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Tiroler Filmgeschichte im Zeughaus: Laufende Bilder mit Leerstellen

Das Innsbrucker Zeughaus-Museum zeichnet in der Ausstellung „... uuund Schnitt“ ein Jahrhundert Tiroler Film- und Kinogeschichte nach.

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Bergfilm-Pionier Arnold Franck drehte 1931 mit der späteren NS-Propaganda-Filmerin Leni Riefenstahl „Der weiße Rausch“ am Arlberg.
© Imago

Innsbruck – Seit 1995 wird das Innsbrucker Zeughaus jedes Jahr im Hochsommer zum Freiluftkino – lange Jahre in Kooperation mit Treibhaus und Leokino. Seit dem Vorjahr werden Programm und Ablauf vom Leokino allein verantwortet. Heuer findet das traditionelle Open Air von 29. Juli bis 27. August statt. Als erste Programmpunkte sind unter anderem Sebastian Meises Gefängnisdrama „Die Große Freiheit“ und das zuletzt mit sechs Oscars ausgezeichnete Science-Fiction-Epos „Dune“ angekündigt.

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Doch heuer wird das Zeughaus nicht nur zum Sommerkino, auch das Zeughaus-Museum widmet sich der heimischen Kino- und Filmgeschichte. Die Ausstellung „... uuund Schnitt!“ wird heute eröffnet. Kuratorin Claudia Sporer-Heis spannt einen schlüssigen Bogen von der Zeit, als die Bilder laufen lernten, bis zur einsetzenden Digitalisierung der Film- und Kinotechnik in den 2000er-Jahren. So erinnert die Schau etwa an den Osttiroler Mathematiker Simon Stampfer, der um 1832 mit seinen „stroboskopischen Scheiben“ eine der Grundlagenarbeiten für die Entwicklung des Kinematografen leistete. Bereits um die Jahrhundertwende versprachen dann ambulante Filmvorführer hiesigen Gasthausgängern sensationelle Bewegtbilder aus aller Welt.

Das erste feststehende Lichtspieltheater Tirols eröffnete 1907 im Innsbrucker „Grauen Bär“, 1912 wurde der abendfüllende Spielfilm „Speckbacher“ gedreht – mit gut 2000 Statisten und einem Gesamtbudget von mehr als 60.000 Kronen die aufwändigste österreichisch-ungarische Produktion der Vorkriegszeit. Der Aufstand der Tiroler gegen die französisch-bayerische Besetzung blieb lange bevorzugter Stofflieferant für in Tirol produzierte Filme: Luis Trenker drehte 1932 unter anderem am Hafelekar seinen vom antidemokratischen Zeitgeist durchwehten „Der Rebell“, Christian Berger sein heldenhaft unheroisches frühes Meisterstück „Raffl“ (1984). Dass auch Alfred Hitchcock („Der Bergadler“, 1926), Robert Redford („Schußfahrt“, 1969) und Michael Caine („Das vergessene Tal“, 1971) in Tirol gedreht haben, bleibt ausgespart. Dafür wird an das Filmatelier Thiersee erinnert, das ab 1946 ein Zentrum des österreichischen Nachkriegsfilms war. Hier entstanden bis 1952 achtzehn Spielfilme, darunter die Kästner-Verfilmung „Das doppelte Lottchen“ (1955).

Im Depot der Tiroler Landesmuseen werden zahlreiche alte Filmrollen gelagert. Im Zeughaus sind einige davon ab heute ausgestellt.
© Lackner

Dem Kino als Ort der Verführung ist in „... uuund Schnitt!“ ein Schwerpunkt gewidmet. Der Filmemacher Daniel Pöhacker beschäftigt sich in einem klug montierten Kurzfilm mit Propaganda-Filmen der NS-Zeit. Die Verstrickungen mancher Tiroler Filmgrößen in die Propaganda-Maschinerie der Nazi-Diktatur – von Ferdinand Exl oder eben Luis Trenker zum Beispiel – bleiben unerwähnt.

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Eindrücklicher gelingt der Schau die Auseinandersetzung mit der Angst aufrechter Sittenwächter vor Anstößigem oder anderweitig Verquerem, etwa den oftmals auch in Tirol gedrehten Lederhosen-Softsexfilmchen. Die „Katholische Filmgilde“ machte es sich über Jahrzehnte zur Aufgabe, ganze Anschlagstafeln mit vehementen Warnungen vor den frivoleren Filmfreuden zu füllen: „Gott weiß, welchen Film du wählst!“ wurde plakatiert. Was manchen klandestinen Kinobesuch wohl noch ein bisschen reizvoller gemacht hat. (jole)


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