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Trauer um „Ostbahn Kurti“: Resetarits starb an Folgen eines Treppensturzes

Am Sonntag verunglückte der 73-Jährige bei einem Sturz in seinem Haus tödlich, gab seine Familie am Montagabend bekannt. Noch am Abend vor seinem Tod hatte er den Wiener Flüchtlingsball eröffnet. Willi Resetarits alias Ostbahn Kurti hat über 40 Jahre die österreichische Kultur- und Musiklandschaft mitgeprägt.

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Willi Resetarits starb an den Folgen eines Treppensturzes. Das gab seine Familie am Montag bekannt.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien – Der Musiker Willi Resetarits ist am Sonntagvormittag an den Folgen eines Sturzes auf einer Treppe in seinem Haus gestorben. Die Familie Resetarits legte am Montagabend Wert auf diese Feststellung, "um Spekulationen über die Todesursache auszuschließen", wie es hieß.

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Am Sonntag hatte man bei der Bekanntgabe des Todes von einem tödlichen Unfall gesprochen, ohne Details zu nennen. Die Bestürzung in der Kultur- und Politikszene war groß.

Willi Resetarits während eines Konzertes in Wien im August 2011.
© GEORG HOCHMUTH

"Wann die Musik vuabei is", spielte Resetarits gern als letzte Nummer eines Konzerts, derer in diesem Frühjahr noch zahlreiche geplant gewesen waren. Zuletzt hatte er seine Teilnahme an den beiden Benefiz-Konzerten für die Ukraine am Heldenplatz und im Happel-Stadion wegen einer Corona-Infektion absagen müssen. Nach seinem unerwarteten Tod würdigten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Politik den Musiker, der stets auch durch sein soziales Engagement in Erscheinung trat.

📽️ Video | Trauer nach Tod von Willi Resetarits

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Das waren die Reaktionen auf den Tod von Willi Resetarits

"Mit Willi Resetarits haben wir einen begeisternden Musiker & einen faszinierenden Menschen verloren", so Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Twitter. Als Mitbegründer von SOS Mitmensch, Asyl in Not und des Integrationshauses habe er sich für die Ärmsten in der Gesellschaft eingesetzt. "Er gab ihnen Würde & Hoffnung. Für sein unermüdliches Wirken gilt ihm mein Dank", schrieb Van der Bellen.

Bestürzung auch bei Regierungsspitze und Wiens Bürgermeister

"Wenn man vom Wienerlied spricht, so war Resetarits ein Titan dieses Genres", reagierte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung. "Speziell als Ostbahn-Kurti entwickelte er das Wienerlied zu ganz eigenständigen bluesigen und rockigen Crossover-Meisterwerken mit inhaltlichem Tiefgang."

Erschüttert zeigte sich auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) auf Twitter: "Er hat mich durch meine Jugend begleitet & ich habe viele Konzerte besucht. Mit seinen Liedern hat er Generationen begeistert. Sein Gespür für die Sorgen der Menschen, die er darin verarbeitet hat, wird unvergessen bleiben."

Er war ein so großartiger, vielseitiger Musiker und hat unser Leben in den schönen und in den schwierigen Zeiten mit dem richtigen Sound und einem großen Stück Weisheit begleitet", zeigte sich auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) betroffen. "Und er hatte ein großes Herz. Viele Jahre lang hat er sich aufrichtig und umtriebig engagiert und sich um Menschen gekümmert, die es nicht so gut haben." Die Grünen trauerten "um den Ausnahmekünstler Willi Resetarits".

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner schrieb auf Twitter: "Ostbahn Kurti ist von uns gegangen. Ein großer Künstler, ein großer Mensch. Seine Musik wird bleiben, sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit wird bleiben. Ein trauriger Tag."

📽️ Video | Zum Tod von Willi Resetarits

Soziales Engagement an erster Stelle

Bestürzt über das plötzliche Ableben von Willi Resetarits zeigte sich auch SOS Mitmensch: "Unser großer Dank gilt seiner beeindruckenden Schaffenskraft und seinem jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz für Menschenrechte und gegen Rassismus. Er wird uns fehlen und er wird Österreich fehlen", so die Menschenrechtsorganisation.

Kirche und Caritas würdigen "Ostbahn Kurti"

Der plötzliche Tod von Willi Resetarits alias "Ostbahn Kurti" hat auch die katholische Kirche und die Caritas "tief betroffen" gemacht. Mit ihm verliere "das Burgenland, die Volksgruppe der Burgenlandkroaten und ganz Österreich eine Stimme, die nicht nur unvergleichlichen Melodien, sondern auch den Benachteiligten und Entrechteten unserer Gesellschaft Gehör verschaffte", wird der Eisenstädter Bischof Ägidius J. Zsifkovics von Kathpress zitiert.

Resetarits habe "in seiner facettenreichen musikalischen Karriere seinen Erfolg immer für sozial- und gesellschaftspolitische Projekte genützt", so Zsifkovics. "Er blieb nicht, was schon viel gewesen wäre, der Musiker mit gesellschaftspolitischen Botschaften, sondern wirkte ganz konkret durch seine vielen sozialen Initiativen wie dem Wiener Integrationshaus."

