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CocoonDance beim Osterfestival: Vier Ameisen im Zornmodus

Die bewegende Kraft von CocoonDance beim Osterfestival im Congress Innsbruck.

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Die vier Tänzerinnen der Produktion „Vis Motrix“ der 2000 von Rafaële Giovanola gegründeten Bonner Compagny CocoonDance.
© Malyshev

Innsbruck – Nicht abgehoben in einem Guckkasten, sondern auf einer am Fuß der Zuschauertribüne liegenden quadratischen Plattform spielt sich „Vis Motrix“ ab. Um durch diese Nähe die „bewegende Kraft“ der vier schwarz bekleideten Tänzerinnen unmittelbar auf die – leider wenigen – ZuschauerInnen zu übertragen. Ohne bis zuletzt zu wissen, was diese wirklich in Bewegung bringt. Sind es Maschinen, künstliche Intelligenzen, humane oder vielleicht doch post-humane Energien, die die vier ameisenartigen Wesen nicht zuletzt durch den suggestiv auf- und abschwellenden Sound bzw. das Licht von Franco Mento und Gregor Glogowski in atemlosen 45 Minuten durchpulsen?

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Eine Frage, die die Choreographin bzw. Regisseurin Rafaële Giovanola ganz bewusst offenlässt. Die hier die Geschichte eines offensichtlich hoffnungslosen kollektiven Bemühens um Evolution erzählen will. Wobei jede der „Ameisen“ ihren Kampf allein auszufechten hat, gibt es doch während der gesamten 45 Minuten keinerlei Berührung, wenn auch die gemeinsame Sehnsucht, sich zu bewegen, sich loszulösen von jeder Schwere der Körper.

Die am Beginn wie schlafend flach am Boden liegen, bevor sich ihre Oberkörper langsam aufblähen, sich in Zeitlupe zu bewegen, aufzurichten beginnen. Um immer wieder zurückzusinken, es – aufgepeitscht durch Sound und Licht – aber unermüdlich erneut versuchen. Zaghafte Bewegungen mischen sich dazu, die Emanzipation sozusagen zum Vierfüßler ermöglicht die Eroberung des Raums.

Die allerdings durch die eckigen, exakt choreographierten Bewegungen, in denen das passiert, wie ferngesteuert daherkommt. Und plötzlich flackert das gleißende Licht – und die vier Wesen liegen wieder am Boden. Bis der Sound dramatisch anschwillt und die Körper sich wieder aufrichten, mit den auf den Boden stampfenden Füßen zornig aufbegehren gegen ihre Fremdbestimmtheit – so lange, bis sich die große finale Resignation breitmacht. (schlo)

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