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„Bewusstsein für Hass im Netz fehlt“: Weißer Ring für Sensibilisierung

Der Weiße Ring Tirol fordert mehr Sensibilisierung zum Thema Internetkriminalität.

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Von beleidigenden und verhetzenden Kommentaren bis hin zu schwerem Betrug: Das so genannte Cybercrime ist ein weites Feld.
© Symbolfoto: APA

Von Benedikt Mair

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Innsbruck, Wien – Da der junge Bursche, der online Nacktbilder von sich verschickte und jetzt damit erpresst wird. Hier der Migrant, der in sozialen Netzwerken beschimpft wird. Dort die alte Dame, die auf einen dubiosen Link klickte und deshalb Betrügern auf den Leim ging. Internetkriminalität betreffe alle Alters- und Gesellschaftsschichten, sagt Marina Müller, seit November vergangenen Jahres die erste hauptamtliche Mitarbeiterin des Weißen Rings in Tirol. Dass jeder und jede Opfer werden kann, sei in den Köpfen vieler noch nicht angekommen. „Das Bewusstsein für Hass im Netz und generell Cybercrime fehlt“, meint Müller. Und fordert daher mehr Sensibilisierung zu dem Thema. Auch auf Seiten der Exekutive und Justiz.

„Es gibt sicher Beamte, die sehr einfühlsam mit Betroffenen umgehen. Andere wiederum tun die Taten ab, nehmen das alles nicht so ernst“, sagt sie. Ein kontraproduktives Verhalten, denn „die Sache ist immer noch mit sehr viel Scham behaftet, viele trauen sich kaum, Anzeige zu erstatten“. Herablassende oder verniedlichende Äußerungen von Ermittlern würden diesen Teufelskreis weiter befeuern. „Leider werden auch viele Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt.“

Auch der Politik waren die Problematiken der Angelegenheit bewusst, weshalb ein Gesetzespaket gegen „Hass im Netz“ erlassen wurde. Dieses trat am 1. Jänner vergangenen Jahres in Kraft. Mit wenig Erfolg, wie aus der Beantwortung einer SPÖ-Anfrage durch Justizministerin Alma Zadić (Grüne) hervorgeht. Die Ausweitung von Tatbeständen brachte im Jahr 2021 zwar etwas mehr Anzeigen, aber nicht mehr Anklagen. Beim neuen „Upskirting“-Tatbestand kam es in 129 Fällen zu 22 Anklagen. Weniger als erwartet genützt wurde das neue Opferschutzangebot. Nur 65 Menschen machten von der Möglichkeit Gebrauch, anonyme Täter von Behörden ausforschen zu lassen. Die psychosoziale Prozessbegleitung nahmen lediglich 16 Männer und Frauen in Anspruch. Beim Cybermobbing blieb die Zahl der Anklagen trotz Reform – mit 56 – gleich wie im Jahr 2020. Bei Verhetzung war ein leichter Anstieg von 84 auf 92 Anklagen zu verzeichnen. Laut der Wiener Zeitung kündigte Ministerin Zadić eine umfassende Informationskampagne an.

Marina Müller, die bei ihrer Arbeit für den Weißen Ring in Tirol neben den Opfern von Cyberkriminalität auch jenen von Raub, Betrug und anderen Verbrechen hilft, wünscht sich genau das: mehr Information. „In den Schulen, bei den Behörden, der Polizei, überall.“ Betroffenen rät sie, Screenshots zu machen, alles abzuspeichern, Beweise zu sammeln. „Wichtig ist, nicht auf eigene Faust dagegen vorzugehen, sondern Taten anzuzeigen“, betont sie. „Wir haben gute Erfahrungen damit, wenn Online-Betrüger oder -Erpresser konsequent ignoriert werden.“

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