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Tourismus fordert Tausende Mitarbeiter aus Drittstaaten

Der Tourismus versucht sich „ins rechte Licht zu rücken“, die Branche sei besser als ihr Ruf. Ohne „geregelten Zuzug“ würde es aber nicht gehen.

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„Das Jammern muss ein Ende haben“, der Tourismus wieder als „Erfolgsbranche mit Wachstum“ präsentiert werden, betonten Gerber (r.) und Rainer gestern bei einer moderierten Pressekonferenz.
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Von Anna Haselwanter

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Innsbruck – „Das Tal der Tränen ist überwunden“, zog Mario Gerber, Fachgruppenobmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol, gestern Bilanz über den Winter. Die Saison sei wesentlich besser gelaufen als erhofft, das kommende Osterwochenende ein „gut gebuchter Abschluss“. Insgesamt liege man etwa 30 bis 35 Prozent unter Vorkrisenniveau, was in Anbetracht der Situation – Pandemie und Krieg – durchaus gut sei. Der Optimismus sei zurück, der Ausblick in den Sommer gut.

Einzig: Die Mitarbeiter fehlen. „Das Problem ist aber nicht touristisch“, war es Gerber sichtlich wichtig zu betonen. Viel mehr treffe es „derzeit alle Sparten“, denn „die Arbeitswelt hat sich geändert“. Der „demografische Wandel sei nicht wegzudiskutieren“, ergänzte Alois Rainer, Fachgruppenobmann der Gastronomie. Die fehlenden Arbeitskräfte seien demnach nicht auf unattraktive Arbeitsbedingungen zurückzuführen, sondern auf „die in Tirol herrschende Vollbeschäftigung“, auf Qualitätssteigerung und Branchenwachstum. „Der Mitarbeiterstand wächst kontinuierlich und das seit Jahren“, erklärte Rainer. Bundesweit liege der Anstieg im Schnitt bei zwei Prozent. In Tirol stieg die Anzahl der Mitarbeiter von 2001 bis 2019 in der Hotellerie um fast 60 Prozent auf über 31.000 Personen und in der Gastronomie um 30 Prozent auf über 15.000 Personen. Vor allem steige die Zahl der Fachkräfte – jeder fünfte Mitarbeiter sei „im tertiären Bereich ausgebildet“, die Anzahl der Hilfskräfte sinke. Verbesserungen bei der „Work-Life-Balance“, neue Arbeitszeitmodelle, moderne Unterkünfte, höhere Lehrlingsgehälter und bessere Kollektivverträge würden sich positiv auswirken. Doch weil man „mehr braucht und weniger nachkommen“ – Stichwort demografischer Wandel –, werde es ohne „geregelten Zuzug“ nicht gehen, sind sich die Branchenvertreter einig. „Wir brauchen Menschen aus Drittstaaten“, forderte Gerber – und zwar „Tausende Kontingente“. Das sei „ja auch nicht schlimm“, schließlich würde diese genauso Steuern zahlen und „das System füttern“.

Ihrerseits habe die Branche schon sehr viel gemacht. Vorurteile von früher würden sich dennoch hartnäckig halten. Natürlich, so lenken beide Branchenvertreter ein, gebe es das ein oder andere schwarze Schaf, aber man müsse den Tourismus dringend „ins rechte Licht rücken“ und den schlechten Ruf aus längst vergangenen Tagen endlich abschütteln. „Die Branche war immer attraktiv, nur die Zeiten haben sich geändert.“

Ganz so einfach scheint die Rechnung aber nicht. „Die Situation fast ausschließlich auf den demografischen Wandel zurückzuführen, erscheint mir fast ein bisschen gar rosig“, sagt Oliver Fritz, Tourismusexperte beim Wifo. Zwar gab es „tatsächlich einige Verbesserungen – vor allem in Topbetrieben –, aber auch noch sehr viele Betriebe, mit vielen Hausaufgaben“, so Fritz. Leistbares Wohnen wäre etwa so eine Aufgabe, „wer bereit ist, für einen Job mitsamt seiner Familie in ein Tourismusgebiet umzuziehen, der muss auch unterstützt werden“, so der Ökonom. Zudem sei auch am heimischen Arbeitsmarkt noch Potenzial, etwa bei „der Aktivierung älterer Arbeitskräfte“ – „Vollbesetzung sehe ich so nicht“, sagt Fritz. Zudem würden viele die Branche verlassen, wenn sie Familie planen. Es brauche Kinderbetreuung, die auch an den Abenden oder am Wochenende angeboten wird; „aber wo gibt es das in ausreichendem Ausmaß?“, fragt Fritz. „Es ist also viel passiert, aber es muss noch viel mehr passieren“, betont der Ökonom, „um aus den Puzzleteilen ein Gesamtpaket zu schnüren.“

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