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Vision oder Wahnsinn? Elon Musks Attacke auf Twitter

42 Mrd. Dollar sind selbst für den reichsten Menschen der Welt viel Geld und finanziell dürfte sich die Übernahme nicht lohnen. Warum das Ganze?

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Rund 18 Mio. Menschen folgen Tech-Milliardär Elon Musk auf Twitter, nun will er die Plattform sein Eigen machen.
© AFP

Von Anna Haselwanter

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San Francisco – Die Summe ist ein Witz. Ein Weed-Witz. 42 Milliarden US-Dollar bietet Elon Musk für die Kommunikationsplattform Twitter. Die Zahl 420 ist in den USA ein Chiffre für Marihuana; den heutigen 20. April schreibt man im Englischen 4/20, der Tag gilt als Feiertag für Kiffer. Elon Musks Fans finden das witzig. Der Plattform selbst dürfte das Lachen eher im Hals stecken geblieben sein. Denn Musks Sinn für Humor bringt das Unternehmen in eine ungemütliche Situation, sagt Matthias C. Kettemann, Plattformforscher an der Uni Innsbruck – mit wenig zufriedenstellenden Ausgangsmöglichkeiten: Twitter könne an Musk verkaufen und zum Spielzeug eines reichen Mannes werden; das Unternehmen könne versuchen, einen anderen Käufer zu finden, und einen „Verzweiflungsdeal“ auf die Beine stellen. Oder es kann, wie der amerikanische Plattform-Experte Casey Newman schreibt, Musk – vielleicht – loswerden, „zuschauen, wie die Aktien abstürzen, einige seiner Nutzer damit vor den Kopf stoßen und im Nachhinein die Kritik der Aktionäre ernten“. Twitter versucht sich deshalb zur Wehr zu setzen, die Übernahme mit der so genannten „Giftpille“ zu stoppen. Denn Musk ist darauf angewiesen, dass genug Anteilseigner ihm ihre Aktien zum angebotenen Preis von 54,20 Dollar abtreten. Die „Pille“ sieht vor, dass andere Aktionäre zusätzlich Anteile günstig kaufen können, wenn ein Aufkäufer die 15-Prozent-Marke überschreitet.

Dabei ist es selbst für den reichsten Menschen der Welt nicht ganz so einfach, 42 Mrd. Dollar auf den Tisch zu legen. Musk besitze „wenig Cash-Reserven“. Er bräuchte also einen Partner, etwa private Finanziers. Wenig überraschend sei deshalb ein Bericht des Wall Street Journal, wonach der US-Finanzinvestor Apollo bei der Übernahme mitmischen wolle. Das Unternehmen erwäge, entweder Musk oder einen anderen Bieter bei einem Kaufoffert mit Kapital oder Krediten zu unterstützen, heißt es. Zudem kämen auch die privaten Beteiligungsgesellschaften Silver Lake Partner und Thoma Bravo in Frage, so Newman. Die Finanzierung sei also „nicht unmöglich“.

Doch warum tut sich der Mann das an? Die Übernahme sei „ökonomisch überhaupt nicht sinnvoll“ und kann sich für Musk nicht lohnen, sagt Kettemann. Doch in der Vergangenheit kamen sich der Visionär und Twitter immer wieder in die Haare; Beleidigungen und Falschaussagen brachten Musk Ärger ein, etwa Ermittlungen der US-Börsenaufsicht und Strafzahlungen. Es dürfte sich also im Kern um „einen Rachefeldzug“ und ein falsches Verständnis von Meinungsfreiheit handeln, sagt Kettemann. Diese wolle Musk nämlich mit weniger Moderation herstellen und „versteht dabei nicht, dass dies nicht mehr Freiheit bringt“. Denn in seinen Visionen einer heilen Twitter-Welt scheint es keine Querdenker, keinen Sturm aufs Kapitol, keine gewaltbereiten Corona-Leugner zu geben. Es wäre deshalb „tragisch“, wenn ihm eine Übernahme gelingen würde, sagt Kettemann. Musk selbst twitterte indessen, bei einer Übernahme sofort das Gehalt des Twitter-Vorstands streichen zu wollen. Das ist wohl kein Witz.

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