntag könnten ihren Teil zur Reifenmisere beigetragen haben. "Das müssen wir noch genau untersuchen, irgendwas muss es sein. Weil die Long-runs waren ja an und für sich gut, aber die Temperatur war mehr als zehn Grad höher. Vielleicht ist es daran gelegen. Wir haben es ja bei beiden Autos gehabt", sagte Marko. Freuen konnte er sich allerdings über den zweiten Platz von Perez: "Das erwarten wir von ihm. Er hat sich heuer im Qualifying deutlich gesteigert und im Rennen ist er auch dabei."

Der nächste WM-Lauf findet in zwei Wochen in Imola statt, es wird ein echtes Ferrari-Heimspiel mit Massen von Zuschauern. "Italien wird unglaublich werden, aber wir müssen dieses Wochenende angehen wie die ersten drei Wochenenden", meinte der WM-Führende Leclerc. "Ich glaube, es ist extrem wichtig, uns selbst nicht noch extra unter Druck zu setzen und zu probieren, es noch besser zu machen."

Aktuell liegt der Monegasse in der Gesamtwertung bereits 46 Zähler vor Verstappen. "Aber ich erinnere mich, mit (Sebastian) Vettel waren wir schon einmal 60 Punkte hinten und haben die WM auch noch gewonnen", kramte Marko in der Historie. Wenn man davon ausgeht, dass für den abgesagten Grand Prix von Russland noch ein Ersatzort gefunden wird, ist derzeit auch gerade einmal ein Achtel des Pensums in der Saison absolviert. Es bleibt also genügend Zeit, das Ruder herumzureißen. (APA)

Vettel nach Melbourne-Trip: "Schlimmer kann's nicht werden"

Sebastian Vettel ist nun endgültig der Pechvogel der bisherigen Formel-1-Saison. "Schlimmer kann's jetzt nicht werden als dieses Wochenende", sagte Deutsche am Sonntag. Nach einem Fahrfehler schied der 34-Jährige im Australien-Grand-Prix aus. Die ersten zwei WM-Läufe hatte der Aston-Martin-Pilot wegen einer Coronavirus-Infektion verpasst, sein verspäteter Einstieg war einer zum Vergessen. "Vielleicht wollte ich zu früh zu viel", sagte Vettel selbstkritisch.

In der 24. Runde krachte er auf dem Albert Park Circuit in Melbourne in die Streckenbegrenzung, zuvor hatte es schon einen unfreiwilligen Ausflug ins Kiesbett gegeben. "Ich habe es vielleicht ein bisschen zu sehr versucht und habe das Auto verloren", sagte der Ex-Weltmeister. Bereits am Samstag war er im Training in die Bande gekracht und bescherte seinen Mechanikern viel Arbeit. Gerade noch rechtzeitig wurde sein Wagen zusammengeflickt, es reichte in der Qualifikation aber nur zu einer schnellen Runde. Deswegen ging es nur von Platz 17 in den insgesamt dritten WM-Lauf der Saison. "Es war das erste Mal unter Rennbedingungen, aber die Fahrt war am Ende etwas zu kurz."

Probleme gab es auch am Freitag, als der Motor streikte und Vettel das zweite Training komplett verpasste. Für eine verbotene Fahrt auf einem Motorroller auf der Strecke zurück zur Box wurde er zudem mit einer Geldstrafe über 5.000 Euro belegt, weitere 600 Euro wurden fällig, nachdem er am Samstag in der Boxengasse schneller als erlaubt unterwegs war. "Ich bin frustriert, aber wir haben versucht, was wir können", bilanzierte Vettel den Trip nach "Down Under". Als einziger Rennstall ist Aston Martin noch ohne WM-Punkt, Vettel hat so wenig Runden absolviert wie kein anderer Formel-1-Pilot. "Alles in allem wissen wir, dass dieses Auto schwierig ist."


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