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Nestlé schluckt Gewürz-Startup Ankerkraut: Shitstorm für Gründer, Partner wenden sich ab

Vor sechs Jahren gelingt dem Gewürz-Startup Ankerkraut in der Sendung „Die Höhle der Löwen" der Durchbruch. Mittlerweile erzielt das Unternehmen einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich. Davon wird in Zukunft auch Nestlé profitieren: Der Lebensmittelkonzern wird Mehrheitseigentümer. Das veranlasst einige Partner dazu, sich von der Marke abzuwenden. Auch in den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. Die Gründer versuchen, zu beschwichtigen.

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​Die Ankerkraut GmbH aus dem Süden Hamburgs wurde 2013 von Anne und Stefan Lemcke als Startup gegründet.
© imago

Hamburg – Der weltweit größte Nachrungsmittelkonzern Nestlé übernimmt die Mehrheit an dem Hamburger Gewürzhändler Ankerkraut. Er habe die Anteile der bisherigen Investoren – EMZ Partners, Freigeist Capital und Knälmann Ventures – sowie Teile der Management-Anteile übernommen und werde damit zum Mehrheitseigentümer der Ankerkraut GmbH, teilte Ankerkraut mit. Zahlen nannten die Unternehmen nicht.

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Ankerkraut wird den Angaben nach als eigenständige Firma mit eigenständiger Marke weitergeführt, die Gründer Anne und Stefan Lemcke bleiben als Gesellschafter und Markenbotschafter an Bord. Gleiches gelte für die Geschäftsführer Timo Haas und Alexander Schwoch, die das Unternehmen als Anteilseigner weiterhin operativ führten.

In den sozialen Netzwerken hat die Übernahme zu einem veritablen Shitstorm geführt. Egal ob Twitter, Facebook oder Instagram – auf allen Kanälen lehnt eine große Mehrheit der Nutzer den Deal ab. So distanzierten sich bereits einige Kooperationspartner von dem Unternehmen. Etliche posteten bereits ein Statement mit demselben Wortlaut. Darin heißt es: „Wir haben heute erst durch Social Media erfahren, dass Ankerkraut die Mehrheit seiner Firmenanteile an den Konzern Nestlé verkauft hat. Wir wurden im Vorfeld nicht darüber informiert. Wir sind sehr traurig darüber, mussten aber eine Gewissensentscheidung treffen."

„Werte verraten"

Viele werfen den Gründern Anne und Stefan Lemcke vor, ihre Werte verraten zu haben, und kündigen einen Boykott der Ankerkraut-Produkte an. Auch etliche Influencer, darunter etwa LeFloid, wenden sich von dem Unternehmen ab.

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Der Groll richtet sich gegen die Wahl des neuen Partners. Der Nestlé-Konzern steht seit Jahren in der Kritik. Viele werfen ihm vor, mit seinen Produkten Profit auf Kosten der Ärmsten zu machen. Er steht aber auch im Feuer wegen der Rodung des Regenwalds, der Ausbeutung von Wasserressourcen und zuletzt wegen Geschäften mit Russland während des Ukraine-Kriegs.

Ankerkraut hat besonders auf Social Media in der Vergangenheit mit vielen Influencern zusammengearbeitet. Einige berichten auch davon, sie hätten das Unternehmen veranlasst, ihre Rabatt-Codes zu deaktivieren, und die Zusammenarbeit beendet.

LeFloid – bekannt durch sein Interview mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli 2015 – schrieb seinen rund 685.000 Instagram-Followern: „Da eine Kooperation mit Nestlé für uns nicht infrage kommt, sehen wir keine andere Option, als die Zusammenarbeit mit Ankerkraut schnellstmöglich zu beenden."

Kritik geht nicht spurlos an Gründern vorbei

Die Gründer Anne und Stefan Lemcke riefen Kritiker unterdessen zur Mäßigung auf. „Wir stehen als Marke von Beginn an für eine ganz besondere Kundennähe und einen engen Austausch mit unseren Fans", sagte das Gründerpaar. Deshalb verschließe sich Ankerkraut auch jetzt nicht der Debatte. „Was wir nicht akzeptieren, sind Hass im Netz und Beleidigungen der Menschen, die bei Ankerkraut arbeiten", betonten beide.

„Ankerkraut bleibt Ankerkraut", sagen die Gründer Anne und Stefan Lemcke.
© imago/Christoph Hardt

Sie räumten ein, dass die vor allem über die sozialen Medien verbreitete Kritik nicht spurlos an ihnen und den Beschäftigten vorbeigehe. Sie seien aber fest entschlossen zu beweisen, „dass wir es ernst meinen, wenn wir sagen: Ankerkraut bleibt Ankerkraut, wir werden weiterhin als eigenständiges Unternehmen tätig sein". Das Gründerpaar entschuldigte sich ausdrücklich bei erbosten Kooperationspartnern. „Es tut uns aufrichtig leid, dass wir sie nicht im Vorfeld informieren konnten und sie von der Nachricht überrascht wurden."

Unterstützung kam vom „Höhle der Löwen"-Juror und Investor Frank Thelen, der damals Ankerkraut unter seine Fittiche genommen hatte. „Wow, wer hätte das bei Eurem DHDL Auftritt gedacht?!? Jetzt seid Ihr selber Löwen und gewinnt mit Ankerkraut Nestlé als Partner", gratulierte er auf Facebook. Die Liebe für das Produkt, die Passion, das Team und eine starke Kommunikation hätten Ankerkraut zu einem der erfolgreichsten Food-Startups gemacht. „Wir sagen an dieser Stelle Danke, Respekt und wünschen weiterhin viel Erfolg."

Unternehmen hat mittlerweile mehr als 230 Beschäftigte

Die Ankerkraut GmbH aus dem Süden Hamburgs wurde 2013 von Anne und Stefan Lemcke als Startup gegründet. Mittlerweile beschäftige das Unternehmen mehr als 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erziele einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Bekannt wurde Ankerkraut vor allem durch den Auftritt in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen" 2016. Ankerkraut vertreibt nach eigenen Angaben inzwischen online, im Lebensmitteleinzelhandel sowie in eigenen Geschäften in Hamburg, Berlin, Bochum und Köln mehr als 500 Gewürze und Gewürzmischungen, Soßen, Tees sowie Zubehör. (dpa, TT.com)


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