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Corona-Pandemie belastet dauerhaft: Jeder Siebte in Tirol betroffen

Die Med-Uni Innsbruck will Menschen helfen, widerstandsfähiger zu werden. Die Ergebnisse seiner Studie haben Psychiatrie-Chef Alex Hofer „sehr erschreckt“.

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Mehr Depressionen, mehr Suchtkranke. Das sind laut Studie die Folgen von Lockdown und Quarantäne.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Wie sehr die Pandemie und insbesondere die Corona-Maßnahmen wie Quarantäne und Isolation die Menschen belastet haben, das untersuchen der Leiter der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Psychiatrie I, Alex Hofer, und sein Team bereits seit eineinhalb Jahren. Befragt wurden sowohl Menschen ohne als auch solche mit psychischer Vorbelastung, und zwar in Nord-, Ost- und Südtirol.

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Die Innsbrucker Studienergebnisse gleichen jenen aus anderen Staaten. Demnach geben 15 Prozent der Allgemeinbevölkerung an, sich psychisch belastet zu fühlen. Dieser Wert sei seit eineinhalb Jahren gleich geblieben, sagt Hofer. „Das erfüllt mich mit Sorge.“ Bei den 1000 befragten TeilnehmerInnen habe sich keine Besserung eingestellt. „Das hat mich sehr erschreckt.“

Laut Studie waren vor allem Frauen, Alleinstehende, Arbeitslose und Menschen mit geringen Einkommen besonders belastet. „Wir konnten mit unserer Forschungsarbeit zeigen, dass eine klinisch relevante Belastung der Allgemeinbevölkerung vorliegt“, sagt Hofer. Übersetzt heißt das, dass zwar noch keine psychische Erkrankung vorliegt, die Ampel aber auf Gelb steht. Der Psychiater spricht von deutlichen „Warnhinweisen“. Solche würde demnach jeder siebte Tiroler haben. „Es hat sich darüber hinaus gezeigt, dass die Anzahl der stationär behandlungsbedürftigen Menschen mit depressiven Erkrankungen im Jahr 2021 deutlich angestiegen ist.“

Menschen mit einer psychischen Vorbelastung hatten besonders hart zu kämpfen. „Rund 50 Prozent der TeilnehmerInnen mit depressiven Vorerkrankungen haben sich als psychisch belastet eingestuft.“ Dieser Wert sei zwar im Laufe des Befragungszeitraums von eineinhalb Jahren leicht gesunken, liege jetzt aber immer noch bei 40 Prozent.

Außerdem rechnet der Experte damit, dass die Zahl der Suchterkrankungen steigen wird. Bei der ersten Befragung der Tiroler Bevölkerung im Sommer 2020 haben 20 Prozent der TeilnehmerInnen angegeben, sie würden gezielt Substanzen konsumieren, um sich besser zu fühlen. Ein halbes Jahr später waren es 33 Prozent. Unter „Substanzen“ sind Alkohol, Cannabis oder etwa Kokain zu verstehen.

Zahlen und Fakten

Studie zur psychischen Belastung: Eineinhalb Jahre umfasst der Beobachtungszeitraum. 1000 gesunde Menschen nahmen teil, 400 mit Vorbelastungen. Die Studie wird noch weitergeführt. Jetzt werden 200 TeilnehmerInnen für eine Resilienz-Studie gesucht. Link auf tt.com

Resilienz-Studie: Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen, ist ein wichtiger Schutzfaktor. „Diese seelische Widerstandsfähigkeit ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt, kann aber gestärkt und trainiert werden“, sagt Mark Spanner, Klinischer Psychologe und Mitarbeiter der neuen Resilienz-Studie.

Zwei Methoden: Bei der einen Gruppe wird das Verfahren der „Progressiven Muskelentspannung“ angewandt. Bei der zweiten setzt man auf RASMUS („Resilienz durch Achtsamkeit, Selbst-Mitgefühl und Selbstfürsorge“). Die TeilnehmerInnen üben sich dabei in Form von Gruppentherapien in Achtsamkeit und bauen ihre Stressbewältigungskompetenzen aus.

Ob die Corona-Maßnahmen überzogen waren, weil so viele jetzt noch leiden, will Hofer nicht einschätzen. „Es war eine Gratwanderung und der Schutz vor dem Virus stand im Fokus.“ Der Politik möchte der Experte keine Ratschläge für eine etwaige Vorgangsweise in der Pandemie-Politik im Herbst geben.

Vielmehr setzen Hofer und sein Team auf eine neue Studie. Sie soll dazu beitragen, die Resilienz, also die Widerstandfähigkeit der Menschen, zu stärken. Für dieses Projekt werden noch TeilnehmerInnen gesucht. (aheu)


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