📽️ Video | "Ostbahn Kurti" Willi Resetarits 73-jährig verstorben

Caritas-Präsident Michael Landau und Caritas-Wien-Direktor Klaus Schwertner äußerten sich auf Facebook zu Resetarits. Dessen plötzlicher Unfalltod "hinterlässt eine schmerzliche Lücke und ist ein herber Verlust", schrieb Landau. Das Ineinandergreifen von künstlerischem und sozialem Engagement habe viele Menschen ermutigt und inspiriert, sich für andere einzusetzen. Resetarits habe damit "sehr viel zu einem friedlichen und respektvollen Zusammenleben in unserem Land beigetragen". Schwertner schrieb "Oh nein. Der Kurtl ist nicht mehr" und erinnerte sich an "unzählige und unvergessliche" Konzerte von Resetarits, die er miterlebte. Wie unermüdlich sich der Verstorbene zeitlebens für Menschenrechte und Menschlichkeit einsetzte, "ist und bleibt vorbildlich. Er war ein echter Kämpfer für Menschlichkeit."

Willi Resetarits während eines Interviews im Spetember 2021.
© HERBERT PFARRHOFER

Resetarits wurde am 21. Dezember 1948 als Sohn burgenlandkroatischer Eltern in Stinatz geboren und wuchs wie seine gleichfalls bekannten Brüder Lukas und Peter kroatisch sprechend auf. Im Alter von drei Jahren kam er nach Wien, nach der Matura studierte er Anglistik und Sport auf Lehramt, gab das Lehrerziel aber bald zugunsten seiner Politrock-Gruppe "Schmetterlinge" auf und machte bereits damals - etwa bei der Arena-Besetzung 1976 - mit gesellschaftspolitischem Engagement auf sich aufmerksam.

Mitte der 80er wurde schließlich gemeinsam mit dem Autor und Komponisten Günter "Trainer" Brödl Resetarits' erfolgreichstes Alter-Ego geboren: Der Ostbahn-Kurti, der bald den Beinamen "Bruce Springsteen aus Favoriten" – neben vielen anderen – erhielt.

Neben Projekten wie dem "Stubnblues" und Kooperationen mit den Persönlichkeiten des erweiterten Wienerlied-Spektrums - allen voran mit Ernst Molden - widmete er sich dem Zusammenspiel mit Musikern aus anderen Kulturen. Sein Engagement für Interkulturellen Dialog brachte ihm Auszeichnungen wie den "Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte", den "Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage" und den "Fritz-Greinecker-Preis für Zivilcourage".

2013 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und wurde in der Kategorie "Kulturerbe" zum "Österreicher des Jahres" gekürt. 2017 erhielt er den Amadeus Austrian Music Award für das Lebenswerk. (TT.com, APA)

In memoriam "Ostbahn Kurti" im TV

Weitere Programmänderung in memoriam Willi Resetarits: ORF 1 widmet dem Ausnahmekünstler am Dienstag, dem 26. April 2022, um 23.00 Uhr die 2004 entstandene Dokumentation „So schauts’s aus – In memoriam Ostbahn Kurti“, in der seine Crewmitglieder und Wegbegleiter zu Wort kommen.

Anlass für diesen Film, der auch eine Retrospektive des Schaffens der Kunstfigur Kurt Ostbahn ist, war das Abschiedskonzert auf der Hohen Warte in Wien.

Auch ORF III änderte sein Programm: Am Montag ist in einem "Kultur Heute Spezial" (20.15 Uhr) u. a. Freundin und Wegbegleiterin Birgit Denk zu Gast. Anschließend folgt die Dokumentation "Losst's eich nix gfoin" (21.05 Uhr) von Günther Löffelmann, um 21.55 Uhr steht ein Dacapo von "Orte der Kindheit" auf dem Programm. In "DENK mit KULTUR" (22.30 Uhr) ist Willi Resetarits gemeinsam mit Ruth Brauer-Kvam zu Gast bei Birgit Denk, um 23.25 Uhr folgt die ORF-III-Neuproduktion "Die lange Nacht des Willi Resetarits" mit den legendärsten Konzerten und den denkwürdigsten Auftritten. Den Abend in memoriam Willi Resetarits beschließt der Spielfilm "Blutrausch" (1.30 Uhr), in dem die Kunstfigur Dr. Kurt Ostbahn in eine skurrile Kriminalgeschichte gerät.

Auch ServusTV ändert in memoriam Willi Resetarits sein Programm und sendet am Montag um 22.30 Uhr eine ihm gewidmete Ausgabe von "Austropop-Legenden". Die Doku von Rudi Dolezal zeichnet die wichtigsten Stationen der bunten und langen Karriere des Musikers nach, der sich als "Ostbahn-Kurti" ins österreichische Musikgedächtnis eingeschrieben hat. Resetarits ist am gestrigen Sonntag im Alter von 73 Jahren tödlich verunglückt. Noch am Samstagabend hatte er den Flüchtlingsball des Integrationshauses in Wien eröffnet.

Die Film- und Serienplattform Flimmit (flimmit.at) zeigt in memoriam Willi Resetarits ab heute, Montag, fünf Produktionen, die seine Kindheit und seinen musikalischen wie schauspielerischen Werdegang noch einmal beleuchten. Neben der Dokumentation "Vom ewechn Lem" sind der Spielfilm "Blutrausch", die ORF-Grätzelgeschichte "Mein Favoriten", sowie die Besuche von Ostbahn Kurti bei Birgit Denk in der ORF III-Sendung "Denk mit Kultur" und von Resetarits in seinem Geburtsort Stinatz aus der ORF-Reihe "Orte der Kindheit" zu sehen.


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