Entgeltliche Einschaltung

Gauck sieht Deutschland vor Zeitenwende: Energieboykott kein Tabu

Der ehemalige Bundespräsident Deutschlands fordert, abseits von direktem Eingreifen des Militärs alles menschenmögliche zu tun, um den Krieg in der Ukraine zu stoppen. Auch gewisse Wirtschaftseinbußen bei einem Energieembargo seien verkraftbar, so Gauck.

  • Artikel
  • Diskussion
Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck fordert, Deutschland müsse mehr für die Ukraine tun.
© IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

München, Kiew – Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine hat sich der deutsche Alt-Bundespräsident Joachim Gauck gegen Denktabus in der Frage eines sofortiges Boykotts russischer Energielieferungen ausgesprochen. Wäre es wirklich unzumutbar, wenn "wir dadurch eine Delle hätten und sechs Prozent Arbeitslosigkeit", fragte das ehemalige Staatsoberhaupt am Donnerstag auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel in Gmund am Tegernsee. Er zweifele an den Mahnungen, dass es sofort zu sozialen Unruhen komme.

Entgeltliche Einschaltung

Politik und Gesellschaft müssten sich nicht nur die Frage nach dem wirtschaftlichen Wohlstand stellen, sondern auch Fragen, was die Folgen seien, "wenn wir nicht solidarisch sind", sagte Gauck. Deutschland brauche in der politischen Lage Glaubwürdigkeit, jeder müsse in den Spiegel schauen können. "Wenn wir schon nicht kämpfen, lasst uns das Menschenmögliche tun."

Gauck fordert Mut von Politikern

Gauck zeichnete in seinen Ausführungen ein Bild der Deutschen als ängstliche Nation, als ein Land, das weniger seinen Werten verpflichtet zu sein scheint als der Furcht vor Despoten wie Wladimir Putin. Dies sei aber "keine zukunftsfähige Haltung", betonte er. Es brauche daher einen offenen Diskurs, "welches Deutschland wir sein wollen". Die kollektive Identität des Volkes stehe vor einer Zeitenwende.

Gauck sprach sich dafür aus, dass die Demokratie besser verteidigt werden müsse, dazu brauche es keine ängstlichen Politiker, die der Bevölkerung nicht zutrauten, mehr Lasten zu schultern. "Wir vermögen mehr zu schultern als das, was uns vor Augen ist", sagte Gauck.

Selenskyj soll "Freiheitspreis der Medien" bekommen

Der nach dem früheren deutschen Kanzler benannte Ludwig-Erhard-Gipfel findet am Donnerstag und Freitag am Tegernsee in Bayern statt. Am Freitag sollen der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja und die russische Journalistin Marina Owsjannikowa bei der Veranstaltung mit dem "Freiheitspreis der Medien" ausgezeichnet werden.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) nimmt an beiden Tagen teil. Am Donnerstagabend spricht der Außenminister auf einem Panel mit Sigmund Gottlieb, dem Ex-Chefredakteur des Bayerischen Fernsehen, zum Thema "Krieg und Frieden – Quo vadis Europa? Wie Freiheit und Wohlstand nachhaltig gesichert werden können." Zudem plant Schallenberg diverse bilaterale Gespräche, unter anderen mit SPD-Chef Lars Klingbeil, BDI-Präsident Siegfried Russwurm und dem Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann. (APA, dpa)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung