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Lecher Bürgermeister: Oligarchen waren hier gerngesehene Gäste

Der neue Lecher Bürgermeister Gerhard Lucian über Königshäuser, Oligarchen und die Chancen des Sommertourismus für seine Gemeinde.

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Bürgermeister Gerhard Lucien stand am Mediengipfel in Lech den Stipendiatinnen der Medienakademie Rede und Antwort.
© APA/LUCIAN BURGHOTEL

Lech wird immer als Nobel-Skiort bezeichnet – was macht einen Nobel-Skiort aus?

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Gerhard Lucian: Zu uns kommen bereits jahrzehntelang Mitglieder von Königshäusern, Wirtschaftsbosse, der Geld-Adel, aber das trifft auch auf andere Skiorte zu. Ein Erfolg von Lech ist, dass bei uns alle Schichten Urlaub machen. Wir haben neben den Hotels auch sehr viele 2- und 3-Stern-Pensionen, die ihre Zimmer relativ günstig anbieten. Was auch ich als Hotelier sagen kann: Die Prominenz braucht, dass sie vom Volk bewundert wird und umgekehrt. Wenn du alle möglichen Schichten hast, dann fühlen sich alle wohl. Brutal ist, dass bekannte Persönlichkeiten immer wieder belästigt werden und nicht einmal in Ruhe Urlaub machen können. Lady Diana war mit einem Double in Lech. Sie hat immer, bevor sie das Hotel verlassen hat, ihr Double vor die Türe geschickt, und das haben die 20 Paparazzi dann zu Gesicht bekommen.

Skilifte in Lech sperren diese Woche zu, aufgrund der Corona-Pandemie ist der Wintertourismus stark eingebrochen. Haben diese zwei Jahre Pandemie das Hotelfachgeschäft verändert?

Lucian: Die Betriebe in Lech haben schon vor Jahrzehnten begonnen, sich auf Qualität statt Masse zu konzentrieren. Jeder einzelne Gast, der zu uns kommt, weiß, dass es keine langen Wartezeiten, keine überfüllten Pisten gibt und in den Hotels und Pensionen Qualität gelebt wird. Das macht das ganze Flair aus, und es hat sich auch heuer im Winter gezeigt, dass Qualität mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen für eine kontinuierliche Auslastung sorgt. Insgesamt haben wir in der vergangenen Saison aber nur Minus geschrieben und das wussten wir schon im Vorfeld. Wir haben die Lifte nur für die Einheimischen in Betrieb genommen, um ihnen etwas zu bieten. Denn wenn man ein bisschen Sport betreibt und Ski fährt in der frischen Luft, bekommt man den Kopf frei und das ist gut für die Psyche.

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Neben den coronabedingten Wintertourismus-Einbußen gibt es auch „Good News“: Die Sommersaison 2021 war die beste in der Geschichte. Gibt es Strategien, um den Winterskiort Lech langfristig für Sommertourist:innen zu attraktivieren?

Lucian: Wir wollen die Sommersaison ausdehnen, damit die Mitarbeiter:innen so lange wie möglich Arbeit haben. Wir wollen künftig mindestens 10 Monate geöffnet haben – bisher sind es rund acht bis neun Monate. Ab 2024 ist unser neues Gemeindezentrum bespielbar, und wir haben bereits jetzt sehr viele Anfragen für den Saal. Außerdem machen wir die Gastronomie und Hotellerie nachhaltiger: Lech verbraucht ein Viertel der Biomasse zum Heizen von ganz Vorarlberg, dadurch sparen wir momentan ca. 12 Mio. Liter Heizöl ein.

Allerdings: Lech-Zürs ist österreichweit der einzige Skiort, der Heliskiing anbietet. Kann man sich das heute noch erlauben?

Lucian: Wenn ich den CO2-Ausstoß mit anderen Hubschrauber-Flügen vergleiche, dann befinden wir uns mit dem Heliskiing im Promille-Bereich. Es handelt sich um nicht so viele Flüge, nur einige wenige gute Skifahrer nützen das. Pro Jahr sind es 250 bis 300 Flüge á 4 Minuten. Mit dem Heliskiing haben wir einen USP am Markt geschaffen, wenn das nicht angeboten wird, dann hätten wir ein tolles Merkmal weniger. Unsere Konkurrenten sind nicht unbedingt die heimischen Skigebiete, wir haben internationale Konkurrenz, St. Moritz, Aspen, überall dort wird Heliskiing angeboten.

Lech ist in den vergangenen Monaten wegen Verbindungen mit dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska und dessen Lecher Nobelhotel in die Schlagzeilen gekommen. Hat Lech ein Oligarchenproblem?

Lucian: Warum sollen wir ein Problem haben? Oligarchen waren bis zu Kriegsbeginn hier gerngesehene Gäste. Sie haben - wie viele andere Gäste auch - Geld ausgegeben und sind nicht aufgefallen. Deripaska war der erste, der diesen Krieg sofort verurteilt hat, das muss man bitte auch immer wieder betonen. Sanktionslisten gegen Oligarchen werden von der Bundesregierung ausgesprochen und ich weiß nicht, warum gegen Oleg Deripaska keine verhängt wurden. Ich hätte kein Problem damit, wenn das der Fall gewesen wäre.

Also ist Deripaska der einzige russische Oligarch, der zu Jahresbeginn noch im Besitz von Immobilien in Lech war?

Lucian: Wissentlich geht es nur um ein Hotel [Deripaska verkaufte das Luxus-Hotel „Aurelio" an seinen Cousin, Anm. d. Red.] und nicht mehr. Ich weiß, dass die Nächtigungszahlen von russischen Gästen unter einem Prozent liegen, wir merken die Sanktionen gegen Russland also gar nicht.

Das Interview führten Sabrina Kainrad und Lisa Ganglbaur, Stipendiatinnen der Medienakademie beim 14. Europäischen Mediengipfel in Lech.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Medienakademie auf dem 14. Mediengipfel in Lech.
© ProMedia Kommunikation GmbH/APA-Fotoservice/Lechner

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